\ul#Die Mrchen der Brder Grimm\ul#
   
\ul#Bruder Lustig\ul#

Es war einmal ein groer Krieg, und als der Krieg zu Ende war, bekamen viele Soldaten ihren Abschied. Nun bekam der Bruder Lustig auch seinen Abschied und sonst nichts als ein kleines Laibchen Kommibrot und vier Kreuzer an Geld; damit zog er fort. Der heilige Petrus aber hatte sich als ein armer Bettler an den Weg gesetzt, und wie der Bruder Lustig daherkam, bat er ihn um ein Almosen. Er antwortete: "Lieber Bettelmann, was soll ich dir geben? Ich bin Soldat gewesen und habe meinen Abschied bekommen, und habe sonst nichts als das kleine Kommibrot und vier Kreuzer Geld, wenn das all ist, mu ich betteln, so gut wie du. Doch geben will ich dir was." Darauf teilte er den Laib in vier Teile und gab davon dem Apostel einen und auch einen Kreuzer.
Der heilige Petrus bedankte sich und ging weiter, setzte sich aber zum drittenmal in einer andern Gestalt als ein Bettler an den Weg und sprach den Bruder Lustig an. Der Bruder Lustig gab ihm auch das dritte Viertel Brot und den dritten Kreuzer. Der heilige Petrus bedankte sich, und der Bruder Lustig ging weiter und hatte nicht mehr als ein Viertel Brot und einen Kreuzer. Damit ging er in ein Wirtshaus, a das Brot und lie sich fr den Kreuzer Bier dazu geben. Als er fertig war, zog er weiter, und da ging ihm der heilige Petrus gleichfalls in der Gestalt eines verabschiedeten Soldaten entgegen und redete ihn an :  "Guten Tag, Kamerad, kannst du mir nicht ein Stck Brot geben und einen Kreuzer zu einem Trunk?"  
"Wo soll ichs hernehmen", antwortete der Bruder Lustig. "Ich habe meinen Abschied und sonst nichts als einen Laib Kommibrot und vier Kreuzer an Geld bekommen. Drei Bettler sind mir auf der Landstrae begegnet, davon hab ich jedem ein Viertel von meinem Brot und einen Kreuzer Geld gegeben. Das letzte Viertel habe ich im Wirtshaus gegessen und fr den letzten Kreuzer dazu getrunken. Jetzt bin ich leer, und wenn du auch nichts mehr hast, so knnen wir miteinander betteln gehen." 
"Nein" , antwortete der heilige Petrus, "das wird just nicht ntig sein: ich verstehe mich ein wenig auf die Doktorei, und damit will ich mir schon so viel verdienen, als ich brauche."  
"Ja",  sagte der Bruder Lustig, "davon verstehe ich nichts, also mu ich allein betteln gehen." "Nun komm nur mit", sprach der heilige Petrus, "wenn ich was verdiene, sollst du die Hlfte davon haben."
"Das ist mir wohl recht", sagte der Bruder Lustig. Also zogen sie miteinander fort.

Nun kamen sie an ein Bauernhaus und hrten darin gewaltig jammern und schreien, da gingen sie hinein, so lag der Mann darin auf den Tod krank und war nah am Verscheiden, und die Frau heulte und weinte ganz laut.  
"Lat Euer Heulen und Weinen", sprach der heilige Petrus, "ich will den Mann wieder gesund machen."  Er nahm eine Salbe aus der Tasche und heilte den Kranken augenblicklich, so da er aufstehen konnte und ganz gesund war. Sprachen Mann und Frau in groer Freude: "Wie knnen wir Euch lohnen? Was sollen wir Euch geben?"  Der heilige Petrus aber wollte nichts nehmen, und je mehr ihn die Bauersleute baten, desto mehr weigerte er sich. Der Bruder Lustig aber stie den heiligen Petrus an und sagte:  "So nimm doch was, wir brauchens ja."  Endlich brachte die Buerin ein Lamm und sprach zu dem heiligen Petrus, das mte er annehmen, aber er wollte es nicht. Da stie ihn der Bruder Lustig in die Seite und sprach: "Nimms doch, dummer Teufel, wir brauchens ja."
Da sagte der heilige Petrus endlich: "Ja, das Lamm will ich nehmen, aber ich trags nicht: wenn dus willst, so mut du es tragen." 
"Das hat keine Not", sprach der Bruder Lustig, "das will ich schon tragen",  und nahms auf die Schulter. Nun gingen sie fort und kamen in einen Wald, da war das Lamm dem Bruder Lustig schwer geworden, er aber war hungrig, also sprach er zu dem heiligen Petrus: "Schau, da ist ein schner Platz, da knnten wir das Lamm kochen und verzehren." 
"Mir ists recht", antwortete der heilige Petrus, "doch kann ich mit der Kocherei nicht umgehen: willst du kochen, so hast du da einen Kessel, ich will derweil auf- und abgehen, bis es gar ist. Du mut aber nicht eher zu essen anfangen, als bis ich wieder zurck bin; ich will schon zu rechter Zeit kommen." 
"Geh nur", sagte Bruder Lustig, "ich verstehe mich aufs Kochen, ich wills schon machen." Da ging der heilige Petrus fort, und der Bruder Lustig schlachtete das Lamm, machte Feuer an, warf das Fleisch in den Kessel und kochte. Das Lamm war aber schon gar und der Apostel immer noch nicht zurck, da nahm es der Bruder Lustig aus dem Kessel, zerschnitt es und fand das Herz.  
"Das soll das Beste sein", sprach er und versuchte es, zuletzt aber a er es ganz auf. Endlich kam der heilige Petrus zurck und sprach: "Du kannst das ganze Lamm allein essen, ich will nur das Herz davon, das gib mir." Da nahm Bruder Lustig Messer und Gabel, tat, als suchte er eifrig in dem Lammfleisch herum, konnte aber das Herz nicht finden; endlich sagte er kurzweg: "Es ist keins da." 
"Nun, wo solls denn sein?", sagte der Apostel.  
"Das wei ich nicht", antwortete der Bruder Lustig, "aber schau, was sind wir alle beide fr Narren, suchen das Herz vom Lamm, und fllt keinem von uns ein, ein Lamm hat ja kein Herz!" 
"Ei," sprach der heilige Petrus, "das ist was ganz Neues, jedes Tier hat ja ein Herz, warum sollt ein Lamm kein Herz haben?" 
"Nein, gewilich, Bruder, ein Lamm hat kein Herz, denk nur recht nach, so wird dirs einfallen, es hat im Ernst keins." 
"Nun, es ist schon gut",  sagte der heilige Petrus, "ist kein Herz da, so brauch ich auch nichts vom Lamm, du kannsts allein essen." "Was ich halt nicht aufessen kann, das nehm ich mit in meinem Ranzen",  sprach der Bruder Lustig, a das halbe Lamm und steckte das brige in seinen Ranzen.  
Sie gingen weiter, da machte der heilige Petrus, da ein groes Wasser quer ber den Weg flo und sie hindurch muten. Sprach der heilige Petrus: "Geh du nur voran." 
"Nein", antwortete der Bruder Lustig, "geh du voran"  und dachte: "Wenn dem das Wasser zu tief ist, so bleib ich zurck." Da schritt der heilige Petrus hindurch, und das Wasser ging ihm nur bis ans Knie. Nun wollte Bruder Lustig auch hindurch, aber das Wasser wurde grer und stieg ihm an den Hals. Da rief er: "Bruder, hilf mir." 
Sagte der heilige Petrus: "Willst du auch gestehen, da du das Herz von dem Lamm gegessen hast?" 
"Nein", antwortete er, "ich hab es nicht gegessen." Da ward das Wasser noch grer und stieg ihm bis an den Mund.  
"Hilf mir, Bruder",  rief der Soldat.  
Sprach der heilige Petrus noch einmal: "Willst du auch gestehen, da du das Herz vom Lamm gegessen hast?" 
"Nein", antwortete er, "ich hab es nicht gegessen." 
Der heilige Petrus wollte ihn doch nicht ertrinken lassen, lie das Wasser wieder fallen und half ihm hinber.  
Nun zogen sie weiter, und kamen in ein Reich, da hrten sie, da die Knigstochter todkrank lge.  
"Hallo, Bruder", sprach der Soldat zum heiligen Petrus, "da ist ein Fang fr uns, wenn wir die gesund machen, so ist uns auf ewige Zeiten geholfen." Da war ihm der heilige Petrus nicht geschwind genug, "Nun, heb die Beine auf, Bruderherz", sprach er zu ihm, "da wir noch zu rechter Zeit hinkommen." Der heilige Petrus ging aber immer langsamer, wie auch der Bruder Lustig ihn trieb und schob, bis sie endlich hrten, die Knigstochter wre gestorben.  
"Da haben wirs",  sprach der Bruder Lustig, "das kommt von deinem schlfrigen Gang." 
"Sei nur still",  antwortete der heilige Petrus, "ich kann noch mehr als Kranke gesund machen, ich kann auch Tote wieder ins Leben erwecken." 
"Nun, wenn das ist",  sagte der Bruder Lustig, "so la ich mirs gefallen, das halbe Knigreich mut du uns aber zum wenigsten damit verdienen." Darauf gingen sie in das knigliche Schlo, wo alles in groer Trauer war: der heilige Petrus aber sagte zu dem Knig, er wolle die Tochter wieder lebendig machen. Da ward er zu ihr gefhrt, und dann sprach er: "Bringt mir einen Kessel mit Wasser", und wie der gebracht war, hie er jedermann hinausgehen, und nur der Bruder Lustig durfte bei ihm bleiben. Darauf schnitt er alle Glieder der Toten los und warf sie ins Wasser, machte Feuer unter den Kessel und lie sie kochen. Und wie alles Fleisch von den Knochen herabgefallen war, nahm er das schne weie Gebein heraus und legte es auf eine Tafel, und reihte und legte es nach seiner natrlichen Ordnung zusammen. Als das geschehen war, trat er davor und sprach dreimal:  "Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit, Tote, steh auf." Und beim drittenmal erhob sich die Knigstochter lebendig, gesund und schn. Nun war der Knig darber in groer Freude und sprach zum heiligen Petrus: "Begehre deinen Lohn, und wenns mein halbes Knigreich wre, so will ich dirs geben." 
Der heilige Petrus aber antwortete: "Ich verlange nichts dafr." 
"Oh, du Hans Narr!" dachte der Bruder Lustig bei sich, stie seinen Kameraden in die Seite und sprach: "Sei doch nicht so dumm, wenn du nichts willst, so brauch ich doch was." 
Der heilige Petrus aber wollte nichts; doch weil der Knig sah, da der andere gerne was wollte, lie er ihm vom Schatzmeister seinen Ranzen mit Gold anfllen.  
Sie zogen darauf weiter, und wie sie in einen Wald kamen, sprach der heilige Petrus zum Bruder Lustig: "Jetzt wollen wir das Gold teilen." 
"Ja",  antwortete er, "das wollen wir tun."  Da teilte der heilige Petrus das Gold und teilte es in drei Teile.  
Dachte der Bruder Lustig: "Was er wieder fr einen Sparren im Kopf hat! Macht drei Teile, und unser sind zwei." 
Der heilige Petrus aber sprach: "Nun habe ich genau geteilt, ein Teil fr mich, ein Teil fr dich, und ein Teil fr den, der das Herz vom Lamm gegessen hat." 
"O, das hab ich gegessen",  antwortete der Bruder Lustig und strich geschwind das Gold ein. "Das kannst du mir glauben." 
"Wie kann das wahr sein",  sprach der heilige Petrus, "ein Lamm hat ja kein Herz." 
"Ei, was, Bruder, wo denkst du hin! Ein Lamm hat ja ein Herz, so gut wie jedes Tier, warum sollte das allein keins haben?" 
"Nun, es ist schon gut",  sagte der heilige Petrus, "behalt das Gold allein, aber ich bleibe nicht mehr bei dir und will meinen Weg allein gehen." 
"Wie du willst, Bruderherz",  antwortete der Soldat, "leb wohl." 
Da ging der heilige Petrus eine andere Strae.  Bruder Lustig aber dachte: "Es ist gut, da er abtrabt, es ist doch ein wunderlicher Heiliger."  Nun hatte er zwar Geld genug, wute aber nicht mit umzugehen, vertats, verschenkts,  und wie eine Zeit herum war, hatte er wieder nichts. Da kam er in ein Land, wo er hrte, da die Knigstochter gestorben wre. "Holla!" dachte er, "das kann gut werden, die will ich wieder lebendig machen und mirs bezahlen lassen, da es eine Art hat." Ging also zum Knig und bot ihm an, die Tote wieder zu erwecken. Nun hatte der Knig gehrt, da ein abgedankter Soldat herumziehe und die Gestorbenen wieder lebendig mache, und dachte, der Bruder Lustig wre dieser Mann, doch weil er kein Vertrauen zu ihm hatte, fragte er erst seine Rte, die sagten aber, er knnte es wagen, da seine Tochter doch tot wre.  
Nun lie sich der Bruder Lustig Wasser im Kessel bringen, hie jedermann hinausgehen, schnitt die Glieder ab, warf sie ins Wasser und machte Feuer darunter, gerade wie er es beim heiligen Petrus gesehen hatte. Das Wasser fing an zu kochen, und das Fleisch fiel herab, da nahm er das Gebein heraus und tat es auf die Tafel; er wute aber nicht, in welcher Ordnung es liegen mute und legte alles verkehrt durcheinander. Dann stellte er sich davor und sprach: "Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit, Tote, steh auf"  und sprachs dreimal, aber die Gebeine rhrten sich nicht. Da sprach er es noch dreimal, abergleichfalls umsonst.  
"Du Blitzmdel, steh auf",  rief er, "steh auf, oder es geht dir nicht gut."  
Wie er das gesprochen, kam der heilige Petrus auf einmal in seiner vorigen Gestalt, als verabschiedeter Soldat, durchs Fenster hereingegangen und sprach: "Du gottloser Mensch, was treibst du da, wie kann die Tote auferstehen, da du ihr Gebein so untereinander geworfen hast?" 
"Bruderherz, ich habs gemacht, so gut ich konnte",  antwortete er.  
"Diesmal will ich dir aus der Not helfen, aber das sag ich dir, wo du noch einmal so etwas unternimmst, so bist du unglcklich, auch darfst du von dem Knig nicht das Geringste dafr begehren oder annehmen." Darauf legte der heilige Petrus die Gebeine in ihre rechte Ordnung, sprach dreimal zu ihr: "Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit, Tote, steh auf",  und die Knigstochter stand auf, war gesund und schn wie vorher. Nun ging der heilige Petrus wieder durchs Fenster hinaus: der Bruder Lustig war froh, da es so gut abgelaufen war, rgerte sich aber doch, da er nichts dafr nehmen sollte.  
"Ich mchte nur wissen",  dachte er, "was der fr Mucken im Kopf hat, denn was er mit der einen Hand gibt, das nimmt er mit der andern: da ist kein Verstand drin."  Nun bot der Knig dem Bruder Lustig an, was er haben wollte, er durfte aber nichts nehmen, doch brachte er es durch Anspielung und Listigkeit dahin, da ihm der Knig seinen Ranzen mit Gold fllen lie, und damit zog er ab. Als er hinauskam, stand vor dem Tor der heilige Petrus und sprach: "Schau, was du fr ein Mensch bist, habe ich dir nicht verboten, etwas zu nehmen, und nun hast du den Ranzen doch voll Gold." 
"Was kann ich dafr",  antwortete Bruder Lustig, "wenn mirs hineingesteckt wird." 
"Das sag ich dir, da du nicht zum zweitenmal solche Dinge unternimmst, sonst soll es dir schlimm ergehen." 
"Ei, Bruder, sorg doch nicht, jetzt hab ich Gold, was soll ich mich da mit dem Knochenwaschen abgeben." 
"Ja",  sprach der heilige Petrus, "das Gold wird lang dauern! Damit du aber hernach nicht wieder auf unerlaubten Wegen gehst, so will ich deinem Ranzen die Kraft geben, da alles, was du dir hineinwnschest, auch darin sein soll. Leb wohl, du siehst mich nun nicht wieder." 
"Gott befohlen", sprach der Bruder Lustig und dachte: "Ich bin froh, da du fortgehst, du wunderlicher Kauz, ich will dir wohl nicht nachgehen." An die Wunderkraft aber, die seinem Ranzen verliehen war, dachte er nicht weiter.  
Bruder Lustig zog mit seinem Gold umher, und vertats und verfumfeits wie das erstemal. Als er nun nichts mehr als vier Kreuzer hatte, kam er an einem Wirtshaus vorbei und dachte: "Das Geld mu fort"  und lie sich fr drei Kreuzer Wein und einen Kreuzer Brot geben. Wie er da sa und trank, kam ihm der Geruch von gebratenen Gnsen in die Nase. Bruder Lustig schaute und guckte, und sah, da der Wirt zwei Gnse in der Ofenrhre stehen hatte. Da fiel ihm ein, da ihm sein Kamerad gesagt hatte, was er sich in seinen Ranzen wnschte, das sollte darin sein. "Holla, das mut du mit den Gnsen versuchen!" Also ging er hinaus, und vor der Tre sprach er: "So wnsch ich die zwei gebratenen Gnse aus der Ofenrhre in meinen Ranzen." 
Wie er das gesagt hatte, schnallte er ihn auf und schaute hinein, da lagen sie beide darin. "Ach, so ists recht",  sprach er, "nun bin ich ein gemachter Kerl." Er ging fort auf eine Wiese und holte den Braten hervor. Wie er so im besten Essen war, kamen zwei Handwerksburschen daher und sahen die eine Gans, die noch nicht angerhrt war, mit hungrigen Augen an. Dachte der Bruder Lustig "Mit einer hast du genug",  rief die zwei Burschen herbei und sprach: "Da nehmt die Gans und verzehrt sie auf meine Gesundheit." Sie bedankten sich, gingen damit ins Wirtshaus, lieen sich eine Halbe Wein und ein Brot geben, packten die geschenkte Gans aus und fingen an zu essen. Die Wirtin sah zu und sprach zu ihrem Mann: "Die zwei essen eine Gans, sieh doch nach, obs nicht eine von unsern aus der Ofenrhre ist." 
Der Wirt lief hin, da war die Ofenrhre leer:  "Was, ihr Diebsgesindel, so wohlfeil wollt ihr Gnse essen! Gleich bezahlt, oder ich will euch mit grnem Haselsaft waschen." 
Die zwei sprachen: "Wir sind keine Diebe, ein abgedankter Soldat hat uns die Gans drauen auf der Wiese geschenkt." 
"Ihr sollt mir keine Nase drehen, der Soldat ist hier gewesen, aber als ein ehrlicher Kerl zur Tr hinaus gegangen, auf den hab ich acht gehabt: ihr seid die Diebe und sollt bezahlen." Da sie aber nicht bezahlen konnten, nahm er den Stock und prgelte sie zur Tre hinaus.  
Bruder Lustig ging seiner Wege und kam an einen Ort, da stand ein prchtiges Schlo und nicht weit davon ein schlechtes Wirtshaus. Er ging in das Wirtshaus und bat um ein Nachtlager, aber der Wirt wies ihn ab und sprach: "Es ist kein Platz mehr da, das Haus ist voll vornehmer Gste." 
"Das nimmt mich wunder", sprach der Bruder Lustig, "da sie zu Euch kommen und nicht in das prchtige Schlo gehen." 
"Ja",  antwortete der Wirt, "es hat was an sich, dort eine Nacht zu liegen, wers noch versucht hat, ist nicht lebendig wieder herausgekommen." 
"Wenns andere versucht haben",  sagte der Bruder Lustig, "will ichs auch versuchen." 
"Das lat nur bleiben",  sprach der Wirt, "es geht Euch an den Hals." 
"Es wird nicht gleich an den Hals gehen",  sagte der Bruder Lustig,  "gebt mir nur die Schlssel und brav Essen und Trinken mit." Nun gab ihm der Wirt die Schlssel und Essen und Trinken, und damit ging der Bruder Lustig ins Schlo, lie sichs gut schmecken, und als er endlich schlfrig wurde, legte er sich auf die Erde, denn es war kein Bett da. Er schlief auch bald ein, in der Nacht aber wurde er von einem groen Lrm aufgeweckt, und wie er sich ermunterte, sah er neun hliche Teufel in dem Zimmer, die hatten einen Kreis um ihn gemacht und tanzten um ihn herum. Sprach der Bruder Lustig: "Nun tanzt, solang ihr wollt, aber komm mir keiner zu nah." 
Die Teufel aber drangen immer nher auf ihn ein und traten ihm mit ihren garstigen Fen fast ins Gesicht. "Habt Ruh, ihr Teufelsgespenster",  sprach er, aber sie triebens immer rger. Da ward der Bruder Lustig bs und rief: "Holla, ich will bald Ruhe stiften!"  kriegte ein Stuhlbein und schlug mitten hinein. Aber neun Teufel gegen einen Soldaten war doch zuviel, und wenn er auf den vordern zuschlug, so packten ihn die andern hinten bei den Haaren und rissen ihn erbrmlich.  "Teufelspack",  rief er, "jetzt wird mirs zu arg: wartet aber! Alle neune in meinen Ranzen hinein!"   Husch, steckten sie darin, und nun schnallte er ihn zu und warf ihn in eine Ecke. Da wars auf einmal still, und Bruder Lustig legte sich wieder hin und schlief bis an den hellen Morgen. Nun kamen der Wirt und der Edelmann, dem das Schlo gehrte, und wollten sehen, wie es ihm ergangen wre; als sie ihn gesund und munter erblickten, erstaunten sie und fragten: "Haben Euch denn die Geister nichts getan?" 
"Warum nicht gar",  antwortete Bruder Lustig, "ich habe sie alle neune in meinem Ranzen. Ihr knnt Euer Schlo wieder ganz ruhig bewohnen, es wird von nun an keiner mehr darin umgehen!" Da dankte ihm der Edelmann, beschenkte ihn reichlich und bat ihn, in seinen Diensten zu bleiben, er wollte ihn auf sein Lebtag versorgen. "Nein",  antwortete er, "ich bin an das Herumwandern gewhnt, ich will weiterziehen."  Da ging der Bruder Lustig fort, trat in eine Schmiede und legte den Ranzen, worin die neun Teufel waren, auf den Ambo, und bat den Schmied und seine Gesellen zuzuschlagen. Die schlugen mit ihren groen Hmmern aus allen Krften zu, da die Teufel ein erbrmliches Gekreisch erhoben. Wie er danach den Ranzen aufmachte, waren achte tot, einer aber, der in einer Falte gesessen hatte, war noch lebendig, schlpfte heraus und fuhr wieder in die Hlle.  
Darauf zog der Bruder Lustig noch lange in der Welt herum, und wers wte, knnte viel davon erzhlen. Endlich aber wurde er alt und dachte an sein Ende, da ging er zu einem Einsiedler, der als ein frommer Mann bekannt war, und sprach zu ihm: "Ich bin das Wandern mde und will nun trachten, in das Himmelreich zu kommen." 
Der Einsiedler antwortete: "Es gibt zwei Wege, der eine ist breit und angenehm und fhrt zur Hlle, der andere ist eng und rauh und fhrt zum Himmel." 
"Da mt ich ein Narr sein",  dachte der Bruder Lustig, "wenn ich den engen und rauhen Weg gehen sollte." Machte sich auf und ging den breiten und angenehmen Weg, und kam endlich zu einem groen schwarzen Tor, und das war das Tor der Hlle. Bruder Lustig klopfte an, und der Torwchter guckte, wer da wre. Wie er aber den Bruder Lustig sah, erschrak er, denn er war gerade der neunte Teufel, der mit in dem Ranzen gesteckt hatte und mit einem blauen Auge davongekommen war. Darum schob er den Riegel geschwind wieder vor, lief zum Obersten der Teufel und sprach: "Drauen ist ein Kerl mit einem Ranzen und will herein, aber lat ihn beileibe nicht herein, er wnscht sonst die ganze Hlle in seinen Ranzen. Er hat mich einmal garstig darin hmmern lassen." 
Also ward dem Bruder Lustig hinausgerufen, er sollte wieder abgehen, er kme nicht herein. "Wenn sie mich da nicht wollen", dachte er, "will ich sehen, ob ich im Himmel ein Unterkommen finde, irgendwo mu ich doch bleiben." 
Kehrte also um und zog weiter, bis er vor das Himmelstor kam, wo er auch anklopfte. Der heilige Petrus sa gerade dabei als Torwchter: Der Bruder Lustig erkannte ihn gleich und dachte: "Hier findest du einen alten Freund, da wirds besser gehen." Aber der heilige Petrus sprach: "Ich glaube gar, du willst in den Himmel?" 
"La mich doch ein, Bruder, ich mu doch wo einkehren; htten sie mich in der Hlle aufgenommen, so wr ich nicht hierher gegangen." 
"Nein", sagte der heilige Petrus, "du kommst nicht herein." 
"Nun, willst du mich nicht einlassen, so nimm auch deinen Ranzen wieder: dann will ich gar nichts von dir haben",  sprach der Bruder Lustig.  
"So gib ihn her",  sagte der heilige Petrus. Da reichte er den Ranzen durchs Gitter in den Himmel hinein, und der heilige Petrus nahm ihn und hing ihn neben seinen Sessel auf. Da sprach der Bruder Lustig: "Nun wnsch ich mich selbst in meinen Ranzen hinein." 
Husch, war er darin, und sa nun im Himmel, und der heilige Petrus mute ihn darin lassen.
\np#\ul#Brderchen und Schwesterchen\ul# 

Brderchen nahm sein Schwesterchen an der Hand und sprach: "Seit die Mutter tot ist, haben wir keine gute Stunde mehr; die Stiefmutter schlgt uns alle Tage und stt uns mit den Fen fort. Die harten Brotkrusten, die brigbleiben, sind unsere Speise, und dem Hndchen unter dem Tisch geht's besser, dem wirft sie doch manchmal einen guten Bissen zu. Da Gott erbarm, wenn das unsere Mutter wte! Komm, wir wollen miteinander in die weite Welt gehen."  Sie gingen den ganzen Tag, und wenn es regnete, sprach das Schwesterlein: "Gott und unsere Herzen, die weinen zusammen!"  
Abends kamen sie in einen groen Wald und waren so mde von Jammer, vom Hunger und von dem langen Weg, da sie sich in einen hohlen Baum setzten und einschliefen.  
Am andern Morgen, als sie aufwachten, stand die Sonne schon hoch am Himmel und schien hei in den Baum hinein. Da sprach das Brderchen: "Schwesterchen, mich drstet, wenn ich ein Brnnlein wte, ich ging' und trnk' einmal; ich mein', ich hrt' eins rauschen." Brderchen stand auf, nahm Schwesterchen an der Hand, und sie wollten das Brnnlein suchen. Die bse Stiefmutter aber war eine Hexe und hatte wohl gesehen, wie die beiden Kinder fortgegangen waren, war ihnen nachgeschlichen, heimlich, wie die Hexen schleichen, und hatte alle Brunnen im Walde verwnscht.  
Als sie nun ein Brnnlein fanden, das so glitzerig ber die Steine sprang, wollte das Brderchen daraus trinken; aber das Schwesterchen hrte, wie es im Rauschen sprach: "Wer aus mir trinkt, wird ein Tiger."-Da rief das Schwesterchen: "Ich bitte dich, Brderchen, trink nicht, sonst wirst du ein wildes Tier und zerreit mich." Das Brderchen trank nicht, obgleich es so groen Durst hatte, und sprach: "Ich will warten bis zur nchsten Quelle."  
Als sie zum zweiten Brnnlein kamen, hrte das Schwesterchen, wie auch dieses sprach: "Wer aus mir trinkt, wird ein Wolf, wer aus mir trinkt, wird ein Wolf."Da rief das Schwesterchen: "Brderchen, ich bitte dich, trink nicht, sonst wirst du ein Wolf und frissest mich."Das Brderchen trank nicht und sprach: "Ich will warten, bis wir zur nchsten Quelle kommen, aber dann mu ich trinken, du magst sagen, was du willst; mein Durst ist gar zu gro."  
Und als sie zum dritten Brnnlein kamen, hrte das Schwesterlein, wie es im Rauschen sprach: Wer aus mir trinkt, wird ein Reh, wer aus mir trinkt, wird ein Reh." Das Schwesterchen sprach: "Ach, Brderchen, trink nicht, sonst wirst du ein Reh und lufst mir fort." Aber das Brderchen hatte sich gleich beim Brnnlein niedergekniet, und von dem Wasser getrunken, und wie die ersten Tropfen auf seine Lip pen gekommen waren, lag es da als ein Rehklbchen.  
Nun weinte das Schwesterchen ber das arme verwnschte Brderchen, und das Rehchen weinte auch und sa so traurig neben ihm. Da sprach das Mdchen endlich: "Sei still, liebes Rehchen, ich will dich ja nimmermehr verlassen. Dann band es sein goldenes Strumpfband ab und tat es dem Rehchen um den Hals und rupfte Binsen und flocht ein weiches Seil daraus. Daran band es das Tierchen und fhrte es weiter und ging immer tiefer in den Wald hinein. Und als sie lange, lange gegangen waren, kamen sie endlich an ein kleines Haus, und das Mdchen schaute hinein, und weil es leer war, dachte es: ,Hier knnen wir bleiben und wohnen.' Da suchte es dem Rehchen Laub und Moos zu einem weichen Lager, und jeden Morgen ging es aus und sammelte Wurzeln, Beeren und Nsse, und fr das Rehchen brachte es zartes Gras mit, war vergngt und spielte vor ihm herum. Abends, wenn Schwesterchen mde war und sein Gebet gesagt hatte, legte es seinen Kopf auf den Rcken des Rehklbchens, das war sein Kissen, darauf es sanft einschlief. Und htte das Brderchen nur seine menschliche Gestalt gehabt, es wre ein herrliches Leben gewesen.  
Das dauerte eine Zeitlang, da sie so allein in der Wildnis waren. Es trug sich aber zu, da der Knig des Landes eine groe Jagd in dem Wald hielt. Da schallte das Hrnerblasen, Hundegebell und das lustige Geschrei der Jger durch die Bume, und das Rehlein hrte es und wre gar zu gerne dabeigewesen. "Ach", sprach es zum Schwesterlein, "la mich hinaus in die Jagd, ich kann's nicht lnger mehr aushalten", und bat so lange, bis es einwilligte. "Aber", sprach es zu ihm, "komm mir ja abends wieder, vor den wilden Jgern schlie' ich mein Trlein; und damit ich dich kenne, so klopf und sprich: ,Mein Schwesterlein, la mich herein!' Und wenn du nicht so sprichst, so schlie ich mein Trlein nicht auf. " Nun sprang das Rehchen hinaus und es war ihm so wohl und es war so lustig in freier Luft. Der Knig und seine Jger sahen das schne Tier und setzten ihm nach, aber sie konnten es nicht einholen, und wenn sie meinten, sie htten es gewi, da sprang es ber das Gebsch weg und war verschwunden. Als es dunkel ward, lief es zu dem Huschen, klopfte und sprach: "Mein Schwesterlein, la mich herein." Da ward ihm die kleine Tr aufgetan, es sprang hinein und ruhete sich die ganze Nacht auf seinem weichen Lager aus. Am andern Morgen ging die Jagd von neuem an, und als das Rehlein wieder das Hifthorn hrte und das ,Ho ho !' der Jger, da hatte es keine Ruhe und sprach: "Schwesterchen, mach mir auf, ich mu hinaus." Das Schwesterchen ffnete ihm die Tr und sprach: "Aber zu Abend mut du wieder da sein und dein Sprchlein sagen."  
Als der Knig und seine Jger das Rehlein mit dem goldenen Halsband wiedersahen, jagten sie ihm alle nach, aber es war ihnen zu schnell und behend. Das whrte den ganzen Tag, endlich aber hatten es die Jger abends umzingelt, und einer verwundete es ein wenig am Fu, so da es hinken mute und langsam fortlief. Da schlich ihm ein Jger nach bis zu dem Huschen und hrte, wie es rief: "Mein Schwesterlein, la mich herein", und sah, da die Tr ihm aufgetan und alsbald wieder zugeschlossen ward. Der Jger ging zum Knig und erzhlte ihm, was er gesehen und gehrt hatte. Da sprach der Knig: "Morgen soll noch einmal gejagt werden."  
Das Schwesterchen aber erschrak gewaltig, als es sah, da sein Rehklbchen verwundet war. Es wusch ihm das Blut ab, legte Kruter auf und sprach: "Geh auf dein Lager, lieb Rehchen, da du wieder heil wirst." Die Wunde aber war so gering, da das Rehchen am Morgen nichts mehr davon sprte. Und als es die Jagdlust wieder drauen hrte, sprach es: "Ich kann's nicht aushalten, ich mu dabeisein!" Das Schwesterchen weinte und sprach: "Nun werden sie dich tten, und ich bin hier allein im Wald und bin verlassen von aller Welt, ich lass' dich nicht hinaus.""So sterb' ich dir hier vor Betrbnis", antwortete das Rehchen, "wenn ich das Hifthorn hre, so mein' ich, ich mt' aus den Schuhen springen!" Da konnte das Schwesterchen nicht anders und schlo ihm mit schwerem Herzen die Tr auf, und das Rehchen sprang gesund und frhlich in den Wald. Als es der Knig erblickte, sprach er zu seinen Jgern: "Nun jagt ihm nach den ganzen Tag bis in die Nacht, aber da ihm keiner etwas zuleide tut."  
Sobald die Sonne untergegangen war, sprach der Knig zum Jger: "Nun komm und zeige mir das Waldhuschen." Und als er vor dem Trlein war, klopfte er an und rief: "Lieb Schwesterlein, la mich herein." Da ging die Tr auf, und der Knig trat herein, und da stand ein Mdchen, das war so schn, wie er noch keines gesehen hatte. Das Mdchen erschrak, als es sah, da ein Mann hereinkam, der eine goldene Krone auf dem Haupt hatte. Aber der Knig sah es freundlich an, reichte ihm die Hand und sprach: "Willst du mit mir gehen auf mein Schlo und meine liebe Frau sein?""Ach ja", antwortete das Mdchen, "aber das Rehchen mu auch mit, das verlass' ich nicht." Sprach der Knig: "Es soll bei dir bleiben, solange du lebst, und es soll ihm an nichts fehlen." Indem kam es hereingesprungen; da band es das Schwesterchen wieder an das Binsenseil, nahm es selbst in die Hand und ging mit ihm aus dem Waldhuschen fort.  
Der Knig nahm das schne Mdchen auf sein Pferd und fhrte es in sein Schlo, wo die Hochzeit mit groer Pracht gefeiert wurde, und es war nun die Frau Knigin, und sie lebten lange Zeit vergngt zusammen; das Rehlein ward gehegt und gepflegt und sprang in dem Schlogarten herum.  
Die bse Stiefmutter aber, um derentwillen die Kinder in die Welt hineingegangen waren, die meinte nicht anders als, Schwesterchen wre von den wilden Tieren im Walde zerrissen worden und Brderchen als ein Rehkalb von den Jgern totgeschossen. Als sie nun hrte, da sie so glcklich waren und es ihnen so wohlging, da wurden Neid und Migunst in ihrem Herzen rege und lieen ihr keine Ruhe, wie sie die beiden doch noch ins Unglck bringen knnte. Ihre rechte Tochter, die hlich war wie die Nacht und nur ein Auge hatte, die machte ihr Vorwrfe und sprach: Eine Knigin zu werden, das Glck htte mir gebhrt.""Sei nur still", sagte die Alte und sprach sie zufrieden, wenn's Zeit ist, will ich schon bei der Hand sein." Als nun die Zeit herangerckt war und die Knigin ein schnes Knblein zur Welt gebracht hatte und der Knig gerade auf der Jagd war, nahm die alte Hexe die Gestalt der Kammerfrau an, trat in die Stube, wo die Knigin lag, und sprach zu der Kranken: "Kommt, das Bad ist fertig, das wird Euch wohltun und frische Krfte geben; geschwind, eh' es kalt wird." Ihre Tochter war auch bei der Hand, sie trugen die schwache Knigin in die Badstube und legten sie in die Wanne. Dann schlossen sie die Tre ab und liefen davon. In der Badstube aber hatten sie ein rechtes Hllenfeuer angemacht, da die schne junge Knigin bald ersticken mute.  
Als das vollbracht war, nahm die Alte ihre Tochter, setzte ihr eine Haube auf und legte sie ins Bett an der Knigin Stelle. Sie gab ihr auch die Gestalt und das Ansehen der Knigin; nur das verlorene Auge konnte sie ihr nicht wiedergeben. Damit es aber der Knig nicht merkte, mute sie sich auf die Seite legen, wo sie kein Auge hatte. Am Abend, als er heimkam und hrte, da ihm ein Shnlein geboren war, freute er sich herzlich und wollte ans Bett seiner lieben Frau gehen und sehen, was sie machte. Da rief die Alte geschwind: "Beileibe, lat die Vorhnge zu, die Knigin darf noch nicht ins Licht sehen und mu Ruhe haben." Der Knig ging zurck und wute nicht, da eine falsche Knigin im Bette lag. 
Als es aber Mitternacht war und alles schlief, da sah die Kinderfrau, die in der Kinderstube neben der Wiege sa und allein noch wachte, wie die Tr aufging und die rechte Knigin hereintrat. Sie nahm das Kind aus der Wiege, legte es in ihren Arm und gab ihm zu trinken. Dann schttelte sie ihm sein Kichen, legte es wieder hinein. Sie verga aber auch das Rehchen nicht, ging in die Ecke, wo es lag, und streichelte ihm ber den Rcken. Darauf ging sie wieder zur Tr hinaus, und die Kinderfrau fragte am andern Morgen die Wchter, ob jemand whrend der Nacht ins Schlo gegangen wre, aber sie antworteten: "Nein, wir haben niemand gesehen." So kam sie viele Nchte und sprach niemals ein Wort dabei; die Kinderfrau sah sie immer, aber sie getraute sich nicht, jemand etwas davon zu sagen.  
Als nun so eine Zeit verflossen war, da hub die Knigin in der Nacht an zu reden und sprach: "Was macht mein Kind? Was macht mein Reh? Nun komm' ich noch zweimal und dann nimmermehr." Die Kinderfrau antwortete ihr nicht, aber als sie wieder verschwunden war, ging sie zum Knig und erzhlte ihm alles. Sprach der Knig: "Ach Gott, was ist das? Ich will in der nchsten Nacht bei dem Kinde wachen." Abends ging er in die Kinderstube, aber um Mitternacht erschien die Knigin und sprach: "Was macht mein Kind? Was macht mein Reh? Nun komm' ich noch einmal und dann nimmermehr", und pflegte dann das Kind, wie sie gewhnlich tat, ehe sie verschwand. Der Knig getraute sich nicht, sie anzureden, aber er wachte auch in der folgenden Nacht. Sie sprach abermals: "Was macht mein Kind? Was macht mein Reh? Nun komm' ich noch diesmal und dann nimmermehr." Da konnte sich der Knig nicht zurckhalten, sprang zu ihr und sprach: "Du kannst niemand anders sein als meine liebe Frau." Da antwortete sie: "Ja, ich bin deine liebe Frau", und hatte in dem Augenblick durch Gottes Gnade das Leben wiedererhalten, war frisch, rot und gesund. Darauf erzhlte sie dem Knig den Frevel, den die bse Hexe und ihre Tochter an ihr verbt hatten. Der Knig lie beide vor Gericht fhren, und es ward ihnen das Urteil gesprochen. Die Tochter ward in den Wald gefhrt, wo sie die wilden Tiere zerrissen, die Hexe aber ward ins Feuer gelegt und mute jammervoll verbrennen. Und wie sie zu Asche verbrannt war, verwandelte sich das Rehklbchen und erhielt seine menschliche Gestalt wieder; Schwesterchen und Brderchen aber lebten glcklich zusammen bis an ihr Ende. 
\np#\ul#Das Riesenspielzeug\ul# 

Im Elsa auf der Burg Nideck, die an einem hohen Berg bei einem Wasserfall liegt, waren die Ritter vorzeiten groe Riesen. Einmal ging das Riesenfrulein herab ins Tal, wollte sehen, wie es da unten wre, und kam bis fast nach Haslach auf ein vor dem Wald gelegenes Ackerfeld, das gerade von den Bauern bestellt ward. Es blieb vor Verwunderung stehen und schaute den Pflug, die Pferde und Leute an, das ihr alles etwas Neues war. Ei", sprach sie und ging herzu, das nehm ich mir mit." Da kniete sie nieder zur Erde, spreitete ihre Schrze aus, strich mit der Hand ber das Feld, fing alles zusammen und tat's hinein. Nun lief sie ganz vergngt nach Haus, den Felsen hinaufspringend; wo der Berg so jh ist, da ein Mensch mhsam klettern mu, da tat sie einen Schritt und war droben.  
Der Ritter sa gerad am Tisch, als sie eintrat. Ei, mein Kind", sprach er, was bringst du da, die Freude schaut dir ja aus den Augen heraus." Sie machte geschwind ihre Schrze auf und lie ihn hineinblicken. Was hast du so Zappeliges darin?" - Ei Vater, gar zu artiges Spielding! So was Schnes hab ich mein Lebtag noch nicht gehabt." Darauf nahm sie eins nach dem andern heraus und stellte es auf den Tisch: den Pflug, die Bauern mit ihren Pferden; lief herum, schaute es an, lachte und schlug vor Freude in die Hnde, wie sich das kleine Wesen darauf hin- und herbewegte. Der Vater aber sprach: Kind, das ist kein Spielzeug, da hast du was Schnes angestiftet! Geh nur gleich und trag's wieder hinab ins Tal." Das Frulein weinte, es half aber nichts. Mir ist der Bauer kein Spielzeug", sagt der Ritter ernsthaftig, ich leid's nicht, da du mir murrst, kram alles sachte wieder ein und trag's an den nmlichen Platz, wo du's genommen hast. Baut der Bauer nicht sein Ackerfeld, so haben wir Riesen auf unserm Felsennest nichts zu leben."
\np#\ul#Das tapfere Schneiderlein\ul#
   
An einem Sommermorgen sa ein Schneiderlein auf seinem Tisch am Fenster, war guter Dinge und nhte aus Leibeskrften. Da kam eine Bauersfrau die Strae herab und rief: Gut Mus feil! Gut Mus feil!  
Das klang dem Schneiderlein lieblich in die Ohren, er steckte sein zartes Haupt zum Fenster hinaus und rief: Hierherauf, liebe Frau, hier wird Sie Ihre Ware los.  
Die Frau stieg die drei Treppen mit ihrem schweren Korbe zu dem Schneider herauf und mute die Tpfe smtlich vor ihm auspacken. Er besah sie alle, hob sie in die Hhe, hielt die Nase dran und sagte endlich: Das Mus scheint mir gut, wieg Sie mir doch vier Lot ab, liebe Frau, wenn's auch ein Viertelpfund ist, kommt es mir nicht darauf an.  
Die Frau, welche gehofft hatte, einen guten Absatz zu finden, gab ihm, was er verlangte, ging aber ganz rgerlich und brummig fort.  
Nun, das Mus soll mir Gott gesegnen, rief das Schneiderlein, und soll mir Kraft und Strke geben, holte das Brot aus dem Schrank, schnitt sich ein Stck ber den ganzen Laib und strich das Mus darber. Das wird nicht bitter schmecken, sprach er, aber erst will ich den Wams fertigmachen, eh ich anbeie.  
Er legte das Brot neben sich, nhte weiter und machte vor Freude immer grere Stiche. Indes stieg der Geruch von dem sen Mus hinauf an die Wand, wo die Fliegen in groer Menge saen, so da sie herangelockt wurden und sich scharenweis darauf niederlieen. Ei, wer hat euch eingeladen? sprach das Schneiderlein und jagte die ungebetenen Gste fort. Die Fliegen aber, die kein Deutsch verstanden, lieen sich nicht abweisen, sondern kamen in immer grerer Gesellschaft wieder. Da lief dem Schneiderlein endlich, wie man sagt, die Laus ber die Leber, es langte aus seiner Hlle nach einem Tuchlappen, und Wart, ich will es euch geben! schlug es unbarmherzig drauf. Als es abzog und zhlte, so lagen nicht weniger als sieben vor ihm tot und streckten die Beine.  
Bist du so ein Kerl? sprach er und mute selbst seine Tapferkeit bewundern. Das soll die ganze Stadt erfahren. Und in der Hast schnitt sich das Schneiderlein einen Grtel, nhte ihn und stickte mit groen Buchstaben darauf Siebene auf einen Streich!  
Ei was, Stadt! sprach er weiter, die ganze Welt soll's erfahren! Und sein Herz wackelte ihm vor Freude wie ein Lmmerschwnzchen. Der Schneider band sich den Grtel um den Leib und wollte in die Welt hinaus, weil er meinte, die Werksttte sei zu klein fr seine Tapferkeit. Eh er abzog, suchte er im Haus herum, ob nichts da wre, was er mitnehmen knnte. Er fand aber nichts als einen alten Ks, den steckte er ein. Vor dem Tore bemerkte er einen Vogel, der sich im Gestruch gefangen hatte, der mute zu dem Kse in die Tasche.  
Nun nahm er den Weg tapfer zwischen die Beine, und weil er leicht und behend war, fhlte er keine Mdigkeit. Der Weg fhrte ihn auf einen Berg, und als er den hchsten Gipfel erreicht hatte, so sa da ein gewaltiger Riese und schaute sich ganz gemchlich um. Das Schneiderlein ging beherzt auf ihn zu, redete ihn an und sprach: Guten Tag, Kamerad, gelt, du sitzest da und besiehst dir die weitlufige Welt? Ich bin eben auf dem Weg dahin und will mich versuchen. Hast du Lust, mitzugehen?  
Der Riese sah den Schneider verchtlich an und sprach: Du Lump! Du miserabler Kerl!  
Das wre! antwortete das Schneiderlein, knpfte den Rock auf und zeigte dem Riesen den Grtel. Da kannst du lesen, was ich fr ein Mann bin.  
Der Riese las Siebene auf einen Streich, meinte, das wren Menschen gewesen, die der Schneider erschlagen htte, und kriegte ein wenig Respekt vor dem kleinen Kerl. Doch wollte er ihn erst prfen, nahm einen Stein in die Hand und drckte ihn zusammen, da das Wasser heraustropfte.  
Das mach mir nach, sprach der Riese, wenn du Strke hast.  
Ist's weiter nichts? sagte das Schneiderlein. Das ist bei unsereinem Spielwerk, griff in die Tasche, holte den weichen Ks und drckte ihn, da der Saft herauslief. Gelt, sprach er, das war ein wenig besser?  
Der Riese wute nicht, was er sagen sollte, und konnte es von dem Mnnlein nicht glauben. Da hob der Riese einen Stein auf und warf ihn so hoch, da man ihn mit Augen kaum noch sehen konnte.  
Nun, du Erpelmnnchen, das tu mir nach.  
Gut geworfen, sagte der Schneider, aber der Stein hat doch wieder zur Erde herabfallen mssen. Ich will dir einen werfen, der soll gar nicht wiederkommen, griff in die Tasche, nahm den Vogel und warf ihn in die Luft. Der Vogel, froh ber seine Freiheit, stieg auf, flog fort und kam nicht wieder. Wie gefllt dir das Stckchen, Kamerad? fragte der Schneider.  
Werfen kannst du wohl, sagte der Riese, aber nun wollen wir sehen, ob du imstande bist, etwas Ordentliches zu tragen. Er fhrte das Schneiderlein zu einem mchtigen Eichbaum, der da gefllt auf dem Boden lag, und sagte. Wenn du stark genug bist, so hilf mir den Baum aus dem Wald heraustragen.  
Gerne, antwortete der kleine Mann, nimm du nur den Stamm auf deine Schulter, ich will die ste mit dem Gezweig aufheben und tragen, das ist doch das schwerste.  
Der Riese nahm den Stamm auf die Schulter, der Schneider aber setzte sich auf einen Ast, und der Riese, der sich nicht umsehen konnte, mute den ganzen Baum und das Schneiderlein noch obendrein forttragen. Es war dahinten ganz lustig und guter Dinge, pfiff das Liedchen Es ritten drei Schneider zum Tore hinaus, als wre das Baumtragen ein Kinderspiel. Der Riese, nachdem er ein Stck Wegs die schwere Last fortgeschleppt hatte, konnte nicht weiter und rief: Hr, ich mu den Baum fallen lassen. Der Schneider sprang behendiglich herab, fate den Baum mit beiden Armen, als wenn er ihn getragen htte, und sprach zum Riesen: Du bist ein so groer Kerl und kannst den Baum nicht einmal tragen.  
Sie gingen zusammen weiter, und als sie an einem Kirschbaum vorbeikamen, fate der Riese die Krone des Baumes, wo die zeitigsten Frchte hingen, bog sie herab, gab sie dem Schneider in die Hand und hie ihn essen. Das Schneiderlein aber war viel zu schwach, um den Baum zu halten, und als der Riese loslie, fuhr der Baum in die Hhe, und der Schneider ward mit in die Luft geschnellt. Als er wieder ohne Schaden herabgefallen war, sprach der Riese: Was ist das, hast du nicht die Kraft, die schwache Gerte zu halten?  
An der Kraft fehlt es nicht, antwortete das Schneiderlein,meinst du, das wre etwas fr einen, der siebene mit einem Streich getroffen hat? Ich bin ber den Baum gesprungen, weil die Jger da unten in das Gebsch schieen. Spring nach, wenn du's vermagst.  
Der Riese machte den Versuch, konnte aber nicht ber den Baum kommen, sondern blieb in den sten hngen, also da das Schneiderlein auch hier die Oberhand behielt.  
Der Riese sprach: Wenn du ein so tapferer Kerl bist, so komm mit in unsere Hhle und bernachte bei uns.  
Das Schneiderlein war bereit und folgte ihm. Als sie in der Hhle anlangten, saen da noch andere Riesen beim Feuer, und jeder hatte ein gebratenes Schaf in der Hand und a davon. Das Schneiderlein sah sich um und dachte, es ist doch hier viel weitlufiger als in meiner Werkstatt.  
Der Riese wies ihm ein Bett an und sagte, er solle sich hineinlegen und ausschlafen. Dem Schneiderlein war aber das Bett zu gro, es legte sich nicht hinein, sondern kroch in eine Ecke. Als es Mitternacht war und der Riese meinte, das Schneiderlein lge in tiefem Schlafe, so stand er auf, nahm eine groe Eisenstange, schlug das Bett mit einem Schlag durch und meinte, er htte dem Grashpfer den Garaus gemacht. Mit dem frhsten Morgen gingen die Riesen in den Wald und hatten das Schneiderlein ganz vergessen, da kam es auf einmal ganz lustig und verwegen dahergeschritten. Die Riesen erschraken, frchteten, es schlge sie alle tot, und liefen in einer Hast fort.  
Das Schneiderlein zog weiter, immer seiner spitzen Nase nach. Nachdem es lange gewandert war, kam es in den Hof eines kniglichen Palastes, und da es Mdigkeit empfand, so legte es sich ins Gras und schlief ein. Whrend es da lag, kamen die Leute, betrachteten es von allen Seiten und lasen auf dem Grtel Siebene auf einen Streich.  
Ach, sprachen sie, was will der groe Kriegsheld hier mitten im Frieden? Das mu ein mchtiger Herr sein.  
Sie gingen und meldeten es dem Knig und meinten, wenn Krieg ausbrechen sollte, wre das ein wichtiger und ntzlicher Mann, den man um keinen Preis fortlassen drfte. Dem Knig gefiel der Rat, und er schickte einen von seinen Hofleuten an das Schneiderlein ab, der sollte ihm, wenn es aufgewacht wre, Kriegsdienste anbieten.  
Der Abgesandte blieb bei dem Schlfer stehen, wartete, bis er seine Glieder streckte und die Augen aufschlug, und brachte dann seinen Antrag vor.  
Eben deshalb bin ich hierhergekommen, antwortete das Schneiderlein, ich bin bereit, in des Knigs Dienste zu treten. Also ward er ehrenvoll empfangen und ihm eine besondere Wohnung angewiesen.  
Die Kriegsleute aber waren dem Schneiderlein aufgesessen und wnschten, es wre tausend Meilen weit weg.  
Was soll daraus werden, sprachen sie untereinander, wenn wir Zank mit ihm kriegen und er haut zu, so fallen auf jeden Streich siebene. Da kann unsereiner nicht bestehen.  
Also faten sie einen Entschlu, begaben sich allesamt zum Knig und baten um ihren Abschied.  
Wir sind nicht gemacht, sprachen sie, neben einem Mann auszuhalten, der siebene auf einen Streich schlgt.  
Der Knig war traurig, da er um des einen willen alle seine treuen Diener verlieren sollte, wnschte, da seine Augen ihn nie gesehen htten, und wre ihn gerne wieder los gewesen. Aber er getraute sich nicht, ihm den Abschied zu geben, weil er frchtete, er mchte ihn samt seinem Volke totschlagen und sich auf den kniglichen Thron setzen. Er sann lange hin und her, endlich fand er einen Rat. Er schickte zu dem Schneiderlein und lie ihm sagen, weil er ein so groer Kriegsheld wre, so wollte er ihm ein Anerbieten machen. In einem Walde seines Landes hausten zwei Riesen, die mit Rauben, Morden, Sengen und Brennen groen Schaden stifteten, niemand drfte sich ihnen nahen, ohne sich in Lebensgefahr zu setzen. Wenn er diese beiden Riesen berwnde und ttete, so wollte er ihm seine einzige Tochter zur Gemahlin geben und das halbe Knigreich zur Ehesteuer; auch sollten hundert Reiter mitziehen und ihm Beistand leisten.  
Das wre so etwas fr einen Mann, wie du bist, dachte das Schneiderlein, eine schne Knigstochter und ein halbes Knigreich wird einem nicht alle Tage angeboten.  
O ja, gab er zur Antwort, die Riesen will ich schon bndigen und habe die hundert Reiter dabei nicht ntig; wer siebene auf einen Streich trifft, braucht sich vor zweien nicht zu frchten.  
Das Schneiderlein zog aus, und die hundert Reiter folgten ihm. Als es zu dem Rand des Waldes kam, sprach es zu seinen Begleitern: Bleibt hier nur halten, ich will schon allein mit den Riesen fertig werden.  
Dann sprang er in den Wald hinein und schaute sich rechts und links um. ber ein Weilchen erblickte er beide Riesen: Sie lagen unter einem Baume und schliefen und schnarchten dabei, da sich die ste auf und nieder bogen. Das Schneiderlein, nicht faul, las beide Taschen voll Steine und stieg damit auf den Baum. Als es in der Mitte war, rutschte es auf einen Ast, bis es gerade ber die Schlfer zu sitzen kam, und lie dem einen Riesen einen Stein nach dem andern auf die Brust fallen. Der Riese sprte lange nichts, doch endlich wachte er auf, stie seinen Gesellen an und sprach: Was schlgst du mich?  
Du trumst, sagte der andere, ich schlage dich nicht.  
Sie legten sich wieder zum Schlaf, da warf der Schneider auf den zweiten einen Stein herab.  
Was soll das? rief der andere. Warum wirfst du mich?  
Ich werfe dich nicht, antwortete der erste und brummte.  
Sie zankten sich eine Weile herum, doch weil sie mde waren, lieen sie's gut sein, und die Augen fielen ihnen wieder zu. Das Schneiderlein fing sein Spiel von neuem an, suchte den dicksten Stein aus und warf ihn dem ersten Riesen mit aller Gewalt auf die Brust.  
Das ist zu arg! schrie er, sprang wie ein Unsinniger auf und stie seinen Gesellen wider den Baum, da dieser zitterte. Der andere zahlte mit gleicher Mnze, und sie gerieten in solche Wut, da sie Bume ausrissen, aufeinander losschlugen, so lange, bis sie endlich beide zugleich tot auf die Erde fielen.  
Nun sprang das Schneiderlein herab.  
Ein Glck nur, sprach es, da sie den Baum, auf dem ich sa, nicht ausgerissen haben, sonst htte ich wie ein Eichhrnchen auf einen andern springen mssen: Doch unsereiner ist flchtig! Es zog sein Schwert und versetzte jedem ein paar tchtige Hiebe in die Brust, dann ging es hinaus zu den Reitern und sprach: Die Arbeit ist getan, ich habe beiden den Garaus gemacht; aber hart ist es hergegangen, sie haben in der Not Bume ausgerissen und sich gewehrt, doch das hilft alles nichts, wenn einer kommt wie ich, der siebene auf einen Streich schlgt.  
Seid Ihr denn nicht verwundet? fragten die Reiter.  
Das hat gute Wege, antwortete der Schneider, kein Haar haben sie mir gekrmmt.  
Die Reiter wollten ihm keinen Glauben beimessen und ritten in den Wald hinein: Da fanden sie die Riesen in ihrem Blute schwimmen, und ringsherum lagen die ausgerissenen Bume.  
Das Schneiderlein verlangte von dem Knig die versprochene Belohnung, den aber reute sein Versprechen, und er sann aufs neue, wie er sich den Helden vom Halse schaffen knnte.  
Ehe du meine Tochter und das halbe Reich erhltst, sprach er zu ihm, mut du noch eine Heldentat vollbringen. In dem Walde luft ein Einhorn, das groen Schaden anrichtet. Das mut du erst einfangen.  
Vor einem Einhorne frchte ich mich noch weniger als vor zwei Riesen; siebene auf einen Streich, das ist meine Sache. Er nahm sich einen Strick und eine Axt mit, ging hinaus in den Wald und hie abermals die, welche ihm zugeordnet waren, auen warten. Er brauchte nicht lange zu suchen, das Einhorn kam bald daher und sprang geradezu auf den Schneider los, als wollte es ihn ohne Umstnde aufspieen. Sachte, sachte, sprach er, so geschwind geht das nicht, blieb stehen und wartete, bis das Tier ganz nahe war, dann sprang er behendiglich hinter den Baum. Das Einhorn rannte mit aller Kraft gegen den Baum und spiete sein Horn so fest in den Stamm, da es nicht Kraft genug hatte, es wieder herauszuziehen, und so war es gefangen. Jetzt hab ich das Vglein, sagte der Schneider, kam hinter dem Baum hervor, legte dem Einhorn den Strick erst um den Hals, dann hieb er mit der Axt das Horn aus dem Baum, und als alles in Ordnung war, fhrte er das Tier ab und brachte es dem Knig.  
Der Knig wollte ihm den verheienen Lohn noch nicht gewhren und machte eine dritte Forderung. Der Schneider sollte ihm vor der Hochzeit erst ein Wildschwein fangen, das in dem Wald groen Schaden tat; die Jger sollten ihm Beistand leisten.  
Gerne, sprach der Schneider, das ist ein Kinderspiel.  
Die Jger nahm er nicht mit in den Wald, und sie waren's wohl zufrieden, denn das Wildschwein hatte sie schon mehrmals so empfangen, da sie keine Lust hatten, ihm nachzustellen.  
Als das Schwein den Schneider erblickte, lief es mit schumendem Munde und wetzenden Zhnen auf ihn zu und wollte ihn zur Erde werfen. Der flchtige Held aber sprang in eine Kapelle, die in der Nhe war, und gleich oben zum Fenster in einem Satze wieder hinaus. Das Schwein war hinter ihm hergelaufen, er aber hpfte auen herum und schlug die Tr hinter ihm zu; da war das wtende Tier gefangen, das viel zu schwer und unbehilflich war, um zu dem Fenster hinauszuspringen. Das Schneiderlein rief die Jger herbei, die muten den Gefangenen mit eigenen Augen sehen. Der Held aber begab sich zum Knige, der nun, er mochte wollen oder nicht, sein Versprechen halten mute und ihm seine Tochter und das halbe Knigreich bergab. Htte er gewut, da kein Kriegsheld, sondern ein Schneiderlein vor ihm stand, es wre ihm noch mehr zu Herzen gegangen. Die Hochzeit ward also mit groer Pracht und kleiner Freude gehalten und aus einem Schneider ein Knig gemacht.  
Nach einiger Zeit hrte die junge Knigin in der Nacht, wie ihr Gemahl im Traume sprach: Junge, mach mir den Wams und flick mir die Hosen, oder ich will dir die Elle ber die Ohren schlagen. Da merkte sie, in welcher Gasse der junge Herr geboren war, klagte am anderen Morgen ihrem Vater ihr Leid und bat, er mchte ihr von dem Manne helfen, der nichts anderes als ein Schneider wre. Der Knig sprach ihr Trost zu und sagte: La in der nchsten Nacht deine Schlafkammer offen, meine Diener sollen auen stehen und, wenn er eingeschlafen ist, hineingehen, ihn binden und auf ein Schiff tragen, das ihn in die weite Welt fhrt. Die Frau war damit zufrieden, des Knigs Waffentrger aber, der alles mit angehrt hatte, war dem jungen Herrn gewogen und hinterbrachte ihm den ganzen Anschlag.  
Dem Ding will ich einen Riegel vorschieben, sagte das Schneiderlein. Abends legte es sich zu gewhnlicher Zeit mit seiner Frau zu Bett. Als sie glaubte, er sei eingeschlafen, stand sie auf, ffnete die Tr und legte sich wieder. Das Schneiderlein, das sich nur stellte, als wenn es schliefe, fing an mit heller Stimme zu rufen: Junge, mach mir den Wams und flick mir die Hosen, oder ich will dir die Elle ber die Ohren schlagen! Ich habe siebene mit einem Streich getroffen, zwei Riesen gettet, ein Einhorn fortgefhrt und ein Wildschwein gefangen und sollte mich vor denen frchten, die drauen vor der Kammer stehen!  
Als diese den Schneider also sprechen hrten, berkam sie eine groe Furcht, sie liefen, als wenn das wilde Heer hinter ihnen wre, und keiner wollte sich mehr an ihn wagen.  
Also war und blieb das Schneiderlein sein Lebtag ein Knig.
\np#\ul#Daumesdick\ul#

Es war ein armer Bauersmann, der sa abends beim Herd und schrte das Feuer, und die Frau sa und spann. Da sprach er 'wie ists so traurig, da wir keine Kinder haben! es ist so still bei uns, und in den andern Husern ists so laut und lustig.' 'Ja,' antwortete die Frau und seufzte, 'wenns nur ein einziges wre, und wenns auch ganz klein wre, nur Daumens gro, so wollte ich schon zufrieden sein; wir httens doch von Herzen lieb.' Nun geschah es, da die Frau krnklich ward und nach sieben Monaten ein Kind gebar, das zwar an allen Gliedern vollkommen, aber nicht lnger als ein Daumen war. Da sprachen sie 'es ist, wie wir es gewnscht haben, und es soll unser liebes Kind sein,' und nannten es nach seiner Gestalt Daumesdick. Sie lieens nicht an Nahrung fehlen, aber das Kind ward nicht grer, sondern blieb, wie es in der ersten Stunde gewesen war; doch schaute es verstndig aus den Augen und zeigte sich bald als ein kluges und behendes Ding, dem alles glckte, was es anfing.  
Der Bauer machte sich eines Tages fertig, in den Wald zu gehen und Holz zu fllen, da sprach er so vor sich hin 'nun wollt ich, da einer da wre, der mir den Wagen nachbrchte.' 'O Vater,' rief Daumesdick, 'den Wagen will ich schon bringen, verlat Euch drauf, er soll zur bestimmten Zeit im Walde sein.' Da lachte der Mann und sprach 'wie sollte das zugehen, du bist viel zu klein, um das Pferd mit dem Zgel zu leiten.' 'Das tut nichts, Vater, wenn nur die Mutter anspannen will, ich setze mich dem Pferd ins Ohr und rufe ihm zu, wie es gehen soll.' 'Nun,' antwortete der Vater, 'einmal wollen wirs versuchen.'  
Als die Stunde kam, spannte die Mutter an und setzte Daumesdick ins Ohr des Pferdes, und dann rief der Kleine, wie das Pferd gehen sollte, 'jh und joh! hott und har!, Da ging es ganz ordentlich als wie bei einem Meister, und der Wagen fuhr den rechten Weg nach dem Walde. Es trug sich zu, als er eben um eine Ecke bog und der Kleine 'har, har!' rief, da zwei fremde Mnner daherkamen. 'Mein,' sprach der eine, 'was ist das? da fhrt ein Wagen, und ein Fuhrmann ruft dem Pferde zu, und ist doch nicht zu sehen.' 'Das geht nicht mit rechten Dingen zu,' sagte der andere, 'wir wollen dem Karren folgen und sehen, wo er anhlt.' Der Wagen aber fuhr vollends in den Wald hinein und richtig zu dem Platze, wo das Holz gehauen ward. Als Daumesdick seinen Vater erblickte, rief er ihm zu 'siehst du, Vater, da bin ich mit dem Wagen, nun hol mich runter.' Der Vater fate das Pferd mit der Linken und holte mit der Rechten sein Shnlein aus dem Ohr, das sich ganz lustig auf einen Strohhalm niedersetzte. Als die beiden fremden Mnner den Daumesdick erblickten, wuten sie nicht, was sie vor Verwunderung sagen sollten. Da nahm der eine den andern beiseit und sprach 'hr, der kleine Kerl knnte unser Glck machen, wenn wir ihn in einer groen Stadt fr Geld sehen lieen, wir wollen ihn kaufen.' Sie gingen zu dein Bauer und sprachen 'verkauft uns den kleinen Mann' er solls gut bei uns haben.' 'Nein,' antwortete der Vater, 'es ist mein Herzblatt, und ist mir fr alles Gold in der Welt nicht feil!' Daumesdick aber, als er von dem Handel gehrt, war an den Rockfalten seines Vaters hinaufgekrochen, stellte sich ihm auf die Schulter und wisperte ihm ins Ohr 'Vater, gib mich nur hin, ich will schon wieder zurckkommen.' Da gab ihn der Vater fr ein schnes Stck Geld den beiden Mnnern hin. 'Wo willst du sitzen?, sprachen sie zu ihm. 'Ach, setzt mich nur auf den Rand von eurem Hut, da kann ich auf und ab spazieren und die Gegend b etrachten, und falle doch nicht herunter.' Sie taten ihm den Willen, und als Daumesdick Abschied von seinem Vater genommen hatte, machten sie sich mit ihm fort. So gingen sie, bis es dmmrig ward, da sprach der Kleine 'hebt mich einmal herunter, es ist ntig.' 'Bleib nur droben' sprach der Mann, auf dessen Kopf er sa, 'ich will mir nichts draus machen, die Vgel lassen mir auch manchmal was drauf fallen.' 'Nein,' sprach Daumesdick, 'ich wei auch, was sich schickt, hebt mich nur geschwind herab.' Der Mann nahm den Hut ab und setzte den Kleinen auf einen Acker am Weg, da sprang und kroch er ein wenig zwischen den Schollen hin und her, dann schlpfte er pItzlich in ein Mausloch, das er sich ausgesucht hatte. 'Guten Abend, ihr Herren, geht nur ohne mich heim,' rief er ihnen zu, und lachte sie aus. Sie liefen herbei und stachen mit Stcken in das Mausloch, aber das war vergebliche Mhe, Daumesdick kroch immer weiter zurck, und da es bald ganz dunkel ward, so muten sie mit rger und mit leerem Beutel wieder heim wandern.  
Als Daumesdick merkte, da sie fort waren, kroch er aus dem unterirdischen Gang wieder hervor. 'Es ist auf dem Acker in der Finsternis so gefhrlich gehen,' sprach er, 'wie leicht bricht einer Hals und Bein.' Zum Glck stie er an ein leeres Schneckenhaus. 'Gottlob,' sagte er, 'da kann ich die Nacht sicher zubringen,' und setzte sich hinein. Nicht lang, als er eben einschlafen wollte, so hrte er zwei Mnner vorbergehen, davon sprach der eine 'wie wirs nur anfangen, um dem reichen Pfarrer sein Geld und sein Silber zu holen?, 'Das knnt ich dir sagen,' rief Daumesdick dazwischen. 'Was war das?' sprach der eine Dieb erschrocken, 'ich hrte jemand sprechen.' Sie blieben stehen und horchten, da sprach Daumesdick wieder 'nehmt mich mit, so will ich euch helfen.' 'Wo bist du denn?' 'Sucht nur auf der Erde und merkt, wo die Stimme herkommt,' antwortete er. Da fanden ihn endlich die Diebe und hoben ihn in die Hhe. 'Du kleiner Wicht, was willst du uns helfen!' sprachen sie. 'Seht,' antwortete er, 'ich krieche zwischen den Eisenstben in die Kammer des Pfarrers und reiche euch heraus, was ihr haben wollt.' 'Wohlan,' sagten sie, 'wir wollen sehen, was du kannst.' Als sie bei dem Pfarrhaus kamen, kroch Daumesdick in die Kammer, schrie aber gleich aus Leibeskrften 'wollt ihr alles haben, was hier ist?, Die Diebe erschraken und sagten 'so sprich doch leise, damit niemand aufwacht.' Aber Daumesdick tat, als htte er sie nicht verstanden, und schrie von neuem 'was wollt ihr? wollt ihr alles haben, was hier ist?' Das hrte die Kchin, die in der Stube daran schlief, richtete sich im Bete auf und horchte. Die Diebe aber waren vor Schrecken ein Stck Wegs zurckgelaufen, endlich faten sie wieder Mut und dachten 'der kleine Kerl will uns necken.' Sie kamen zurck und flsterten ihm zu 'nun mach Ernst und reich uns etwas heraus.' Da schrie Daumesdick noch einmal, so laut er konnte 'ich will euch ja alles geben, reicht nur die H nde herein.' Das hrte die horchende Magd ganz deutlich, sprang aus dem Bett und stolperte zur Tr herein. Die Diebe liefen fort und rannten, als wre der wilde Jger hinter ihnen; die Magd aber, als sie nichts bemerken konnte, ging ein Licht anznden. Wie sie damit herbeikam, machte sich Daumesdick, ohne da er gesehen wurde, hinaus in die Scheune: die Magd aber, nachdem sie alle Winkel durchgesucht und nichts gefunden hatte, legte sich endlich wieder zu Bett und glaubte, sie htte mit offenen Augen und Ohren doch nur getrumt.  
Daumesdick war in den Heuhlmchen herumgeklettert und hatte einen schnen Platz zum Schlafen gefunden: da wollte er sich ausruhen, bis es Tag wre, und dann zu seinen Eltern wieder heimgehen. Aber er mute andere Dinge erfahren! ja, es gibt viel Trbsal und Not auf der Welt! Die Magd stieg, als der Tag graute, schon aus dem Bett, um das Vieh zu fttern. Ihr erster Gang war in die Scheune, wo sie einen Arm voll Heu packte, und gerade dasjenige, worin der arme Daumesdick. lag und schlief. Er schlief aber so fest, da er nichts gewahr ward, und nicht eher aufwachte, als bis er in dem Maul der Kuh war, die ihn mit dem Heu aufgerafft hatte. 'Ach Gott,' rief er, 'wie bin ich in die Walkmhle geraten!, merkte aber bald, wo er war. Da hie es aufpassen, da er nicht zwischen die Zhne kam und zermalmt ward, und hernach mute er doch mit in den Magen hinabrutschen. 'In dem Stbchen sind die Fenster vergessen,' sprach er, 'und scheint keine Sonne hinein: ein Licht wird auch nicht gebracht.' berhaupt gefiel ihm das Quartier schlecht, und was das Schlimmste war, es kam immer mehr neues Heu zur Tre hinein, und der Platz ward immer enger. Da rief er endlich in der Angst, so laut er konnte, 'bringt mir kein frisch Futter mehr, bringt mir kein frisch Futter mehr.' Die Magd melkte gerade die Kuh, und als sie sprechen hrte, ohne jemand zu sehen, und es dieselbe Stimme war, die sie auch in der Nacht gehrt hatte, erschrak sie so, da sie von ihrem Sthlchen herabglitschte und die Milch verschttete. Sie lief in der grten Hast zu ihrem Herrn und rief 'ach Gott, Herr Pfarrer, die Kuh hat geredet.' 'Du bist verrckt,' antwortete der Pfarrer, ging aber doch selbst in den Stall und wollte nachsehen, was es da gbe. Kaum aber hatte er den Fu hineingesetzt, so rief Daumesdick aufs neue 'bringt mir kein frisch Futter mehr, bringt mir kein frisch Futter mehr.' Da erschrak der Pfarrer selbst, meinte, es wre ein bser Geist in die Kuh gefahren, und hie sie tten. Sie ward geschlachtet, der Magen aber, worin Daumesdick steckte, auf den Mist geworfen. Daumesdick hatte groe Mhe, sich hindurchzuarbeiten, und hatte groe Mhe damit, doch brachte ers so weit, da er Platz bekam, aber als er eben sein Haupt herausstrecken wollte, kam ein neues Unglck. Ein hungriger Wolf lief heran und verschlang den ganzen Magen mit einem Schluck. Daumnesdick verlor den Mut nicht, 'vielleicht,' dachte er, 'lt der Wolf mit sich reden,' und rief ihm aus dem Wanste zu 'lieber Wolf' ich wei dir einen herrlichen Fra.' 'Wo ist der zu holen?' sprach der Wolf. 'In dem und dem Haus, da mut du durch die Gosse hineinkriechen, und wirst Kuchen, Speck und Wurst finden, so viel du essen willst,' und beschrieb ihm genau seines Vaters Haus. Der Wolf lie sich das nicht zweimal sagen, drngte sich in der Nacht zur Gosse hinein und fra in der Vorratskammer nach Herzenslust. Als er sich gesttigt hatte' wollte er wieder fort, aber er war so dick geworden' da er denselben Weg nicht wieder hinaus konnte. Darauf hatte Daumesdick gerechnet und fing nun an' in dem Leib des Wolfes einen gewaltigen Lrmen zu machen, tobte und schrie, was er konnte. 'Willst du stille sein,' sprach der Wolf, 'du weckst die Leute auf.' 'Ei was,' antwortete der Kleine, 'du hast dich satt gefressen, ich will mich auch lustig machen,' und fing von neuem an, aus allen Krften zu schreien. Davon erwachte endlich sein Vater und seine Mutter, liefen an die Kammer und schauten durch die Spalte hinein. Wie sie sahen, da ein Wolf darin hauste, liefen sie davon, und der Mann holte eine Axt, und die Frau die Sense. 'Bleib dahinten,' sprach der Mann, als sie in die Kammer traten, 'wenn ich ihm einen Schlag gegeben habe, und er davon noch nicht tot ist, so mut du auf ihn einhauen, und ihm den Leib zerschneiden.' Da hrte Daumesdick die Stimme se ines Vaters und rief 'lieber Vater, ich bin hier, ich stecke im Leibe des Wolfs.' Sprach der Vater voll Freuden 'gottlob, unser liebes Kind hat sich wiedergefunden,' und hie die Frau die Sense wegtun, damit Daumesdick nicht beschdigt wrde. Danach holte er aus, und schlug dem Wolf einen Schlag auf den Kopf, da er tot niederstrzte, dann suchten sie Messer und Schere, schnitten ihm den Leib auf und zogen den Kleinen wieder hervor. 'Ach,' sprach der Vater, 'was haben wir fr Sorge um dich ausgestanden!, 'Ja, Vater, ich bin viel in der Welt herumgekommen; gottlob, da ich wieder frische Luft schpfe!' 'Wo bist du denn all gewesen?' 'Ach, Vater, ich war in einem Mauseloch, in einer Kuh Bauch und in eines Wolfes Wanst: nun bleib ich bei euch.' 'Und wir verkaufen dich um alle Reichtmer der Welt nicht wieder,' sprachen die Eltern, herzten und kten ihren lieben Daumesdick. Sie gaben ihm zu essen und trinken, und lieen ihm neue Kleider machen, denn die seinigen waren ihm auf der Reise verdorben.  
\np#\ul#Der Froschknig oder der eiserne Heinrich\ul#  
   
In alten Zeiten, als das Wnschen noch geholfen hat, lebte einmal ein Knig, der hatte wunderschne Tchter. Die jngste von ihnen war so schn, da die Sonne selber, die doch so vieles schon gesehen hat, sich verwundene, sooft sie ihr ins Gesicht schien. Nahe bei dem Schlosse war ein groer, dunkler Wald, und mitten darin, unter einer alten Linde, war ein Brunnen. Wenn nun der Tag recht hei war, ging die jngste Prinzessin hinaus in den Wald und setzte sich an den Rand des khlen Brunnens. Und wenn sie Langeweile hatte, nahm sie eine goldene Kugel, warf sie in die Hhe und fing sie wieder auf. Das war ihr liebstes Spiel.  
Nun trug es sich einmal zu, da die goldene Kugel der Knigstochter nicht in die Hndchen fiel, sondern auf die Erde schlug und gerade in den Brunnen hineinrollte. Die Knigstochter folgte ihr mit den Augen nach, aber die Kugel verschwand, und der Brunnen war tief, so tief, da man keinen Grund sah.  
Da fing die Prinzessin an zu weinen und weinte immer lauter und konnte sich gar nicht trsten. Als sie so klagte, rief ihr pltzlich jemand zu: "Was hast du nur, Knigstochter? Du schreist ja, da sich ein Stein erbarmen mchte."  
Sie sah sich um, woher die Stimme kme, da erblickte sie einen Frosch, der seinen dicken, hlichen Kopf aus dem Wasser streckte. "Ach, du bist's, alter Wasserpatscher", sagte sie. "Ich weine ber meine goldene Kugel, die mir in den Brunnen hinabgefallen ist."  
"Sei still und weine nicht", antwortete der Frosch, "ich kann wohl Rat schaffen. Aber was gibst du mir, wenn ich dein Spielzeug wieder heraufhole?"  
"Was du haben willst, lieber Frosch", sagte sie, "meine Kleider, meine Perlen und Edelsteine, auch noch die goldene Krone, die ich trage."  
Der Frosch antwortete: "Deine Kleider, deine Perlen und Edelsteine und deine goldene Krone, die mag ich nicht. Aber wenn du mich liebhaben willst und ich dein Geselle und Spielkamerad sein darf, wenn ich an deinem Tischlein neben dir sitzen, von deinem goldenen Tellerlein essen, aus deinem Becherlein trinken, in deinem Bettlein schlafen darf, dann will ich hinuntersteigen und dir die goldene Kugel heraufholen."  
"Ach, ja", sagte sie, "ich verspreche dir alles, was du willst, wenn du mir nur die Kugel wiederbringst." Sie dachte aber, der einfltige Frosch mag schwtzen, was er will, der sitzt doch im Wasser bei seinesgleichen und quakt und kann keines Menschen Geselle sein!  
Als der Frosch das Versprechen der Knigstochter erhalten hatte, tauchte er seinen Kopf unter, sank hinab, und ber ein Weilchen kam er wieder heraufgerudert, hatte die Kugel im Maul und warf sie ins Gras. Die Knigstochter war voll Freude, als sie ihr schnes Spielzeug wiedererblickte, hob es auf und sprang damit fort.  
"Warte, warte!" rief der Frosch. "Nimm mich mit, ich kann nicht so laufen wie du!" Aber was half es ihm, da er ihr sein Quak-quak so laut nachschrie, wie er nur konnte! Sie hrte nicht darauf, eilte nach Hause und hatte den Frosch bald vergessen.  
Am andern Tag, als sie sich mit dem Knig und allen Hofleuten zur Tafel gesetzt hatte und eben von ihrem goldenen Tellerlein a, da kam, plitsch platsch, plitsch platsch, etwas die Marmortreppe heraufgekrochen. Als es oben angelangt war, klopfte es an die Tr und rief. "Knigstochter, jngste, mach mir auip"  
Sie lief und wollte sehen, wer drauen wre. Als sie aber aufmachte, sa der Frosch vor der Tr. Da warf sie die Tr hastig zu, setzte sich wieder an den Tisch, und es war ihr ganz ngstlich zumute.  
Der Knig sah wohl, da ihr das Herz gewaltig klopfte, und sprach: "Mein Kind, was frchtest du dich? Steht etwa ein Riese vor der Tr und will dich holen?"  
"Ach, nein", antwortete sie, "es ist kein Riese, sondern ein garstiger Frosch."  
"Was will der Frosch von dir?"  
"Ach, lieber Vater, als ich gestern im Wald bei dem Brunnen sa und spielte, fiel meine goldene Kugel ins Wasser. Als ich deshalb weinte, hat sie mir der Frosch heraufgeholt. Und weil er es durchaus verlangte, versprach ich ihm, er sollte mein Spielgefhrte werden. Ich dachte aber nimmermehr, da er aus seinem Wasser kme. Nun ist er drauen und will zu mir herein."  
Da klopfte es zum zweiten Mal, und eine Stimme rief:  
"Knigstochter, jngste,  
Mach mir auf!  
Weit du nicht, was gestern  
Du zu mir gesagt  
Bei dem khlen Brunnenwasser?  
Knigstochter, jngste,  
Mach mir auf!"  
Da sagte der Knig: "Was du versprochen hast, das mut du auch halten! Geh nur und mach ihm auf!"  
Sie ging und ffnete die Tr. Da hpfte der Frosch herein und hpfte ihr immer nach bis zu ihrem Stuhl. Dort blieb er sitzen und rief: "Heb mich hinauf zu dir!" Sie zauderte, bis es endlich der Knig befahl. Als der Frosch auf dem Stuhl war, wollte er auf den Tisch, und als er da sa, sprach er: "Nun schieb rnir dein goldenes Tellerlein nher, damit wir mitsammen essen knnen." Der Frosch lie sich's gut schmecken, ihr aber blieb fast jeder Bissen im Halse stecken.  
Endlich sprach der Frosch: "Ich habe mich satt gegessen und bin mde. Nun trag mich in dein Kmmerlein und mach dein seidenes Bettlein zurecht!" Die Knigstochter fing an zu weinen und frchtete sich vor dem kalten Frosch, den sie sich nicht anzurhren getraute und der nun in ihrem schnen, reinen Bettlein schlafen sollte.  
Der Knig aber wurde zornig und sprach: "Wer dir geholfen hat, als du in Not warst, den sollst du hernach nicht verachten!"  
Da packte sie den Frosch mit zwei Fingern, trug ihn hinauf in ihr Kmmerlein und setzte ihn dort in eine Ecke. Als sie aber im Bette lag, kam er gekrochen und sprach: "Ich will schlafen so gut wie du. Heb mich hinauf, oder ich sag's deinem Vater!"  
Da wurde sie bitterbse, holte ihn herauf und warf ihn gegen die Wand. "Nun wirst du Ruhe geben", sagte sie, "du garstiger Frosch!" Als er aber herabfiel, war er kein Frosch mehr, sondern ein Knigssohn mit schnen freundlichen Augen. Der war nun nach ihres Vaters Willen ihr lieber Geselle und Gemahl. Er erzhlte ihr, er wre von einer bsen Hexe verwnscht worden, und niemand htte ihn aus dem Brunnen erlsen knnen als sie allein, und morgen wollten sie mitsammen in sein Reich gehen.  
Und wirklich, am anderen Morgen kam ein Wagen herangefahren, mit acht weien Pferden bespannt, die hatten weie Straufedern auf dem Kopf und gingen in goldenen Ketten. Hinten auf dem Wagen aber stand der Diener des jungen Knigs, das war der treue Heinrich.  
Der treue Heinrich hatte sich so gekrnkt, als sein Herr in einen Frosch verwandelt worden war, da er drei eiserne Bnder um sein Herz hatte legen lassen, damit es ihm nicht vor Weh und Traurigkeit zersprnge.  
Der Wagen sollte nun den jungen Knig in sein Reich holen. Der treue Heinrich hob ihn und seine unge Gemahlin hinein, stellte sich wieder hinten hinauf und war voll Freude ber die Erlsung seines Herrn. Als sie ein Stck des Weges gefahren waren, hrte der Knigssohn, da es hinter ihm krachte, als ob etwas zerbrochen wre. Da drehte er sich um und rief:  
"Heinrich, der Wagen bricht!"  
"Nein, Herr, der Wagen nicht,  
Es ist ein Band von meinem Herzen,  
Das da lag in groen Schmerzen,  
Als Ihr in dem Brunnen sat  
Und in einen Frosch verzaubert wart."  
Noch einmal und noch einmal krachte es auf dem Weg, und der Knigssohn meinte immer, der Wagen brche. Doch es waren nur die Bnder, die vom Herzen des treuen Heinrich absprangen, weil sein Herr nun erlst und glcklich war.  
\np#\ul#Der Gevatter Tod\ul# 
   
Es hatte ein armer Mann zwlf Kinder und mute Tag und Nacht arbeiten, damit er ihnen nur Brot geben konnte. Als nun das dreizehnte zur Welt kam, wute er sich seiner Not nicht zu helfen, lief hinaus auf die groe Landstrae und wollte den ersten, der ihm begegnete, zu Gevatter bitten. Der erste, der ihm begegnete, das war der liebe Gott, der wute schon, was er auf dem Herzen hatte, und sprach zu ihm 'armer Mann, du dauerst mich, ich will dein Kind aus der Taufe heben, will fr es sorgen und es glcklich machen auf Erden.' Der Mann sprach 'wer bist du?' 'Ich bin der liebe Gott.' 'So begehr ich dich nicht zu Gevatter,' sagte der Mann, 'du gibst dem Reichen und lssest den Armen hungern.' Das sprach der Mann, weil er nicht wute, wie weislich Gott Reichtum und Armut verteilt. Also wendete er sich von dem Herrn und ging weiter. Da trat der Teufel zu ihm und sprach 'was suchst du? willst du mich zum Paten deines Kindes nehmen, so will ich ihm Gold die Hlle und Flle und alle Lust der Welt dazu geben.' Der Mann fragte 'wer bist du?' 'Ich bin der Teufel.' 'So begehr ich dich nicht zum Gevatter,' sprach der Mann, 'du betrgst und verfhrst die Menschen.' Er ging weiter, da kam der drrbeinige Tod auf ihn zugeschritten und sprach 'nimm mich zu Gevatter.' Der Mann fragte 'wer bist du?' 'Ich bin der Tod, der alle gleich macht.' Da sprach der Mann 'du bist der rechte, du holst den Reichen wie den Armen ohne Unterschied, du sollst mein Gevattersmann sein.' Der Tod antwortete 'ich will dein Kind reich und berhmt machen, denn wer mich zum Freunde hat, dem kanns nicht fehlen.' Der Mann sprach 'knftigen Sonntag ist die Taufe, da stelle dich zu rechter Zeit ein.' Der Tod erschien, wie er versprochen hatte, und stand ganz ordentlich Gevatter.  
Als der Knabe zu Jahren gekommen war, trat zu einer Zeit der Pate ein und hie ihn mitgehen. Er fhrte ihn hinaus in den Wald, zeigte ihm ein Kraut, das da wuchs, und sprach 'jetzt sollst du dein Patengeschenk empfangen. Ich mache dich zu einem berhmten Arzt. Wenn du zu einem Kranken gerufen wirst, so will ich dir jedesmal erscheinen: steh ich zu Hupten des Kranken, so kannst du keck sprechen, du wolltest ihn wieder gesund machen, und gibst du ihm dann von jenem Kraut ein, so wird er genesen; steh ich aber zu Fen des Kranken, so ist er mein, und du mut sagen, alle Hilfe sei umsonst, und kein Arzt in der Welt knne ihn retten. Aber hte dich, da du das Kraut nicht gegen meinen Willen gebrauchst, es knnte dir schlimm ergehen.'  
Es dauerte nicht lange, so war der Jngling der berhmteste Arzt auf der ganzen Welt. 'Er braucht nur den Kranken anzusehen, so wei er schon, wie es steht, ob er wieder gesund wird, oder ob er sterben mu,' so hie es von ihm, und weit und breit kamen die Leute herbei, holten ihn zu den Kranken und gaben ihm so viel Gold, da er bald ein reicher Mann war. Nun trug es sich zu, da der Knig erkrankte: der Arzt ward berufen und sollte sagen, ob Genesung mglich wre. Wie er aber zu dem Bette trat, so stand der Tod zu den Fen des Kranken, und da war fr ihn kein Kraut mehr gewachsen. 'Wenn ich doch einmal den Tod berlisten knnte,' dachte der Arzt, 'er wirds freilich belnehmen, aber da ich sein Pate bin, so drckt er wohl ein Auge zu: ich wills wagen.' Er fate also den Kranken und legte ihn verkehrt, so da der Tod zu Hupten desselben zu stehen kam. Dann gab er ihm von dem Kraute ein, und der Knig erholte sich und ward wieder gesund. Der Tod aber kam zu dem Arzte, machte ein bses und finsteres Gesicht, drohte mit dem Finger und sagte 'du hast mich hinter das Licht gefhrt: diesmal will ich dirs nachsehen, weil du mein Pate bist, aber wagst du das noch einmal, so geht dirs an den Kragen, und ich nehme dich selbst mit fort.'  
Bald hernach verfiel die Tochter des Knigs in eine schwere Krankheit. Sie war sein einziges Kind, er weinte Tag und Nacht, da ihm die Augen erblindeten, und lie bekanntmachen, wer sie vom Tode errettete, der sollte ihr Gemahl werden und die Krone erben. Der Arzt, als er zu dem Bette der Kranken kam, erblickte den Tod zu ihren Fen. Er htte sich der Warnung seines Paten erinnern sollen, aber die groe Schnheit der Knigstochter und das Glck, ihr Gemahl zu werden, betrten ihn so, da er alle Gedanken in den Wind schlug. Er sah nicht, da der Tod ihm zornige Blicke zuwarf, die Hand in die Hhe hob und mit der drren Faust drohte; er hob die Kranke auf, und legte ihr Haupt dahin, wo die Fe gelegen hatten. Dann gab er ihr das Kraut ein, und alsbald rteten sich ihre Wangen, und das Leben regte sich von neuem.  
Der Tod, als er sich zum zweitenmal um sein Eigentum betrogen sah, ging mit langen Schritten auf den Arzt zu und sprach 'es ist aus mit dir und die Reihe kommt nun an dich,' packte ihn mit seiner eiskalten Hand so hart, da er nicht widerstehen konnte, und fhrte ihn in eine unterirdische Hhle. Da sah er, wie tausend und tausend Lichter in unbersehbaren Reihen brannten' einige gro, andere halbgro, andere klein.  
Jeden Augenblick verloschen einige, und andere brannten wieder auf, also da die Flmmchen in bestndigem Wechsel hinund herzuhpfen schienen. 'Siehst du,' sprach der Tod, 'das sind die Lebenslichter der Menschen. Die groen gehren Kindern, die halbgroen Eheleuten in ihren besten Jahren, die kleinen gehren Greisen. Doch auch Kinder und junge Leute haben oft nur ein kleines Lichtchen.' 'Zeige mir mein Lebenslicht,' sagte der Arzt und meinte, es vvre noch recht gro. Der Tod deutete auf ein kleines Endchen, das eben auszugehen drohte, und sagte 'siehst du, da ist es.' 'Ach, lieber Pate,' sagte der erschrockene Arzt, 'zndet mir ein neues an, tut mirs zuliebe, damit ich meines Lebens genieen kann, Knig werde und Gemahl der schnen Knigstochter.' 'Ich kann nicht,' antwortete der Tod, 'erst mu eins verlschen, eh ein neues anbrennt.' 'So setzt das alte auf ein neues, das gleich fortbrennt, wenn jenes zu Ende ist,' bat der Arzt. Der Tod stellte sich, als ob er seinen Wunsch erfllen wollte, langte ein frisches groes Licht herbei: aber weil er sich rchen wollte, versah ers beim Umstecken absichtlich, und das Stckchen fiel um und verlosch. Alsbald sank der Arzt zu Boden, und war nun selbst in die Hand des Todes geraten.  
\np#\ul#Der starke Hans\ul#  
   
Es war einmal ein Mann und eine Frau, die hatten nur ein einziges Kind und lebten in einem abseits gelegenen Tale ganz allein. Es trug sich zu, da die Mutter einmal ins Holz ging, Tannenreiser zu lesen, und den kleinen Hans, der erst zwei Jahr alt war, mitnahm. Da es gerade in der Frhlingszeit war und das Kind seine Freude an den bunten Blumen hatte, so ging sie immer weiter mit ihm in den Wald hinein.  
Pltzlich sprangen aus dem Gebsch zwei Ruber hervor, packten die Mutter und das Kind und fhrten sie tief in den schwarzen Wald, wo jahraus, jahrein kein Mensch hinkam. Die arme Frau bat die Ruber instndig, sie mit ihrem Kinde freizulassen, aber das Herz der Ruber war von Stein; sie hrten nicht auf ihr Bitten und Flehen und trieben sie mit Gewalt an weiterzugehen.  
Nachdem sie etwa zwei Stunden durch Stauden und Drner sich hatten durcharbeiten mssen, kamen sie zu einem Felsen, wo eine Tre war, an welche die Ruber klopften und die sich alsbald ffnete. Sie muten durch einen langen, dunkelen Gang und kamen endlich in eine groe Hhle, die von einem Feuer, das auf dem Herd brannte, erleuchtet war. An der Wand hingen Schwerter, Sbel und andere Mordgewehre, die in dem Lichte blinkten, und in der Mitte stand ein schwarzer Tisch, an dem vier andere Ruber saen und spielten, und obenan sa der Hauptmann. Dieser kam, als er die Frau sah, herbei, redete sie an und sagte, sie sollte nur ruhig und ohne Angst sein, sie tten ihr nichts zuleid, aber sie mte das Hauswesen besorgen, und wenn sie alles in Ordnung hielte, so sollte sie es nicht schlimm bei ihnen haben. Darauf gaben sie ihr etwas zu essen und zeigten ihr ein Bett, wo sie mit ihrem Kinde schlafen knnte.  
Die Frau blieb viele Jahre bei den Rubern, und Hans ward gro und stark. Die Mutter erzhlte ihm Geschichten und lehrte ihn in einem alten Ritterbuch, das sie in der Hhle fand, lesen. Als Hans neun Jahre alt war, machte er sich aus einem Tannenast einen starken Knttel und versteckte ihn hinter das Bett; dann ging er zu seiner Mutter und sprach: Liebe Mutter, sage mir jetzt einmal, wer mein Vater ist, ich will und mu es wissen. Die Mutter schwieg still und wollte es ihm nicht sagen, damit er nicht das Heimweh bekme; sie wute auch, da die gottlosen Ruber den Hans doch nicht fortlassen wrden; aber es htte ihr fast das Herz zersprengt, da Hans nicht sollte zu seinem Vater kommen.  
In der Nacht, als die Ruber von ihrem Raubzug heimkehrten, holte Hans seinen Knttel hervor, stellte sich vor den Hauptmann und sagte: Jetzt will ich wissen, wer mein Vater ist, und wenn du mir's nicht gleich sagst, so schlag ich dich nieder. Da lachte der Hauptmann und gab dem Hans eine Ohrfeige, da er unter den Tisch kugelte. Hans machte sich wieder auf, schwieg und dachte: Ich will noch ein Jahr warten und es dann noch einmal versuchen, vielleicht geht's besser.  
Als das Jahr herum war, holte er seinen Knttel wieder hervor, wischte den Staub ab, betrachtete ihn und sprach: Es ist ein tchtiger, wackerer Knttel. Nachts kamen die Ruber heim, tranken Wein, einen Krug nach dem anderen, und fingen an die Kpfe zu hngen. Da holte der Hans seinen Knttel herbei, stellte sich wieder vor den Hauptmann und fragte ihn, wer sein Vater wre. Der Hauptmann gab ihm abermals eine so krftige Ohrfeige, da Hans unter den Tisch rollte, aber es dauerte nicht lange, so war er wieder oben und schlug mit seinem Knttel auf den Hauptmann und die Ruber, da sie Arme und Beine nicht mehr regen konnten. Die Mutter stand in einer Ecke und war voll Verwunderung ber seine Tapferkeit und Strke. Als Hans mit seiner Arbeit fertig war, ging er zu seiner Mutter und sagte: Jetzt ist mir's Ernst gewesen, aber jetzt mu ich auch wissen, wer mein Vater ist.  
Lieber Hans, antwortete die Mutter, komm, wir wollen gehen und ihn suchen, bis wir ihn finden. Sie nahm dem Hauptmann den Schlssel zu der Eingangstre ab, und Hans holte einen groen Mehlsack, packte Gold, Silber, und was er sonst noch fr schne Sachen fand, zusammen, bis er voll war, und nahm ihn dann auf den Rcken. Sie verlieen die Hhle, aber was tat Hans die Augen auf, als er aus der Finsternis heraus in das Tageslicht kam und den grnen Wald, Blumen und Vgel und die Morgensonne am Himmel erblickte. Er stand da und staunte alles an, als wenn er nicht recht gescheit wre. Die Mutter suchte den Weg nach Haus, und als sie ein paar Stunden gegangen waren, so kamen sie glcklich in ihr einsames Tal und zu ihrem Huschen.  
Der Vater sa unter der Tre, er weinte vor Freude, als er seine Frau erkannte und hrte, da Hans sein Sohn war, die er beide lngst fr tot gehalten hatte. Aber Hans, obgleich erst zwlf Jahr alt, war doch einen Kopf grer als sein Vater. Sie gingen zusammen in das Stbchen, aber kaum hatte Hans seinen Sack auf die Ofenbank gesetzt, so fing das ganze Haus an zu krachen, die Bank brach ein und dann auch der Fuboden, und der schwere Sack sank in den Keller hinab.  
Gott behte uns, rief der Vater, was ist das? Jetzt hast du unser Huschen zerbrochen.  
Lat Euch keine graue Haare darber wachsen, lieber Vater, antwortete Hans, da in dem Sack steckt mehr, als fr ein neues Haus ntig ist. Der Vater und Hans fingen auch gleich an, ein neues Haus zu bauen, Vieh zu erhandeln und Land zu kaufen und zu wirtschaften. Hans ackerte die Felder, und wenn er hinter dem Pflug ging und ihn in die Erde hineinschob, so hatten die Stiere fast nicht ntig zu ziehen.  
Den nchsten Frhling sagte Hans: Vater, behaltet alles Geld, und lat mir einen zentnerschweren Spazierstab machen, damit ich in die Fremde gehen kann. Als der verlangte Stab fertig war, verlie er seines Vaters Haus, zog fort und kam in einen tiefen und finstern Wald. Da hrte er etwas knistern und knastern, schaute um sich und sah eine Tanne, die von unten bis oben wie ein Seil gewunden war; und wie er die Augen in die Hhe richtete, so erblickte er einen groen Kerl, der den Baum gepackt hatte und ihn wie eine Weidenrute umdrehte. He! rief Hans, was machst du da droben? Der Kerl antwortete: Ich habe gestern Reiswellen zusammengetragen und will mir ein Seil dazu drehen. - Das la ich mir gefallen, dachte Hans, der hat Krfte, und rief ihm zu: La du das gut sein, und komm mit mir. Der Kerl kletterte von oben herab und war einen ganzen Kopf grer als Hans, und der war doch auch nicht klein. Du heiest jetzt Tannendreher, sagte Hans zu ihm.  
Sie gingen darauf weiter und hrten etwas klopfen und hmmern, so stark, da bei jedem Schlag der Erdboden zitterte. Bald darauf kamen sie zu einem mchtigen Felsen, vor dem stand ein Riese und schlug mit der Faust groe Stcke davon ab. Als Hans fragte, was er da vorhtte, antwortete er: Wenn ich nachts schlafen will, so kommen Bren, Wlfe und anderes Ungeziefer der Art, die schnuppern und schnuffeln an mir herum und lassen mich nicht schlafen, da will ich mir ein Haus bauen und mich hineinlegen, damit ich Ruhe habe. - Ei ja wohl, dachte Hans, den kannst du auch noch brauchen, und sprach zu ihm: La das Hausbauen gut sein, und geh mit mir, du sollst der Felsenklipperer heien. Er willigte ein, und sie strichen alle drei durch den Wald hin, und wo sie hinkamen, da wurden die wilden Tiere aufgeschreckt und liefen vor ihnen weg.  
Abends kamen sie in ein altes, verlassenes Schlo, stiegen hinauf und legten sich in den Saal schlafen. Am andern Morgen ging Hans hinab in den Garten, der war ganz verwildert und stand voll Drner und Gebsch. Und wie er so herumging, sprang ein Wildschwein auf ihn los; er gab ihm aber mit seinem Stab einen Schlag, da es gleich niederfiel. Dann nahm er es auf die Schulter und brachte es hinauf; da steckten sie es an einen Spie, machten sich einen Braten zurecht und waren guter Dinge. Nun verabredeten sie, da jeden Tag, der Reihe nach, zwei auf die Jagd gehen sollten und einer daheim bleiben und kochen, fr jeden neun Pfund Fleisch.  
Den ersten Tag blieb der Tannendreher daheim, und Hans und der Felsenklipperer gingen auf die Jagd. Als der Tannendreher beim Kochen beschftigt war, kam ein kleines, altes, zusammengeschrumpeltes Mnnchen zu ihm auf das Schlo und forderte Fleisch.  
Pack dich, Duckmuser, antwortete er, du brauchst kein Fleisch. Aber wie verwunderte sich der Tannendreher, als das kleine, unscheinbare Mnnlein an ihm hinaufsprang und mit Fusten so auf ihn losschlug, da er sich nicht wehren konnte, zur Erde fiel und nach Atem schnappte. Das Mnnlein ging nicht eher fort, als bis es seinen Zorn vllig an ihm ausgelassen hatte. Als die zwei andern von der Jagd heimkamen, sagte ihnen der Tannendreher nichts von dem alten Mnnchen und den Schlgen, die er bekommen hatte, und dachte: Wenn sie daheim bleiben, so knnen sie's auch einmal mit der kleinen Kratzbrste versuchen, und der bloe Gedanke machte ihm schon Vergngen.  
Den folgenden Tag blieb der Steinklipperer daheim, und dem ging es geradeso wie dem Tannendreher, er ward von dem Mnnlein bel zugerichtet, weil er ihm kein Fleisch hatte geben wollen. Als die andern abends nach Haus kamen, sah es ihm der Tannendreher wohl an, was er erfahren hatte, aber beide schwiegen still und dachten: Der Hans mu auch von der Suppe kosten.  
Der Hans, der den nchsten Tag daheim bleiben mute, tat seine Arbeit in der Kche, wie sich's gebhrte, und als er oben stand und den Kessel abschaumte, kam das Mnnchen und forderte ohne weiteres ein Stck Fleisch. Da dachte Hans: Es ist ein armer Wicht, ich will ihm von meinem Anteil geben, damit die andern nicht zu kurz kommen, und reichte ihm ein Stck Fleisch. Als es der Zwerg verzehrt hatte, verlangte er nochmals Fleisch, und der gutmtige Hans gab es ihm und sagte, da wre noch ein schnes Stck, damit sollte er zufrieden sein. Der Zwerg forderte aber zum drittenmal.  
Du wirst unverschmt, sagte Hans und gab ihm nichts. Da wollte der boshafte Zwerg an ihm hinaufspringen und ihn wie den Tannendreher und Felsenklipperer behandeln, aber er kam an den Unrechten. Hans gab ihm, ohne sich anzustrengen, ein paar Hiebe, da er die Schlotreppe hinabsprang. Hans wollte ihm nachlaufen, fiel aber, so lang er war, ber ihn hin. Als er sich wieder aufgerichtet hatte, war ihm der Zwerg voraus. Hans eilte ihm bis in den Wald nach und sah, wie er in eine Felsenhhle schlpfte. Hans kehrte nun heim, hatte sich aber die Stelle gemerkt.  
Die beiden andern, als sie nach Haus kamen, wunderten sich, da Hans so wohlauf war. Er erzhlte ihnen, was sich zugetragen hatte, und da verschwiegen sie nicht lnger, wie es ihnen ergangen war. Hans lachte und sagte: Es ist euch ganz recht, warum seid ihr so geizig mit eurem Fleisch gewesen, aber es ist eine Schande, ihr seid so gro und habt euch von dem Zwerge Schlge geben lassen.  
Sie nahmen darauf Korb und Seil und gingen alle drei zu der Felsenhhle, in welche der Zwerg geschlpft war, und lieen den Hans mit seinem Stab im Korb hinab. Als Hans auf dem Grund angelangt war, fand er eine Tre, und als er sie ffnete, sa da eine bildschne Jungfrau, nein, so schn, da es nicht zu sagen ist, und neben ihr sa der Zwerg und grinste den Hans an wie eine Meerkatze. Sie aber war mit Ketten gebunden und blickte ihn so traurig an, da Hans groes Mitleid empfand und dachte: Du mut sie aus der Gewalt des bsen Zwerges erlsen, und gab ihm einen Streich mit seinem Stab, da er tot niedersank.  
Alsbald fielen die Ketten von der Jungfrau ab, und Hans war wie verzckt ber ihre Schnheit. Sie erzhlte ihm, sie wre eine Knigstochter, die ein wilder Graf aus ihrer Heimat geraubt und hier in den Felsen eingesperrt htte, weil sie nichts von ihm htte wissen wollen; den Zwerg aber htte der Graf zum Wchter gesetzt, und er htte ihr Leid und Drangsal genug angetan.  
Darauf setzte Hans die Jungfrau in den Korb und lie sie hinaufziehen. Der Korb kam wieder herab, aber Hans traute den beiden Gesellen nicht und dachte: Sie haben sich schon falsch gezeigt und dir nichts von dem Zwerg gesagt, wer wei, was sie gegen dich im Schild fhren. Da legte er seinen Stab in den Korb, und das war sein Glck, denn als der Korb halb in der Hhe war, lieen sie ihn fallen, und htte Hans wirklich darin gesessen, so wre es sein Tod gewesen. Aber nun wute er nicht, wie er sich aus der Tiefe herausarbeiten sollte, und wie er hin und her dachte, er fand keinen Rat.  
Es ist doch traurig, sagte er, da du da unten verschmachten sollst. Und als er so auf und ab ging, kam er wieder zu dem Kmmerchen, wo die Jungfrau gesessen hatte, und sah, da der Zwerg einen Ring am Finger hatte, der glnzte und schimmerte. Da zog er ihn ab und steckte ihn an, und als er ihn am Finger umdrehte, so hrte er pltzlich etwas ber seinem Kopf rauschen. Er blickte in die Hhe und sah da Luftgeister schweben, die sagten, er wre ihr Herr, und fragten, was sein Begehren wre.  
Hans war anfangs ganz verstummt, dann aber sagte er, sie sollten ihn hinauftragen. Augenblicklich gehorchten sie, und es war nicht anders, als flge er hinauf. Als er aber oben war, so war kein Mensch mehr zu sehen, und als er in das Schlo ging, so fand er auch dort niemand. Der Tannendreher und der Felsenklipperer waren fortgeeilt und hatten die schne Jungfrau mitgefhrt. Aber Hans drehte den Ring, da kamen die Luftgeister und sagten ihm, die zwei wren auf dem Meer. Hans lief und lief in einem fort, bis er zu dem Meeresstrand kam, da erblickte er weit, weit auf dem Wasser ein Schiffchen, in welchem seine treulosen Gefhrten saen. Und im heftigen Zorn sprang er, ohne sich zu besinnen, mitsamt seinem Stab ins Wasser und fing an zu schwimmen, aber der zentnerschwere Stab zog ihn tief hinab, da er fast ertrunken wre.  
Da drehte er noch zu rechter Zeit den Ring, alsbald kamen die Luftgeister und trugen ihn, so schnell wie der Blitz, in das Schiffchen. Da schwang er seinen Stab und gab den bsen Gesellen den verdienten Lohn und warf sie hinab ins Wasser; dann aber ruderte er mit der schnen Jungfrau, die in den grten ngsten gewesen war und die er zum zweiten Male befreit hatte, heim zu ihrem Vater und ihrer Mutter und ward mit ihr verheiratet, und haben alle sich gewaltig gefreut.  
\np#\ul#Der Wolf und die sieben jungen Geilein\ul#  
   
Es war einmal eine alte Gei, die hatte sieben junge Geilein. Sie hatte sie so lieb, wie eben eine Mutter ihre Kinder liebhat. Eines Tages wollte sie in den Wald gehen und Futter holen. Da rief sie alle sieben herbei und sprach: "Liebe Kinder, ich mu hinaus in den Wald. Seid inzwischen brav, sperrt die Tre gut zu und nehmt euch in acht vor dem Wolf! Wenn er hereinkommt, frit er euch mit Haut und Haaren. Der Bsewicht verstellt sich oft, aber an seiner rauhen Stimme und an seinen schwarzen Fen werdet ihr ihn gleich erkennen."  
Die Geilein sagten: "Liebe Mutter, wir wollen uns schon in acht nehmen, du kannst ohne Sorge fortgehen." Da meckerte die Alte und machte sich getrost auf den Weg.  
Es dauerte nicht lange, da klopfte jemand an die Haustr und rief: "Macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von euch etwas mitgebracht!" Aber die Geilein hrten an der rauhen Stimme, da es der Wolf war. "Wir machen nicht auf", riefen sie, "du bist nicht unsere Mutter. Die hat eine feine und liebliche Stimme, deine Stimme aber ist rauh. Du bist der Wolf!"  
Da ging der Wolf fort zum Krmer und kaufte sich ein groes Stck Kreide. Er a es auf und machte damit seine Stimme fein. Dann kam er zurck, klopfte an die Haustr und rief: "Macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von euch etwas mitgebracht!"  
Aber der Wolf hatte seine schwarze Pfote auf das Fensterbrett gelegt. Das sahen die Kinder und riefen: "Wir machen nicht auf! Unsere Mutter hat keinen schwarzen Fu wie du. Du bist der Wolf!"  
Da lief der Wolf zum Bcker und sprach: "Ich habe mir den Fu angestoen, streich mir Teig darber!"  
Als ihm der Bcker die Pfote bestrichen hatte, lief er zum Mller und sprach: "Streu mir weies Mehl auf meine Pfote!" Der Mller dachte, der Wolf wolle jemanden betrgen, und weigerte sich. Aber der Wolf sprach: "Wenn du es nicht tust, fresse ich dich!" Da frchtete sich der Mller und machte ihm die Pfote wei.  
Nun ging der Bsewicht zum dritten Mal zu der Haustr, klopfte an und sprach: "Macht auf, Kinder, euer liebes Mtterchen ist heimgekommen und hat jedem von euch etwas aus dem Wald mitgebracht!"  
Die Geilein riefen: "Zeig uns zuerst deine Pfote, damit wir wissen, da du unser liebes Mtterchen bist."  
Da legte der Wolf die Pfote auf das Fensterbrett. Als die Geilein sahen, da sie wei war, glaubten sie, es wre alles wahr, was er sagte, und machten die Tre auf.  
Wer aber hereinkam, war der Wolf! Die Geilein erschraken und wollten sich verstecken. Das eine sprang unter den Tisch, das zweite ins Bett, das dritte in den Ofen, das vierte in die Kche, das fnfte in den Schrank, das sechste unter die Waschschssel, das siebente in den Kasten der Wanduhr. Aber der Wolf fand sie und verschluckte eines nach dem andern. Nur das jngste in dem Uhrkasten, das fand er nicht.  
Als der Wolf satt war, trollte er sich fort, legte sich drauen auf der grnen Wiese unter einen Baum und fing an zu schlafen.  
Nicht lange danach kam die alte Gei aus dem Walde wieder heim. Ach, was mute sie da erblicken! Die Haustr stand sperrangelweit offen, Tisch, Sthle und Bnke waren umgeworfen, die Waschschssel lag in Scherben, Decken und Polster waren aus dem Bett gezogen. Sie suchte ihre Kinder, aber nirgends waren sie zu finden. Sie rief sie nacheinander bei ihren Namen, aber niemand antwortete. Endlich, als sie das jngste rief, antwortete eine feine Stimme: "Liebe Mutter, ich stecke im Uhrkasten!"  
Da holte die Mutter das junge Geilein aus seinem Versteck heraus, und es erzhlte ihr, da der Wolf gekommen wre und die anderen alle gefressen htte. Ihr knnt euch denken, wie da die alte Gei ber ihre armen Kinder geweint hat!  
Endlich ging sie in ihrem Jammer hinaus, und das jngste Geilein lief mit. Als sie auf die Wiese kamen, lag der Wolf immer noch unter dem Baum und schnarchte, da die ste zitterten. Die alte Gei betrachtete ihn von allen Seiten und sah, da in seinem vollen Bauch sich etwas regte und zappelte. Ach, Gott, dachte sie, sollten meine armen Kinder, die er zum Nachtmahl hinuntergewrgt hat, noch am Leben sein?  
Da mute das Geilein nach Hause laufen und Schere, Nadel und Zwirn holen. Dann schnitt die alte Gei dem Bsewicht den Bauch auf. Kaum hatte sie den ersten Schnitt getan, da streckte auch schon ein Geilein den Kopf heraus. Und als sie weiterschnitt, sprangen nacheinander alle sechs heraus. Sie waren alle heil und gesund, denn der Wolf hatte sie in seiner Gier ganz hinuntergeschluckt.  
Das war eine Freude! Da herzten sie ihre liebe Mutter und hpften wie Schneider bei einer Hochzeit. Die Alte aber sagte: jetzt geht und sucht groe Steine, damit wollen wir dem bsen Tier den Bauch fllen, solange es noch im Schlafe liegt."  
Da schleppten die sieben Geilein in aller Eile Steine herbei und steckten ihm so viele in den Bauch, als sie nur hineinbringen konnten. Dann nhte ihn die Alte in aller Geschwindigkeit wieder zu, so da der Wolf nichts merkte und sich nicht einmal regte.  
Als er endlich ausgeschlafen war, machte er sich auf die Beine. Und weil ihm die Steine im Magen groen Durst verursachten, wollte er zu einem Brunnen gehen und trinken. Als er aber anfing zu laufen, stieen die Steine in seinem Bauch aneinander und zappelten. Da rief er:  
"Was rumpelt und pumpelt  
In meinem Bauch herum?  
Ich meinte, es wren sechs Geielein,  
Doch sind's lauter Wackerstein."  
Und als er an den Brunnen kam und sich ber das Wasser bckte und trinken wollte, da zogen ihn die schweren Steine hinein, und er mute jmmerlich ersaufen.  
Als die sieben Geilein das sahen, kamen sie eilig herbeigelaufen und riefen laut: "Der Wolf ist tot! Der Wolf ist tot!" Und sie faten einander an den Hnden und tanzten mit ihrer Mutter vor Freude um den Brunnen herum.  
\np#\ul#Die Bremer Stadtmusikanten\ul#

Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Scke unverdrossen zur Mhle getragen hatte, dessen Krfte aber nun zu Ende gingen, so da er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen, aber der Esel merkte, da kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen: dort, meinte er, knnte er ja Stadtmusikant werden. Als er ein Weilchen fortgegangen war, fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie einer, der sich mde gelaufen hat. Nun, was jappst du so, Packan? fragte der Esel. Ach, sagte der Hund, weil ich alt bin und jeden Tag schwcher werde, auch auf der Jagd nicht mehr fort kann, hat mich mein Herr wollen totschlagen, da hab ich Reiaus genommen; aber womit soll ich nun mein Brot verdienen? Weit du was, sprach der Esel, ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant, geh mit und la dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die Laute, und du schlgst die Pauken. Der Hund war's zufrieden, und sie gingen weiter. Es dauerte nicht lange, so sa da eine Katze an dem Weg und machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. Nun, was ist dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer? sprach der Esel. Wer kann da lustig sein, wenn's einem an den Kragen geht, antwortete die Katze, weil ich nun zu Jahren komme, meine Zhne stumpf werden und ich lieber hinter dem Ofen sitze und Spinne als nach Musen herumjage, hat mich meine Frau ersufen wollen; ich habe mich zwar noch fortgemacht, aber nun ist guter Rat teuer: wo soll ich hin? Geh mit uns nach Bremen, du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du ein Stadtmusikant werden. Die Katze hielt das fr gut und ging mit. Darauf kamen die drei Landesflchtigen an einem Hof vorbei, da sa auf dem Tor der Haushahn und schrie aus Leibeskrften. Du schreist einem durch Mark und Bein, sprach der Esel, was hast du vor? Da hab ich gut Wetter prophezeit, sprach der Hahn, weil unserer lieben Frauen Tag ist, wo sie dem Christkindlein die Hemdchen gewaschen hat und sie trocknen will; aber weil morgen zum Sonntag Gste kommen, so hat die Hausfrau doch kein Erbarmen und hat der Kchin gesagt, sie wollte mich morgen in der Suppe essen, und da soll ich mir heut abend den Kopf abschneiden lassen. Nun schrei ich aus vollem Hals, solang ich noch kann. Ei was, du Rotkopf, sagte der Esel, zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du berall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so mu es eine Art haben. Der Hahn lie sich den Vorschlag gefallen, und sie gingen alle viere zusammen fort.  
Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und kamen abends in einen Wald, wo sie bernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen groen Baum, die Katze und der Hahn machten sich in die ste, der Hahn aber flog bis in die Spitze, wo es am sichersten fr ihn war. Ehe er einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Winden um, da duchte ihn, er she in der Ferne ein Fnkchen brennen, und rief seinen Gesellen zu, es mte nicht gar weit ein Haus sein, denn es scheine ein Licht. Sprach der Esel: So mssen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier ist die Herberge schlecht. Der Hund meinte, ein paar Knochen und etwas Fleisch dran tten ihm auch gut. Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war, und sahen es bald heller schimmern, und es ward immer grer, bis sie vor ein hell erleuchtetes Ruberhaus kamen. Der Esel, als der grte, nherte sich dem Fenster und schaute hinein. Was siehst du, Grauschimmel? fragte der Hahn. Was ich sehe? antwortete der Esel. Einen gedeckten Tisch mit schnem Essen und Trinken, und Ruber sitzen daran und lassen's sich wohl sein. Das wre was fr uns, sprach der Hahn. Ja, ja, ach, wren wir da! sagte der Esel. Da ratschiagten die Tiere, wie sie es anfangen mten, um die Ruber hinauszujagen, und fanden endlich ein Mittel. Der Esel mute sich mit den Vorderfen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Eseis Rcken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf. Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn krhte; dann strzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, da die Scheiben klirnen. Die Ruber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Hhe, meinten nicht anders, als ein Gespenst kme herein, und flohen in grter Furcht in den Wald hinaus. Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was briggeblieben war, und aen, als wenn sie vier Wochen hungern sollten.  
Wie die vier Spielleute fertig waren, lschten sie das Licht aus und suchten sich eine Schlafsttte, jeder nach seiner Natur und Bequemlichkeit. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die Tre, die Katze auf den Herd bei die warme Asche, und der Hahn setzte sich auf den Hahnenbalken; und weil sie mde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie auch bald ein. Als Mitternacht vorbei war und die Ruber von weitem sahen, da kein Licht mehr im Haus brannte, auch alles ruhig schien, sprach der Hauptmann: Wir htten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen, und hie einen hingehen und das Haus untersuchen. Der Abgeschickte fand alles still, ging in die Kche, ein Licht anzuznden, und weil er die glhenden, feurigen Augen der Katze fr lebendige Kohlen ansah, hielt er ein Schwefelhlzchen daran, da es Feuer fangen sollte. Aber die Katze ver stand keinen Spa, sprang ihm ins Gesicht, spie und kratzte. Da erschrak er gewaltig, lief und wollte zur Hintertre hinaus, aber der Hund, der da lag, sprang auf und bi ihn ins Bein; und als er ber den Hof an dem Miste vorbeirannte, gab ihm der Esel noch einen tchtigen Schlag mit dem Hinterfu; der Hahn aber, der vom Lrmen aus dem Schlaf geweckt und munter geworden war, rief vom Balken herab: Kikeriki! Da lief der Ruber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zurck und sprach: Ach, in dem Haus sitzt eine greuliche Hexe, die hat mich angehaucht und mit ihren langen Fingern mir das Gesicht zerkratzt; und vor der Tre steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein gestochen; und auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungeheuer, das hat mit einer Holzkeule auf mich losgeschlagen; und oben auf dem Dache, da sitzt der Richter, der rief: 'Bringt mir den Schelm her.' Da machte ich, da ich fortkam. Von nun an getrauten sich die Ruber nicht weiter in das Haus, den vier Bremer Musikanten gefiel's aber so wohl darin, da sie nicht wieder heraus wollten. Und der das zuletzt erzhlt hat, dem ist der Mund noch warm.  
\np#\ul#Die drei Brder\ul#  
  
Es war ein Mann, der hatte drei Shne und weiter nichts im Vermgen als das Haus, worin er wohnte. Nun htte jeder gerne nach seinem Tode das Haus gehabt, dem Vater war aber einer so lieb als der andere, da wute er nicht, wie ers anfangen sollte, da er keinem zu nahe tt; verkaufen wollte er das Haus auch nicht, weils von seinen Voreltern war, sonst htte er das Geld unter sie geteilt. Da fiel ihm endlich ein Rat ein, und er sprach zu seinen Shnen 'geht in die Welt und versucht euch, und lerne jeder sein Handwerk, wenn ihr dann wiederkommt, wer das beste Meisterstck macht, der soll das Haus haben.'  
Das waren die Shne zufrieden, und der lteste wollte ein Hufschmied, der zweite ein Barbier, der dritte aber ein Fechtmeister werden. Darauf bestimmten sie eine Zeit, wo sie wieder nach Haus zusammenkommen wollten, und zogen fort. Es traf sich auch, da jeder einen tchtigen Meister fand, wo er was Rechtschaffenes lernte. Der Schmied mute des Knigs Pferde beschlagen und dachte 'nun kann dirs nicht fehlen, du kriegst das Haus.' Der Barbier rasierte lauter vornehme Herren und meinte auch, das Haus wre schon sein. Der Fechtmeister kriegte manchen Hieb, bi aber die Zhne zusammen und lie sichs nicht verdrieen, denn er dachte bei sich 'frchtest du dich vor einem Hieb, so kriegst du das Haus nimmermehr.' Als nun die gesetzte Zeit herum war, kamen sie bei ihrem Vater wieder zusammen: sie wuten aber nicht, wie sie die beste Gelegenheit finden sollten, ihre Kunst zu zeigen, saen beisammen und ratschlagten. Wie sie so saen, kam auf einmal ein Hase bers Feld dahergelaufen. 'Ei,' sagte der Barbier, 'der kommt wie gerufen,' nahm Becken und Seife, schumte so lange, bis der Hase in die Nhe kam, dann seifte er ihn in vollem Laufe ein, und rasierte ihm auch in vollem Laufe ein Stutzbrtchen, und dabei schnitt er ihn nicht und tat ihm an keinem Haare weh. 'Das gefllt mir,' sagte der Vater, 'wenn sich die andern nicht gewaltig angreifen, so ist das Haus dein.' Es whrte nicht lang, so kam ein Herr in einem Wagen dahergerennt in vollem Tagen 'Nun sollt Ihr sehen, Vater, was ich kann,' sprach der Hufschmied, sprang dem Wagen nach, ri dem Pferd, das in einem fortjagte, die vier Hufeisen ab und schlug ihm auch im Jagen vier neue wieder an. 'Du bist ein ganzer Kerl,' sprach der Vater, 'du machst deine Sachen so gut wie dein Bruder; ich wei nicht, wem ich das Haus geben soll.' Da sprach der dritte 'Vater, lat mich auch einmal gewhren,' und weil es anfing zu regnen, zog er seinen Degen und schwenkte ihn in Kreuzhieben ber seinen Kopf, da kein Tropfen auf ihn fiel: und als der Regen strker ward, und endlich so stark, als ob man mit Mulden vom Himmel gsse, schwang er den Degen immer schneller und blieb so trocken, als s er unter Dach und Fach. Wie der Vater das sah, erstaunte er und sprach 'du hast das beste Meisterstck gemacht, das Haus ist dein.'  
Die beiden andern Brder waren damit zufrieden, wie sie vorher gelobt hatten, und weil sie sich einander so lieb hatten, blieben sie alle drei zusammen im Haus und trieben ihr Handwerk; und da sie so gut ausgelernt hatten und so geschickt waren, verdienten sie viel Geld. So lebten sie vergngt bis in ihr Alter zusammen, und als der eine krank ward und starb, grmten sich die zwei andern so sehr darber, da sie auch krank wurden und bald starben. Da wurden sie, weil sie so geschickt gewesen waren und sich so lieb gehabt hatten, alle drei zusammen in ein Grab gelegt.
\np#\ul#Die goldene Gans\ul#  
  
Es war ein Mann, der hatte drei Shne, davon hie der jngste der Dummling und wurde verachtet und verspottet und bei jeder Gelegenheit zurckgesetzt. Es geschah, da der lteste in den Wald gehen wollte, Holz hauen, und eh' er ging, gab ihm noch seine Mutter einen schnen feinen Eierkuchen und eine Flasche Wein mit, damit er nicht Hunger und Durst litte. Als er in den Wald kam, begegnete ihm ein altes, graues Mnnlein, das bot ihm einen guten Tag und sprach: "Gib mir doch ein Stck Kuchen aus deiner Tasche und la mich einen Schluck von deinem Wein trinken ! Ich bin so hungrig und durstig." Der kluge Sohn aber antwortete: "Geb ich dir meinen Kuchen und meinen Wein, so hab ich selber nichts, pack dich deiner Wege !" lie das Mnnlein stehen und ging fort. Als er nun anfing, einen Baum zu behauen, dauerte es nicht lange, so hieb er fehl, und die Axt fuhr ihm in den Arm, da er mute heimgehen und sich verbinden lassen. Das war aber von dem grauen Mnnchen gekommen.  
Darauf ging der zweite Sohn in den Wald, und die Mutter gab ihm, wie dem ltesten, einen Eierkuchen und eine Flasche Wein. Dem begegnete gleichfalls das alte, graue Mnnchen und hielt um ein Stckchen Kuchen und einen Trunk Wein an. Aber der zweite Sohn sprach auch ganz verstndig: "Was ich dir gebe, das geht mir selber ab, pack dich deiner Wege !" lie das Mnnlein stehen und ging fort. Die Strafe blieb nicht aus, als er ein paar Hiebe am Baum getan, hieb er sich ins Bein, da er mute nach Haus getragen werden.  
Da sagte der Dummling: "Vater, la mich einmal hinausgehen und Holz hauen !" Antwortete der Vater: "Deine Brder haben sich Schaden dabei getan, la dich davon, du verstehst nichts davon." Der Dummling aber bat so lange, bis er endlich sagte: "Geh nur hin, durch Schaden wirst du klug werden." Die Mutter gab ihm einen Kuchen, der war mit Wasser in der Asche gebacken, und dazu eine Flasche saures Bier. Als er in den Wald kam, begegnete ihm gleichfalls das alte, graue Mnnchen, grte ihn und sprach: "Gib mir ein Stck von deinem Kuchen und einen Trunk aus deiner Flasche, ich bin so hungrig und durstig." Antwortet der Dummling: " Ich habe nur Aschenkuchen und saures Bier, wenn dir das recht ist, so wollen wir uns setzen und essen." Da setzten sie sich, und als der Dummling seinen Aschenkuchen herausholte, so war's ein feiner Eierkuchen, und das saure Bier war ein guter Wein. Nun aen und tranken sie, und danach sprach das Mnnlein: "Weil du ein gutes Herz hast und von dem deinigen gerne mitteilst, so will ich dir Glck bescheren. Dort steht ein alter Baum, den hau ab, so wirst du in den Wurzeln etwas finden." Darauf nahm das Mnnlein Abschied.  
Der Dummling ging hin und hieb den Baum um, und wie er fiel, sa in den Wurzeln eine Gans, die hatte Federn von reinem Gold. Er hob sie heraus, nahm sie mit sich und ging in ein Wirtshaus, da wollte er bernachten. Der Wirt hatte aber drei Tchter, die sahen die Gans, waren neugierig, was das fr ein wunderlicher Vogel wre, und htten gar gern eine von seinen goldenen Federn gehabt. Die lteste dachte: Es wird sich schon eine Gelegenheit finden, wo ich mir eine Feder ausziehen kann. Und als der Dummling einmal hinaus gegangen war, fate sie die Gans beim Flgel aber Finger und Hand blieben ihr daran fest hngen. Bald hernach kam die zweite und hatte keinen andern Gedanken, als sich eine goldene Feder zu holen, kaum aber hatte sie ihre Schwester angerhrt, so blieb sie fest hngen. Endlich kam auch die dritte in der gleichen Absicht. Da schrien die andern: "Bleib weg, um Himmels Willen bleib weg!" Aber sie begriff nicht, warum sie wegbleiben sollte, dachte: Sind die dabei so kann ich auch dabeisein und sprang hinzu, und wie sie ihre Schwester angerhrt hatte, so blieb sie an ihr hngen. So muten sie die Nacht bei der Ganz zubringen.  
Am anderen Morgen nahm der Dummling die Gans in den Arm ging fort und kmmerte sich nicht um die drei Mdchen, die daran hingen. Sie muten immer hinter im dreinlaufen, links und rechts, wie's ihm in die Beine kam. Mitten auf dem Felde begegnete ihnen der Pfarrer, und als er den Aufzug sah, sprach er : "Schmt euch, ihr garstigen Mdchen, was lauft ihr dem jungen Bursch durchs Feld nach, schickt sich das?" Damit fate er die jngste an der Hand und wollte sie zurckziehen, wie er sie aber anrhrte, blieb er gleichfalls hngen und mute selber hinterdreinlaufen. Nicht lange, so kam der Kster daher und sah den Herrn Pfarrer, der drei Mdchen auf dem Fu folgte. Da verwunderte er sich und rief: "Ei, Herr Pfarrer, wohinaus so geschwind ? verget nicht, da wir heute noch eine Kindtaufe haben." Lief auf ihn zu und fate ihn am rmel, blieb aber auch fest hngen. Wie die fnf so hintereinander hertrabten, kamen zwei Bauern mit ihren Hacken vom Felde. Da rief der Pfarrer sie an und bat, sie mchten ihn und den Kster losmachen. Kaum aber hatten sie den Kster angerhrt, so blieben sie hngen, und waren ihrer nun siebene, die dem Dummling mit der Gans nachliefen.  
Er kam darauf in eine Stadt; da herrschte ein Knig, der hatte eine Tochter, die war so ernsthaft, da sie niemand zum Lachen bringen konnte. Darum hatte er ein Gesetz gegeben, wer sie knnte zum Lachen bringen, der sollte sie heiraten. Der Dummling, als er das hrte, ging mit seiner Gans und ihrem Anhang vor die Knigstochter, und als diese die sieben Menschen immer hintereinander herlaufen sah, fing sie berlaut an zu lachen und wollte gar nicht wieder aufhren.  
Da verlangte sie der Dummling zur Braut, aber dem Knig gefiel der Schwiegersohn nicht, er machte allerlei Einwendungen und sagte, er mte ihm erst einen Mann bringen, der einen Keller voll Wein austrinken knne. Der Dummling dachte an das graue Mnnchen, das knnte ihm wohl helfen, ging hinaus in den Wald, und auf der Stelle, wo er den Baum abgehauen hatte, sah er einen Mann sitzen, der machte ein ganz betrbtes Gesicht. Der Dummling fragte, was er sich so sehr zu Herzen nhme. Da antwortete er: "Ich habe so groen Durst und kann ihn nicht lschen, das kalte Wasser vertrage ich nicht, ein Fa Wein habe ich zwar ausgeleert, aber was ist ein Tropfen auf einen heien Stein ?" "Da kann ich dir helfen", sagte der Dummling, "komm nur mit mir, du sollst satt haben !" Er fhrte ihn darauf in des Knigs Keller, und der Mann machte sich ber die groen Fsser, trank und trank, da ihm die Hften weh taten, und ehe ein Tag herum war, hatte er den ganzen Keller ausgetrunken.  
Der Dummling verlangte abermals seine Braut, der Knig aber rgerte sich, da ein schlechter Bursch, den jedermann einen Dummling nannte, seine Tochter davontragen sollte, und machte neue Bedingungen: Er mte erst einen Mann schaffen, der einen Berg voll Brot aufessen knnte. Der Dummling besann sich nicht lange, sondern ging gleich hinaus in den Wald. Da sa auf demselben Platz ein Mann, der schnrte sich den Leib mit einem Riemen zusammen, machte ein grmliches Gesicht und sagte: "Ich habe einen ganzen Backofen voll Raspelbrot gegessen, aber was hilft das, wenn man so groen Hunger hat wie ich. Mein Magen bleibt leer, und ich mu ihn zuschnren, wenn ich nicht Hungers sterben soll." Der Dummling war froh darber und sprach: "Mach dich auf und geh mit mir, du sollst dich satt essen !" Er fhrte ihn an den Hof des Knigs, der hatte alles Mehl aus dem ganzen Reich zusammenfahren und einen ungeheuren Berg davon bauen lassen; der Mann aber aus dem Walde stellte sich davor, fing an zu essen, und in einem Tag war der ganze Berg verschwunden. Der Dummling forderte zum drittenmal seine Braut. Der Knig aber suchte noch einmal Ausflucht und verlangte ein Schiff, das zu Land und zu Wasser fahren knnt. "Sowie du aber damit angesegelt kommst", sagte er, "sollst du gleich meine Tochter zur Gemahlin haben." Der Dummling ging geraden Weges in den Wald, da sa das alte, graue Mnnchen, dem er seinen Kuchen gegeben hatte, und sagte: "Ich habe fr dich getrunken und gegessen, ich will dir auch das Schiff geben; das alles tu ich, weil du barmherzig gegen mich gewesen bist" Da gab er ihm das Schiff, das zu Land und zu Wasser fuhr, und als der Knig das sah, konnte er ihm seine Tochter nicht lnger vorenthalten.  
Die Hochzeit ward gefeiert; nach des Knigs Tod erbte der Dummling das Reich und lebte lange Zeit vergngt mit seiner Gemahlin.  
\np#\ul#Die kluge Else\ul#  
   
Es war ein Mann, der hatte eine Tochter, die hie die kluge Else. Als sie nun erwachsen war, sprach der Vater wir wollen sie heirathen lassen. Ja, sagte die Mutter wenn nur einer kme, der sie haben wollte. Endlich kam von weither einer, der hie Hans, und hielt um sie an, er machte aber die Bedingung, da die kluge Else auch recht gescheidt wre. O, sprach der Vater, die hat Zwirn im Kopf, und die Mutter sagte ach, die sieht den Wind auf der Gasse laufen und hrt die Fliegen husten. Ja, sprach der Hans, wenn sie nicht recht gescheidt ist, so nehm ich sie nicht. Als sie nun zu Tisch saen und gegessen hatten, sprach die Mutter Else, geh in den Keller und hol Bier. Da nahm die kluge Else den Krug von der Wand, gieng in den Keller und klappte unterwegs brav mit dem Deckel, damit ihr die Zeit ja nicht lang wrde. Als sie unten war, holte sie ein Sthlchen und stellte es vors Fa, damit sie sich nicht zu bcken brauchte und ihrem Rcken etwa nicht weh thte und unverhofften Schaden nhme. Dann schob sie die Kanne mit dem Fue vor sich und drehte den Hahn auf, und whrend der Zeit, da das Bier hinein lief, wollte sie doch ihre Augen nicht mssig lassen und sah oben an die Wand hinauf und erblickte nach vielem Hin- und Herschauen eine Kreuzhacke gerade ber sich, welche die Maurer da aus Versehen hatten stecken lassen. Da fieng die kluge Else an zu weinen und sprach wenn ich den Hans kriege, und wir kriegen ein Kind, und das ist gro, und wir schicken das Kind in den Keller, da es hier soll Bier zapfen, so fllt ihm die Kreuzhacke auf den Kopf und schlgts todt.  
Da blieb sie sitzen und weinte aus Leibeskrften ber das bevorstehende Unglck. Oben saen sie und warteten auf den Trank, aber die kluge Else kam immer nicht. Da sprach die Frau zur Magd geh doch hinunter in den Keller und sieh, wo die Else bleibt. Die Magd gieng und fand sie vor dem Fasse sitzend und laut schreiend. Else, was weinst du? fragte die Magd. Ach, antwortete sie, soll ich nicht weinen? wenn ich den Hans kriege, und wir kriegen ein Kind, und das ist gro und soll hier Trinken zapfen, so fllt ihm vielleicht die Kreuzhacke auf den Kopf und schlgt es todt. Da sprach die Magd was haben wir fr eine kluge Else! setzte sich zu ihr und fieng auch an ber das Unglck zu weinen. Ueber eine Weile, als die Magd nicht wieder kam, und die droben durstig nach dem Trank waren, sprach der Mann zum Knecht geh doch hinunter in den Keller und sieh, wo die Else und die Magd bleibt. Der Knecht gieng hinab, da sa die kluge Else und die Magd, und weinten beide zusammen. Da fragte er was weint ihr denn? Ach, sprach die Else, soll ich nicht weinen? wenn ich den Hans kriege, und wir kriegen ein Kind, und das ist gro und soll hier Trinken zapfen, so fllt ihm die Kreuzhacke auf den Kopf, und schlgts todt. Da sprach der Knecht was haben wir fr eine kluge Else! setzte sich zu ihr und fieng auch an laut zu heulen. Oben warteten sie auf den Knecht, als er aber immer nicht kam, sprach der Mann zur Frau geh doch hinunter in den Keller und sieh, wo die Else bleibt. Die Frau gieng hinab und fand alle drei in Wehklagen, und fragte nach der Ursache, da erzhlte ihr die Else auch, da ihr zuknftiges Kind wohl wrde von der Kreuzhacke todtgeschlagen werden, wenn es erst gro ware und Bier zapfen sollte, und die Kreuzhacke fiele herab. Da sprach die Mutter gleichfalls ach, was haben wir fr eine kluge Else! setzte sich hin und weinte mit. Der Mann oben wartete noch ein Weilchen, als aber seine Frau nicht wieder kam und sein Durst immer strker ward, sprach er ich mu nur selber in den Keller gehn und sehen, wo die Else bleibt. Als er aber in den Keller kam, und alle da bei einander saen und weinten, und er die Ursache hrte, da das Kind der Else schuld wre, das sie vielleicht einmal zur Welt brchte und von der Kreuzhacke knnte todtgeschlagen werden, wenn es gerade zur Zeit, wo sie herab fiele, darunter se, Bier zu zapfen: da rief er was fr eine kluge Else! setzte sich und weinte auch mit. Der Brutigam blieb lange oben allein: da niemand wiederkommen wollte, dachte er sie werden unten auf dich warten, du mu auch hingehen und sehen, was sie vorhaben. Als er hinab kam, saen da fnfe und schrien und jammerten ganz erbrmlich, einer immer besser als der andere. Was fr ein Unglck ist denn geschehen? fragte er. Ach, lieber Hans, sprach die Else, wann wir einander heirathen und haben ein Kind, und es ist gro, und wir schickens vielleicht hierher Trinken zu zapfen, da kann ihm ja die Kreuzhacke, die da oben ist stecken geblieben, wenn sie herabfallen sollte, den Kopf zerschlagen, da es liegen bleibt! sollen wir da nicht weinen? Nun, sprach der Hans, mehr Verstand ist fr meinen Haushalt nicht nthig: weil du so eine kluge Else bist, so will ich dich haben, packte sie bei der Hand und nahm sie mit hinauf und hielt Hochzeit mit ihr.  
Als sie den Hans eine Weile hatte, sprach er Frau ich will ausgehen arbeiten und uns Geld verdienen, geh du ins Feld und schneid das Korn, da wir Brot haben. Ja, mein lieber Hans, das will ich thun. Nachdem der Hans fort war, kochte sie sich einen guten Brei und nahm ihn mit ins Feld. Als sie vor den Acker kam, sprach sie zu sich selbst was thu ich? schneid ich ehr, oder e ich ehr? hei, ich will erst essen. Nun a sie ihren Topf mit Brei aus, und als sie dick satt war, sprach sie wieder was thu ich? schneid ich ehr, oder schlaf ich ehr? hei, ich will erst schlafen. Da legte sie sich ins Korn und schlief ein. Der Hans war lngst zu Haus, aber die Else wollte nicht kommen: da sprach er was hab ich fr eine kluge Else, die ist so fleiig, da sie nicht einmal nach Haus kommt und it. Als sie aber noch immer ausblieb, und es Abend ward, gieng der Hans hinaus und wollte sehen, was sie geschnitten htte: aber es war nichts geschnitten, sondern sie lag im Korn und schlief. Da eilte Hans geschwind heim und holte ein Vogelgarn mit kleinen Schellen und hngte es um sie herum; und sie schlief noch immer fort. Dann lief er heim, schlo die Hausthre zu und setzte sich auf seinen Arbeitsstuhl nieder. Endlich, wie es schon ganz dunkel war, erwachte die kluge Else, und als sie aufstand, rappelte es um sie herum bei jedem Schritte, den sie that. Da erschrak sie, ward irre, ob sie auch wirklich die kluge Else wre und sprach bin ichs, oder bin ichs nicht? Sie wute aber nicht, was sie darauf antworten sollte und stand eine Zeitlang zweifelhaft: endlich dachte sie ich will nach Haus gehen und fragen, ob ichs bin oder ob ichs nicht bin, die werdens ja wissen. Sie lief vor ihre Hausthre, aber die war verschlossen: da klopfte sie an das Fenster und rief Hans, ist die Else drinnen? Ja, antwortete der Hans, sie ist drinnen. Da erschrak sie und sprach ach Gott, dann bin ichs nicht, und ging vor eine andere Thr; als aber die Leute das Klingeln der Schellen hrten, wollten sie nicht auf machen, und sie konnte nirgend unterkommen. Da lief sie fort zum Dorfe hinaus, und niemand hat sie wieder gesehen.
\np#\ul#Die sieben Raben\ul#  
   
Ein Mann hatte sieben Shne und immer noch kein Tchterchen, so sehr er sichs auch wnschte; endlich gab ihm seine Frau wieder gute Hoffnung zu einem Kinde, und wies zur Welt kam, war es auch ein Mdchen. Die Freude war gro, aber das Kind war schmchtig und klein, und sollte wegen seiner Schwachheit die Nottaufe haben. Der Vater schickte einen der Knaben eilends zur Quelle, Taufwasser zu holen: die andern sechs liefen mit, und weil jeder der erste beim Schpfen sein wollte, so fiel ihnen der Krug in den Brunnen. Da standen sie und wuten nicht, was sie tun sollten, und keiner getraute sich heim. Als sie immer nicht zurckkamen, ward der Vater ungeduldig und sprach 'gewi haben sies wieder ber ein Spiel vergessen, die gottlosen Jungen.' Es ward ihm angst, das Mdchen mte ungetauft verscheiden, und im rger rief er 'ich wollte, da die Jungen alle zu Raben wrden.' Kaum war das Wort ausgeredet, so hrte er ein Geschwirr ber seinem Haupt in der Luft, blickte in die Hhe und sah sieben kohlschwarze Raben auf- und davonfliegen.  
Die Eltern konnten die Verwnschung nicht mehr zurcknehmen, und so traurig sie ber den Verlust ihrer sieben Shne waren, trsteten sie sich doch einigermaen durch ihr liebes Tchterchen, das bald zu Krften kam, und mit jedem Tage schner ward. Es wute lange Zeit nicht einmal, da es Geschwister gehabt hatte, denn die Eltern hteten sich, ihrer zu erwhnen, bis es eines Tags von ungefhr die Leute von sich sprechen hrte, das Mdchen wre wohl schn, aber doch eigentlich schuld an dem Unglck seiner sieben Brder. Da ward es ganz betrbt, ging zu Vater und Mutter und fragte, ob es denn Brder gehabt htte, und wo sie hingeraten wren. Nun durften die Eltern das Geheimnis nicht lnger verschweigen, sagten jedoch, es sei so des Himmels Verhngnis und seine Geburt nur der unschuldige Anla gewesen. Allein das Mdchen machte sich tglich ein Gewissen daraus und glaubte, es mte seine Geschwister wieder erlsen. Es hatte nicht Ruhe und Rast, bis es sich heimlich aufmachte und in die weite Welt ging, seine Brder irgendwo aufzuspren und zu befreien, es mchte kosten, was es wollte. Es nahm nichts mit sich als ein Ringlein von seinen Eltern zum Andenken, einen Laib Brot fr den Hunger, ein Krglein Wasser fr den Durst und ein Sthlchen fr die Mdigkeit.  
Nun ging es immerzu, weit weit, bis an der Welt Ende. Da kam es zur Sonne, aber die war zu hei und frchterlich, und fra die kleinen Kinder. Eilig lief es weg und lief hin zu dem Mond, aber der war gar zu kalt und auch grausig und bs, und als er das Kind merkte, sprach er 'ich rieche rieche Menschenfleisch.' Da machte es sich geschwind fort und kam zu den Sternen, die waren ihm freundlich und gut, und jeder sa auf seinem besondern Sthlchen. Der Morgenstern aber stand auf, gab ihm ein Hinkelbeinchen und sprach 'wenn du das Beinchen nicht hast, kannst du den Glasberg nicht aufschlieen, und in dem Glasberg, da sind deine Brder.'  
Das Mdchen nahm das Beinchen, wickelte es wohl in ein Tchlein, und ging wieder fort, so lange, bis es an den Glasberg kam. Das Tor war verschlossen und es wollte das Beinchen hervorholen, aber wie es das Tchlein aufmachte, so war es leer, und es hatte das Geschenk der guten Sterne verloren. Was sollte es nun anfangen? seine Brder wollte es erretten und hatte keinen SchIssel zum Glasberg. Das gute Schwesterchen nahm ein Messer, schnitt sich ein kleines Fingerchen ab, steckte es in das Tor und schlo glcklich auf. Als es eingegangen war, kam ihm ein Zwerglein entgegen, das sprach 'mein Kind, was suchst du?' 'Ich suche meine Brder, die sieben Raben,' antwortete es. Der Zwerg sprach 'die Herren Raben sind nicht zu Haus, aber willst du hier so lang warten, bis sie kommen, so tritt ein.' Darauf trug das Zwerglein die Speise der Raben herein auf sieben Tellerchen und in sieben Becherchen, und von jedem Tellerchen a das Schwesterchen ein Brckchen, und aus jedem Becherchen trank es ein SchIckchen; in das letzte Becherchen aber lie es das Ringlein fallen, das es mitgenommen hatte.  
Auf einmal hrte es in der Luft ein Geschwirr und ein Geweh, da sprach das Zwerglein 'jetzt kommen die Herren Raben heim geflogen.' Da kamen sie, wollten essen und trinken, und suchten ihre Tellerchen und Becherchen. Da sprach einer nach dem andern 'wer hat von meinem Tellerchen gegessen? wer hat aus meinem Becherchen getrunken? das ist eines Menschen Mund gewesen.' Und wie der siebente auf den Grund des Bechers kam, rollte ihm das Ringlein entgegen. Da sah er es an und erkannte, da es ein Ring von Vater und Mutter war, und sprach 'Gott gebe, unser Schwesterlein wre da, so wren wir erlst.' Wie das Mdchen, das hinter der Tre stand und lauschte, den Wunsch hrte, so trat es hervor, und da bekamen alle die Raben ihre menschliche Gestalt wieder. Und sie herzten und kten einander, und zogen frhlich heim.  
\np#\ul#Die sieben Schwaben\ul#  
   
Einmal waren sieben Schwaben beisammen, der erste war der Herr Schulz, der zweite der Jackli, der dritte der Marli, der vierte der Jergli, der fnfte der Michal, der sechste der Hans, der siebente der Veitli; die hatten alle siebene sich vorgenommen, die Welt zu durchziehen, Abenteuer zu suchen und groe Taten zu vollbringen. Damit sie aber auch mit bewaffneter Hand und sicher gingen, sahen sies fr gut an, da sie sich zwar nur einen einzigen, aber recht starken und langen Spie machen lieen. Diesen Spie faten sie alle siebene zusammen an, vorn ging der khnste und mnnlichste, das mute der Herr Schulz sein, und dann folgten die andern nach der Reihe, und der Veitli war der letzte.  
Nun geschah es, als sie im Heumonat eines Tags einen weiten Weg gegangen waren, auch noch ein gut Stck bis in das Dorf hatten, wo sie ber Nacht bleiben muten, da in der Dmmerung auf einer Wiese ein groer Rokfer oder eine Hornisse nicht weit von ihnen hinter einer Staude vorbeiflog und feindlich brummelte. Der Herr Schulz erschrak, da er fast den Spie htte fallen lassen und ihm der Angstschwei am ganzen Leibe ausbrach. 'Horcht, horcht,' rief er seinen Gesellen, 'Gott, ich hre eine Trommel!' Der Jackli, der hinter ihm den Spie hielt, und dem ich wei nicht was fr ein Geruch in die Nase kam, sprach 'etwas ist ohne Zweifel vorhanden, denn ich schmeck das Pulver und den Zndstrick.' Bei diesen Worten hub der Herr Schulz an, die Flucht zu ergreifen, und sprang im Hui ber einen Zaun, weil er aber gerade auf die Zinken eines Rechen sprang, der vom Heumachen da liegen geblieben war, so fuhr ihm der Stiel ins Gesicht und gab ihm einen ungewaschenen Schlag. 'O wei, o wei,' schrie der Herr Schulz, 'nimm mich gefangen, ich ergeb mich, ich ergeb mich!, Die andern sechs hpften auch alle einer ber den andern herzu und schrien 'gibst du dich, so geb ich mich auch, gibst du dich, so geb ich mich auch.' Endlich, wie kein Feind da war, der sie binden und fortfhren wollte, merkten sie, da sie betrogen waren: und damit die Geschichte nicht unter die Leute kme, und sie nicht genarrt und gespottet wrden, verschwuren sie sich untereinander, so lang davon stillzuschweigen, bis einer unverhofft das Maul auftte.  
Hierauf zogen sie weiter. Die zweite Gefhrlichkeit, die sie erlebten, kann aber mit der ersten nicht verglichen werden. Nach etlichen Tagen trug sie ihr Weg durch ein Brachfeld, da sa ein Hase in der Sonne und schlief, streckte die Ohren in die Hhe, und hatte die groen glsernen Augen starr aufstehen. Da erschraken sie bei dem Anblick des grausamen und wilden Tieres insgesamt und hielten Rat, was zu tun das wenigst Gefhrliche wre. Denn so sie fliehen wollten, war zu besorgen, das Ungeheuer setzte ihnen nach und verschlnge sie alle mit Haut und Haar. Also sprachen sie 'wir mssen einen groen und gefhrlichen Kampf bestehen, frisch gewagt ist halb gewonnen!' faten alle siebene den Spie an' der Herr Schulz vorn und der Veitli hinten. Der Herr Schulz wollte den Spie noch immer anhalten, der Veitli aber war hinten ganz mutig geworden, wollte losbrechen und rief  
'sto zu in aller Schwabe Name,  
sonst wnsch i, da ihr mcht erlahme.'  
Aber der Hans wut ihn zu treffen und sprach  
'beim Element, du hascht gut schwtze,  
bischt stets der letscht beim Drachehetze.'  
Der Michal rief  
'es wird nit fehle um ein Haar'  
so ischt es wohl der Teufel gar.'  
Drauf kam an den Jergli die Reihe, der sprach  
'ischt er es nit, so ischts sei Muter  
oder des Teufels Stiefbruder.'  
Der Marli hatte da einen guten Gedanken und sagte zum Veitli  
'gang, Veitli, gang, gang du voran,  
i will dahinte vor di stahn.'  
Der Veitli hrte aber nicht drauf, und der Jackli sagte  
'der Schulz, der mu der erschte sei,  
denn ihm gebhrt die Ehr allei.'  
Da nahm sich der Herr Schulz ein Herz und sprach gravittisch  
'so zieht denn herzhaft in den Streit,  
hieran erkennt man tapfre Leut.'  
Da gingen sie insgesamt auf den Drachen los. Der Herr Schulz segnete sich und rief Gott um Beistand an: wie aber das alles nicht helfen wollte und er dem Feind immer nher kam, schrie er in groer Angst 'hau; hurlehau! hau! hauhau!, Davon er  
wachte der Has, erschrak und sprang eilig davon. Als ihn der Herr Schulz so feldflchtig sah, da rief er voll Freude  
'potz, Veitli, lueg, lueg' was isch das?  
das Ungeher ischt a Has.'  
Der Schwabenbund suchte aber weiter Abenteuer und kam an die Mosel, ein mosiges, stilles und tiefes Wasser, darber nicht viel Brcken sind, sondern man an mehrern Orten sich mu in Schiffen berfahren lassen. Weil die sieben Schwaben dessen unberichtet waren, riefen sie einem Mann, der jenseits des Wassers seine Arbeit vollbrachte, zu, wie man doch hinberkommen knnte. Der Mann verstand wegen der Weite und wegen ihrer Sprache nicht, was sie wollten, und fragte auf sein Trierisch 'wat? wat!, Da meinte der Herr Schulz, er sprche nicht anders als 'wate, wate durchs Wasser,' und hub an, weil er der vorderste war, sich auf den Weg zu machen und in die Mosel hineinzugehen. Nicht lang, so versank er in den Schlamm und in die antreibenden tiefen Wellen, seinen Hut aber jagte der Wind hinber an das jenseitige Ufer, und ein Frosch setzte sich dabei und quakte 'wat, wat, wat.' Die sechs andern hrten das drben und sprachen 'unser Gesell, der Herr Schulz, ruft uns, kann er hinberwaten, warum wir nicht auch?' Sprangen darum eilig alle zusammen in das Wasser und ertranken, also da ein Frosch ihrer sechse ums Leben brachte, und niemand von dem Schwabenbund wieder nach Haus kam.  
\np#\ul#Die Sterntaler\ul#  
  
Es war einmal ein kleines Mdchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, da es kein Kmmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stckchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.  
Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungerig. Es reichte ihm das ganze Stckchen Brot und sagte: Gott segne dir's, und ging weiter.  
Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann. Da tat es seine Mtze ab und gab sie ihm.  
Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Rcklein, das gab es auch von sich hin.  
Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mdchen dachte: Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben, und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.  
Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich fr sein Lebtag.  
\np#\ul#Die wahre Braut\ul#  
  
Es war einmal ein Mdchen, das war jung und schn, aber seine Mutter war ihm frh gestorben, und die Stiefmutter tat ihm alles gebrannte Herzeleid an. Wenn sie ihm eine Arbeit auftrug, sie mochte noch so schwer sein, so ging es unverdrossen daran und tat, was in seinen Krften stand. Aber es konnte damit das Herz der bsen Frau nicht rhren, immer war sie unzufrieden, immer war es nicht genug. Je fleiiger es arbeitete, je mehr ward ihm aufgelegt, und sie hatte keinen andern Gedanken, als wie sie ihm eine immer grere Last aufbrden und das Leben recht sauer machen wollte.  
Eines Tags sagte sie zu ihm: Da hast du zwlf Pfund Federn, die sollst du abschleien, und wenn du nicht heute abend damit fertig bist, so wartet eine Tracht Schlge auf dich. Meinst du, du knntest den ganzen Tag faulenzen? Das arme Mdchen setzte sich zu der Arbeit nieder, aber die Trnen flossen ihm dabei ber die Wangen herab, denn es sah wohl, da es unmglich war, mit der Arbeit in einem Tage zu Ende zu kommen. Wenn es ein Hufchen Federn vor sich liegen hatte und es seufzte oder schlug in seiner Angst die Hnde zusammen, so stoben sie auseinander, und es mute sie wieder auflesen und von neuem anfangen. Da sttzte es einmal die Ellbogen auf den Tisch, legte sein Gesicht in beide Hnde und rief: Ist denn niemand auf Gottes Erdboden, der sich meiner erbarmt?  
Indem hrte es eine sanfte Stimme, die sprach: Trste dich, mein Kind, ich bin gekommen, um dir zu helfen. Das Mdchen blickte auf, und eine alte Frau stand neben ihm. Sie fate das Mdchen freundlich an der Hand und sprach: Vertraue mir nur an, was dich drckt. Da sie so herzlich sprach, so erzhlte ihr das Mdchen von seinem traurigen Leben, da ihm eine Last auf die andere gelegt wrde und es mit den aufgegebenen Arbeiten nicht mehr zu Ende kommen knnte.  
Wenn ich mit diesen Federn heute abend nicht fertig bin, so schlgt mich die Stiefmutter; sie hat mir's angedroht, und ich wei, sie hlt Wort. Ihre Trnen fingen wieder an zu flieen, aber die gute Alte sprach: Sei unbesorgt, mein Kind, ruhe dich aus, ich will derweil deine Arbeit verrichten. Das Mdchen legte sich auf sein Bett und schlief bald ein. Die Alte setzte sich an den Tisch bei die Federn, hu! wie flogen sie von den Kielen ab, die sie mit ihren drren Hnden kaum berhrte. Bald war sie mit den zwlf Pfund fertig. Als das Mdchen erwachte, lagen groe, schneeweie Haufen aufgetrmt, und alles war im Zimmer reinlich aufgerumt, aber die Alte war verschwunden. Das Mdchen dankte Gott und sa still, bis der Abend kam. Da trat die Stiefmutter herein und staunte ber die vollbrachte Arbeit.  
Siehst du, Trulle, sprach sie, was man ausrichtet, wenn man fleiig ist? Httest du nicht noch etwas anderes vornehmen knnen? Aber da sitzest du und legst die Hnde in den Scho. Als sie hinausging, sprach sie: Die Kreatur kann mehr als Brot essen, ich mu ihr schwerere Arbeit auflegen.  
Am andern Morgen rief sie das Mdchen und sprach: Da hast du einen Lffel, damit schpfe mir den groen Teich aus, der bei dem Garten liegt. Und wenn du damit abends nicht zu Rand gekommen bist, so weit du, was erfolgt. Das Mdchen nahm den Lffel und sah, da er durchlchert war, und wenn er es auch nicht gewesen wre, es htte nimmermehr damit den Teich ausgeschpft. Es machte sich gleich an die Arbeit, kniete am Wasser, in das seine Trnen fielen, und schpfte. Aber die gute Alte erschien wieder, und als sie die Ursache von seinem Kummer erfuhr, sprach sie: Sei getrost, mein Kind, geh in das Gebsch und lege dich schlafen, ich will deine Arbeit schon tun. Als die Alte allein war, berhrte sie nur den Teich; wie ein Dunst stieg das Wasser in die Hhe und vermischte sich mit den Wolken. Allmhlich ward der Teich leer, und als das Mdchen vor Sonnenuntergang erwachte und herbeikam, so sah es nur noch die Fische, die in dem Schlamm zappelten. Es ging zu der Stiefmutter und zeigte ihr an da die Arbeit vollbracht wre.  
Du httest lngst fertig sein sollen, sagte sie und ward bla vor rger, aber sie sann etwas Neues aus.  
Am dritten Morgen sprach sie zu dem Mdchen: Dort in der Ebene mut du mir ein schnes Schlo bauen, und zum Abend mu es fertig sein. Das Mdchen erschrak und sagte: Wie kann ich ein so groes Werk vollbringen?  
Ich dulde keinen Widerspruch, schrie die Stiefmutter, kannst du mit einem durchlcherten Lffel einen Teich ausschpfen, so kannst du auch ein Schlo bauen. Noch heute will ich es beziehen, und wenn etwas fehlt, sei es das Geringste in Kche und Keller, so weit du, was dir bevorsteht. Sie trieb das Mdchen fort, und als es in das Tal kam, so lagen da die Felsen bereinander aufgetrmt; mit aller seiner Kraft konnte es den kleinsten nicht einmal bewegen. Es setzte sich nieder und weinte, doch hoffte es auf den Beistand der guten Alten. Sie lie auch nicht lange auf sich warten, kam und sprach ihm Trost ein: Lege dich nur dort in den Schatten und schlaf, ich will dir das Schlo schon bauen. Wenn es dir Freude macht, so kannst du selbst darin wohnen.  
Als das Mdchen weggegangen war, rhrte die Alte die grauen Felsen an. Alsbald regten sie sich, rckten zusammen und standen da, als htten Riesen die Mauer gebaut; darauf erhob sich das Gebude, und es war, als ob unzhlige Hnde unsichtbar arbeiteten und Stein auf Stein legten. Der Boden drhnte, groe Sulen stiegen von selbst in die Hhe und stellten sich nebeneinander in Ordnung. Auf dem Dach legten sich die Ziegeln zurecht, und als es Mittag war, drehte sich schon die groe Wetterfahne wie eine goldene Jungfrau mit fliegendem Gewand auf der Spitze des Turms. Das Innere des Schlosses war bis zum Abend vollendet. Wie es die Alte anfing, wei ich nicht, aber die Wnde der Zimmer waren mit Seide und Sammet bezogen, buntgestickte Sthle standen da und reichverzierte Armsessel an Tischen von Marmor, kristallne Kronleuchter hingen von der Bhne herab und spiegelten sich in dem glatten Boden; grne Papageien saen in goldenen Kfigen und fremde Vgel, die lieblich sangen; berall war eine Pracht, als wenn ein Knig da einziehen sollte.  
Die Sonne wollte eben untergehen, als das Mdchen erwachte und ihm der Glanz von tausend Lichtern entgegenleuchtete. Mit schnellen Schritten kam es heran und trat durch das geffnete Tor in das Schlo. Die Treppe war mit rotem Tuch belegt und das goldene Gelnder mit blhenden Bumen besetzt. Als es die Pracht der Zimmer erblickte, blieb es wie erstarrt stehen. Wer wei, wie lang es so gestanden htte, wenn ihm nicht der Gedanke an die Stiefmutter gekommen wre. Ach, sprach es zu sich selbst, wenn sie doch endlich zufriedengestellt wre und mir das Leben nicht lnger zur Qual machen wollte. Das Mdchen ging und zeigte ihr an, da das Schlo fertig wre.  
Gleich will ich einziehen, sagte sie und erhob sich von ihrem Sitz. Als sie in das Schlo eintrat, mute sie die Hand vor die Augen halten, so blendete sie der Glanz. Siehst du, sagte sie zu dem Mdchen, wie leicht dir's geworden ist, ich htte dir etwas Schwereres aufgeben sollen. Sie ging durch alle Zimmer und sprte in allen Ecken, ob etwas fehlte oder mangelhaft wre, aber sie konnte nichts auffinden. Jetzt wollen wir hinabsteigen, sprach sie und sah das Mdchen mit boshaften Blicken an, Kche und Keller mu noch untersucht werden, und hast du etwas vergessen, so sollst du deiner Strafe nicht entgehen. Aber das Feuer brannte auf dem Herd, in den Tpfen kochten die Speisen, Kluft und Schippe waren angelehnt und an den Wnden das blanke Geschirr von Messing aufgestellt. Nichts fehlte, selbst nicht der Kohlenkasten und die Wassereimer. Wo ist der Eingang zum Keller? rief sie. Wo der nicht mit Weinfssern reichlich angefllt ist, so wird dir's schlimm ergehen. Sie hob selbst die Falltre auf und stieg die Treppe hinab, aber kaum hatte sie zwei Schritte getan, so strzte die schwere Falltre, die nur angelehnt war, nieder. Das Mdchen hrte einen Schrei, hob die Tre schnell auf, um ihr zu Hilfe zu kommen, aber sie war hinabgestrzt, und es fand sie entseelt auf dem Boden liegen.  
Nun gehrte das prchtige Schlo dem Mdchen ganz allein. Es wute sich in der ersten Zeit gar nicht in seinem Glck zu finden, schne Kleider hingen in den Schrnken, die Truhen waren mit Gold und Silber oder mit Perlen und Edelsteinen angefllt, und es hatte keinen Wunsch, den es nicht erfllen konnte. Bald ging der Ruf von der Schnheit und dem Reichtum des Mdchens durch die ganze Welt. Alle Tage meldeten sich Freier, aber keiner gefiel ihr. Endlich kam auch der Sohn eines Knigs, der ihr Herz zu rhren wute, und sie verlobte sich mit ihm. In dem Schlogarten stand eine grne Linde, darunter saen sie eines Tages vertraulich zusammen, da sagte er zu ihr: Ich will heimziehen und die Einwilligung meines Vaters zu unserer Vermhlung holen; ich bitte dich, harre mein hier unter dieser Linde, in wenigen Stunden bin ich wieder zurck. Das Mdchen kte ihn auf den linken Backen und sprach: Bleib mir treu, und la dich von keiner andern auf diesen Backen kssen. Ich will hier unter der Linde warten, bis du wieder zurckkommst.  
Das Mdchen blieb unter der Linde sitzen, bis die Sonne unterging, aber er kam nicht wieder zurck. Sie sa drei Tage von Morgen bis Abend und erwartete ihn, aber vergeblich. Als er am vierten Tag noch nicht da war, so sagte sie: Gewi ist ihm ein Unglck begegnet, ich will ausgehen und ihn suchen und nicht eher wiederkommen, als bis ich ihn gefunden habe. Sie packte drei von ihren schnsten Kleidern zusammen, eins mit glnzenden Sternen gestickt, das zweite mit silbernen Monden, das dritte mit goldenen Sonnen, band eine Handvoll Edelsteine in ihr Tuch und machte sich auf. Sie fragte allerorten nach ihrem Brutigam, aber niemand hatte ihn gesehen, niemand wute von ihm. Weit und breit wanderte sie durch die Welt, aber sie fand ihn nicht. Endlich vermietete sie sich bei einem Bauer als Hirtin und vergrub ihre Kleider und Edelsteine unter einem Stein.  
Nun lebte sie als eine Hirtin, htete ihre Herde, war traurig und voll Sehnsucht nach ihrem Geliebten. Sie hatte ein Klbchen, das gewhnte sie an sich, ftterte es aus der Hand, und wenn sie sprach:  
Klbchen, Klbchen, knie nieder,  
vergi nicht deine Hirtin wieder,  
wie der Knigssohn die Braut verga,  
die unter der grnen Linde sa߫,  
so kniete das Klbchen nieder und ward von ihr gestreichelt.  
Als sie ein paar Jahre einsam und kummervoll gelebt hatte, so verbreitete sich im Lande das Gercht, da die Tochter des Knigs ihre Hochzeit feiern wollte. Der Weg nach der Stadt ging an dem Dorf vorbei, wo das Mdchen wohnte, und es trug sich zu, als sie einmal ihre Herde austrieb, da der Brutigam vorberzog. Er sa stolz auf seinem Pferd und sah sie nicht an, aber als sie ihn ansah, so erkannte sie ihren Liebsten. Es war, als ob ihr ein scharfes Messer in das Herz schnitte.  
Ach, sagte sie, ich glaubte, er wre mir treu geblieben, aber er hat mich vergessen.  
Am andern Tag kam er wieder des Wegs. Als er in ihrer Nhe war, sprach sie zum Klbchen:  
Klbchen, Klbchen, knie nieder,  
vergi nicht deine Hirtin wieder,  
wie der Knigssohn die Braut verga,  
die unter der grnen Linde sa.  
Als er die Stimme vernahm, blickte er herab und hielt sein Pferd an. Er schaute der Hirtin ins Gesicht, hielt dann die Hand vor die Augen, als wollte er sich auf etwas besinnen, aber schnell ritt er weiter und war bald verschwunden. Ach, sagte sie, er kennt mich nicht mehr, und ihre Trauer ward immer grer.  
Bald darauf sollte an dem Hofe des Knigs drei Tage lang ein groes Fest gefeiert werden, und das ganze Land ward dazu eingeladen. Nun will ich das Letzte versuchen, dachte das Mdchen, und als der Abend kam, ging es zu dem Stein, unter dem es seine Schtze vergraben hatte. Sie holte das Kleid mit den goldnen Sonnen hervor, legte es an und schmckte sich mit den Edelsteinen. Ihre Haare, die sie unter einem Tuch verborgen hatte, band sie auf, und sie fielen in langen Locken an ihr herab. So ging sie nach der Stadt und ward in der Dunkelheit von niemand bemerkt. Als sie in den hellerleuchteten Saal trat, wichen alle voll Verwunderung zurck, aber niemand wute, wer sie war. Der Knigssohn ging ihr entgegen, doch er erkannte sie nicht. Er fhrte sie zum Tanz und war so entzckt ber ihre Schnheit, da er an die andere Braut gar nicht mehr dachte. Als das Fest vorber war, verschwand sie im Gedrnge und eilte vor Tagesanbruch in das Dorf, wo sie ihr Hirtenkleid wieder anlegte.  
Am andern Abend nahm sie das Kleid mit den silbernen Monden heraus und steckte einen Halbmond von Edelsteinen in ihre Haare. Als sie auf dem Fest sich zeigte, wendeten sich alle Augen nach ihr, aber der Knigssohn eilte ihr entgegen, und ganz von Liebe erfllt, tanzte er mit ihr allein und blickte keine andere mehr an. Ehe sie wegging, mute sie ihm versprechen, den letzten Abend nochmals zum Fest zu kommen.  
Als sie zum drittenmal erschien, hatte sie das Sternenkleid an, das bei jedem ihrer Schritte funkelte, und Haarband und Grtel waren Sterne von Edelsteinen. Der Knigssohn hatte schon lange auf sie gewartet und drngte sich zu ihr hin.  
Sage mir nur, wer du bist, sprach er, mir ist, als wenn ich dich schon lange gekannt htte.  
Weit du nicht, antwortete sie, was ich tat, als du von mir schiedest? Da trat sie zu ihm heran und kte ihn auf den linken Backen; in dem Augenblick fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und er erkannte die wahre Braut.  
Komm, sagte er zu ihr, hier ist meines Bleibens nicht lnger, reichte ihr die Hand und fhrte sie hinab zu dem Wagen. Als wre der Wind vorgespannt, so eilten die Pferde zu dem Wunderschlo. Schon von weitem glnzten die erleuchteten Fenster. Als sie bei der Linde vorbeifuhren, schwrmten unzhlige Glhwrmer darin, sie schttelte ihre ste und sendete ihre Dfte herab. Auf der Treppe blhten die Blumen, aus dem Zimmer schallte der Gesang der fremden Vgel, aber in dem Saal stand der ganze Hof versammelt, und der Priester wartete, um den Brutigam mit der wahren Braut zu vermhlen.  
\np#\ul#Dornrschen\ul#  

Vorzeiten war ein Knig und eine Knigin, die sprachen jeden Tag: Ach, wenn wir doch ein Kind htten!, und kriegten immer keins. Da trug sich zu, als die Knigin einmal im Bade sa, da ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch und zu ihr sprach: Dein Wunsch wird erfllt werden, ehe ein Jahr vergeht, wirst du eine Tochter zur Welt bringen. Was der Frosch gesagt hatte, das geschah, und die Knigin gebar ein Mdchen, das war so schn, da der Knig vor Freude sich nicht zu lassen wute und ein groes Fest anstellte. Er ladete nicht blo seine Verwandte, Freunde und Bekannte, sondern auch die weisen Frauen dazu ein, damit sie dem Kind hold und gewogen wren. Es waren ihrer dreizehn in seinem Reiche, weil er aber nur zwlf goldene Teller hatte, von welchen sie essen sollten, so mute eine von ihnen daheim bleiben. Das Fest ward mit aller Pracht gefeiert, und als es zu Ende war, beschenkten die weisen Frauen das Kind mit ihren Wundergaben: die eine mit Tugend, die andere mit Schnheit, die dritte mit Reichtum, und so mit allem, was auf der Welt zu wnschen ist. Als elfe ihre Sprche eben getan hatten, trat pltzlich die dreizehnte herein. Sie wollte sich dafr rchen, da sie nicht eingeladen war, und ohne jemand zu gren oder nur anzusehen, rief sie mit lauter Stimme: Die Knigstochter soll sich in ihrem fnfzehnten Jahr an einer Spindel stechen und tot hinfallen. Und ohne ein Wort weiter zu sprechen, kehrte sie sich um und verlie den Saal. Alle waren erschrocken, da trat die zwlfte hervor, die ihren Wunsch noch brig hatte, und weil sie den bsen Spruch nicht aufheben, sondern nur ihn mildern konnte, so sagte sie: Es soll aber kein Tod sein, sondern ein hundertjhriger tiefer Schlaf, in welchen die Knigstochter fllt."  
Der Knig, der sein liebes Kind vor dem Unglck gern bewahren wollte, lie den Befehl ausgehen, da alle Spindeln im ganzen Knigreiche sollten verbrannt werden. An dem Mdchen aber wurden die Gaben der weisen Frauen smtlich erfllt, denn es war so schn, sittsam, freundlich und verstndig, da es jedermann, der es ansah, liebhaben mute. Es geschah, da an dem Tage, wo es gerade fnfzehn Jahr alt ward, der Knig und die Knigin nicht zu Haus waren und das Mdchen ganz allein im Schlo zurckblieb. Da ging es allerorten herum, besah Stuben und Kammern, wie es Lust hatte, und kam endlich auch an einen alten Turm. Es stieg die enge Wendeltreppe hinauf und gelangte zu einer kleinen Tre. In dem Schlo steckte ein verrosteter Schlssel, und als es umdrehte, sprang die Tre auf, und sa da in einem kleinen Stbchen eine alte Frau mit einer Spindel und spann emsig ihren Flachs. Guten Tag, du altes Mtterchen, sprach die Knigstochter, was machst du da? Ich spinne, sagte die Alte und nickte mit dem Kopf. -,Was ist das fr ein Ding, das so lustig herumspringt? sprach das Mdchen, nahm die Spindel und wollte auch spinnen. Kaum hatte sie aber die Spindel angerhrt, so ging der Zauberspruch in Erfllung, und sie stach sich damit in den Finger.  
In dem Augenblick aber, wo sie den Stich empfand, fiel sie auf das Bett nieder, das da stand, und lag in einem tiefen Schlaf. Und dieser Schlaf verbreitete sich ber das ganze Schlo: der Knig und die Knigin, die eben heimgekommen waren und in den Saal getreten waren, fingen an einzuschlafen, und der ganze Hofstaat mit ihnen. Da schliefen auch die Pferde im Stall, die Hunde im Hofe, die Tauben auf dem Dache, die Fliegen an der Wand, ja, das Feuer, das auf dem Herd flackerte, ward still und schlief ein, und der Braten hrte auf zu brutzeln, und der Koch, der den Kchenjungen, weil er etwas versehen hatte, in den Haaren ziehen wollte, lie ihn los und schlief. Und der Wind legte sich, und auf den Bumen vor dem Schlo regte sich kein Blttchen mehr.  
Rings um das Schlo aber begann eine Dornenhecke zu wachsen, die jedes Jahr hher ward und endlich das ganze Schlo umzog und darber hinaus wuchs, da gar nichts mehr davon zu sehen war, selbst nicht die Fahne auf dem Dach. Es ging aber die Sage in dem Land von dem schnen schlafenden Dornrschen, denn so ward die Knigstochter genannt, also da von Zeit zu Zeit Knigsshne kamen und durch die Hecke in das Schlo dringen wollten. Es war ihnen aber nicht mglich, denn die Dornen, als htten sie Hnde, hielten fest zusammen, und die Jnglinge blieben darin hngen, konnten sich nicht wieder losmachen und starben eines jmmerlichen Todes. Nach langen, langen Jahren kam wieder einmal ein Knigssohn in das Land und hrte, wie ein alter Mann von der Dornenhecke erzhlte, es sollte ein Schlo dahinter stehen, in welchem eine wunderschne Knigstochter, Dornrschen genannt, schon seit hundert Jahren schliefe, und mit ihr schliefe der Knig und die Knigin und der ganze Hofstaat. Er wute auch von seinem Grovater, da schon viele Knigsshne gekommen wren und versucht htten, durch die Dornenhecke zu dringen, aber sie wren darin hngengeblieben und eines traurigen Todes gestorben. Da sprach der Jngling: Ich frchte mich nicht, ich will hinaus und das schne Dornrschen sehen.  Der gute Alte mochte ihm abraten, wie er wollte, er hrte nicht auf seine Worte.  
Nun waren aber gerade die hundert Jahre verflossen, und der Tag war gekommen, wo Dornrschen wieder erwachen sollte. Als der Knigssohn sich der Dornenhecke nherte, waren es lauter groe schne Blumen, die taten sich von selbst auseinander und lieen ihn unbeschdigt hindurch, und hinter ihm taten sie sich wieder als eine Hecke zusammen. Im Schlohof sah er die Pferde und scheckigen Jagdhunde liegen und schlafen, auf dem Dache saen die Tauben und hatten das Kpfchen unter den Flgel gesteckt. Und als er ins Haus kam, schliefen die Fliegen an der Wand, der Koch in der Kche hielt noch die Hand, als wollte er den jungen anpacken, und die Magd sa vor dem schwarzen Huhn, das sollte gerupft werden. Da ging er weiter und sah im Saale den ganzen Hofstaat liegen und schlafen, und oben bei dem Throne lag der Knig und die Knigin. Da ging er noch weiter, und alles war so still, da einer seinen Atem hren konnte, und endlich kam er zu dem Turm und ffnete die Tre zu der kleinen Stube, in welcher Dornrschen schlief. Da lag es und war so schn, da er die Augen nicht abwenden konnte, und er bckte sich und gab ihm einen Ku. Wie er es mit dem Ku berhrt hatte, schlug Dornrschen die Augen auf, erwachte und blickte ihn ganz freundlich an. Da gingen sie zusammen herab, und der Knig erwachte und die Knigin und der ganze Hofstaat und sahen einander mit groen Augen an. Und die Pferde im Hof standen auf und rttelten sich; die Jagdhunde sprangen und wedelten; die Tauben auf dem Dache zogen das Kpfchen unterm Flgel hervor, sahen umher und flogen ins Feld; die Fliegen an den Wnden krochen weiter; das Feuer in der Kche erhob sich, flackerte und kochte das Essen; der Braten fing wieder an zu brutzeln; und der Koch gab dem jungen eine Ohrfeige, da er schrie; und die Magd rupfte das Huhn fertig. Und da wurde die Hochzeit des Knigssohns mit dem Dornrschen in aller Pracht gefeiert, und sie lebten vergngt bis an ihr Ende.  
\np#\ul#Frau Holle\ul#

Eine Witwe hatte zwei Tchter, davon war die eine schn und fleiig, die andere hlich und faul. Sie hatte aber die hliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere mute alle Arbeit tun und der Aschenputtel im Hause sein. Das arme Mdchen mute sich tglich auf die groe Strae bei einem Brunnen setzen und mute so viel spinnen, da ihm das Blut aus den Fingern sprang.   
Nun trug es sich zu, da die Spule einmal ganz blutig war, da bckte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen; sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab. Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzhlte ihr das Unglck. Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig, da sie sprach: Hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hoi sie auch wieder herauf.  Da ging das Mdchen zu dem Brunnen zurck und wute nicht, was es anfangen sollte; und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen. Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam, war es auf einer schnen Wiese, wo die Sonne schien und vieltausend Blumen standen. Auf dieser Wiese ging es fort und kam zu einem Backofen, der war voller Brot; das Brot aber rief: Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon lngst aus gebacken.   
Da trat es herzu und holte mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus. Danach ging es weiter und kam zu einem Baum, der hing voll pfel, und rief ihm zu: Ach, schttel mich, schttel mich, wir pfel sind alle miteinander reif.  Da schttelte es den Baum, da die pfel fielen, als regneten sie, und schttelte, bis keiner mehr oben war; und als es alle in einen Haufen zusammengelegt hatte, ging es wieder weiter.   
Endlich kam es zu einem kleinen Haus, daraus guckte eine alte Frau, weil sie aber so groe Zhne hatte, ward ihm angst, und es wollte fortlaufen. Die alte Frau aber rief ihm nach: Was frchtest du dich, liebes Kind? Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst, so soll dir's gut gehn. Du mut nur achtgeben, da du mein Bett gut machst und es fleiig aufschttelst, da die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle. Weil die Alte ihm so gut zusprach, so fate sich das Mdchen ein Herz, willigte ein und begab sich in ihren Dienst. Es besorgte auch alles nach ihrer Zufriedenheit und schttelte ihr das Bett immer gewaltig, auf da die Federn wie Schneeflocken umherflogen; dafr hatte es auch ein gut Leben bei ihr, kein bses Wort und alle Tage Gesottenes und Gebratenes.   
Nun war es eine Zeitlang bei der Frau Holle, da ward es traurig und wute anfangs selbst nicht, was ihm fehlte, endlich merkte es, da es Heimweh war; ob es ihm hier gleich vieltausendmal besser ging als zu Haus, so hatte es doch ein Verlangen dahin. Endlich sagte es zu ihr: Ich habe den Jammer nach Haus kriegt, und wenn es mir auch noch so gut hier unten geht, so kann ich doch nicht lnger bleiben, ich mu wieder hinauf zu den Meinigen. Die Frau Holle sagte: Es gefllt mir, da du wieder nach Haus verlangst, und weil du mir so treu gedient hast, so will ich dich selbst wieder hinaufbringen. Sie nahm es darauf bei der Hand und fhrte es vor ein groes Tor. Das Tor ward aufgetan, und wie das Mdchen gerade darunterstand, fiel ein gewaltiger Goldregen, und alles Gold blieb an ihm hngen, so da es ber und ber davon bedeckt war. Das sollst du haben, weil du so fleiig gewesen bist, sprach die Frau Holle und gab ihm auch die Spule wieder, die ihm in den Brunnen gefallen war. Darauf ward das Tor verschlossen, und das Mdchen befand sich oben auf der Welt, nicht weit von seiner Mutter Haus; und als es in den Hof kam, sa der Hahn auf dem Brunnen und rief:   
Kikeriki, unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.  
Da ging es hinein zu seiner Mutter, und weil es so mit Gold bedeckt ankam, ward es von ihr und der Schwester gut aufgenommen.   
Das Mdchen erzhlte alles, was ihm begegnet war, und als die Mutter hrte, wie es zu dem groen Reichtum gekommen war, wollte sie der andern, hlichen und faulen Tochter gerne dasselbe Glck verschaffen. Sie mute sich an den Brunnen setzen und spinnen; und damit ihre Spule blutig ward, stach sie sich in die Finger und stie sich die Hand in die Dornhecke. Dann warf sie die Spule in den Brunnen und sprang selber hinein.   
Sie kam, wie die andere, auf die schne Wiese und ging auf demselben Pfade weiter. Als sie zu dem Backofen gelangte, schrie das Brot wieder: Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich, ich bin schon lngst ausgebacken.  Die Faule aber antwortete: Da htt ich Lust, mich schmutzig zu machen, und ging fort.   
Bald kam sie zu dem Apfelbaum, der rief: Ach, schttel mich, schttel mich, wir pfel sind alle miteinander reif.  Sie antwortete aber: Du kommst mir recht, es knnte mir einer auf den Kopf fallen, und ging damit weiter. Als sie vor der Frau Holle Haus kam, frchtete sie sich nicht, weil sie von ihren groen Zhnen schon gehrt hatte, und verdingte sich gleich zu ihr. Am ersten Tag tat sie sich Gewalt an, war fleiig und folgte der Frau Hohe, wenn sie ihr etwas sagte, denn sie dachte an das viele Gold, das sie ihr schenken wrde; am zweiten Tag aber fing sie schon an zu faulenzen, am dritten noch mehr, da wollte sie morgens gar nicht aufstehen. Sie machte auch der Frau Holle das Bett nicht, wie sich's gebhrte, und schttelte es nicht, da die Federn aufflogen. Das ward die Frau Hohe bald mde und sagte ihr den Dienst auf. Die Faule war das wohl zufrieden und meinte, nun wrde der Goldregen kommen; die Frau Holle fhrte sie auch zu dem Tor, als sie aber darunterstand, ward statt des Goldes ein groer Kessel voll Pech ausgeschttet. Das ist zur Belohnung deiner Dienste, sagte die Frau Holle und schlo das Tor zu. Da kam die Faule heim, aber sie war ganz mit Pech bedeckt, und der Hahn auf dem Brunnen, als er sie sah, rief:   
 Kikeriki, unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.  
Das Pech aber blieb fest an ihr hngen und wollte, solange sie lebte, nicht abgehen. 
\np#\ul#Hans im Glck\ul#  
   
Hans hatte sieben Jahre bei seinem Herrn gedient, da sprach er zu ihm 'Herr, meine Zeit ist herum, nun wollte ich gerne wieder heim zu meiner Mutter, gebt mir meinen Lohn.' Der Herr antwortete 'du hast mir treu und ehrlich gedient, wie der Dienst war, so soll der Lohn sein,' und gab ihm ein Stck Gold, das so gro als Hansens Kopf war. Hans zog ein Tchlein aus der Tasche, wickelte den Klumpen hinein, setzte ihn auf die Schulter und machte sich auf den Weg nach Haus. Wie er so dahinging und immer ein Bein vor das andere setzte, kam ihm ein Reiter in die Augen, der frisch und frhlich auf einem muntern Pferd vorbeitrabte. 'Ach,' sprach Hans ganz laut, 'was ist das Reiten ein schnes Ding! da sitzt einer wie auf einem Stuhl, stt sich an keinen Stein, spart die Schuh, und kommt fort, er wei nicht wie.' Der Reiter, der das gehrt hatte, hielt an und rief 'ei, Hans, warum laufst du auch zu Fu?' 'Ich mu ja wohl,' antwortete er, 'da habe ich einen Klumpen heim zu tragen: es ist zwar Gold, aber ich kann den Kopf dabei nicht gerad halten, auch drckt mirs auf die Schulter.' 'Weit du was,' sagte der Reiter, 'wir wollen tauschen: ich gebe dir mein Pferd, und du gibst mir deinen Klumpen.' 'Von Herzen gern,' sprach Hans, 'aber ich sage Euch, Ihr mt Euch damit schleppen.' Der Reiter stieg ab, nahm das Gold und half dem Hans hinauf, gab ihm die Zgel fest in die Hnde und sprach 'wenns nun recht geschwind soll gehen, so mut du mit der Zunge schnalzen und hopp hopp rufen.'  
Hans war seelenfroh, als er auf dem Pferde sa und so frank und frei dahinritt. ber ein Weilchen fiels ihm ein, es sollte noch schneller gehen, und fing an mit der Zunge zu schnalzen und hopp hopp zu rufen. Das Pferd setzte sich in starken Trab, und ehe sichs Hans versah' war er abgeworfen und lag in einem Graben, der die cker von der Landstrae trennte. Das Pferd wre auch durchgegangen, wenn es nicht ein Bauer auf gehalten htte, der des Weges kam und eine Kuh vor sich hertrieb. Hans suchte seine Glieder zusammen und machte sich wieder auf die Beine. Er war aber verdrielich und sprach zu dem Bauer 'es ist ein schlechter Spa, das Reiten, zumal, wenn man auf so eine Mhre gert, wie diese, die stt und einen herabwirft, da man den Hals brechen kann; ich setze mich nun und nimmermehr wieder auf. Da lob ich mir Eure Kuh, da kann einer mit Gemchlichkeit hinterhergehen, und hat obendrein seine Milch, Butter und Kse jeden Tag gewi. Was gb ich darum, wenn ich so eine Kuh htte!' 'Nun,' sprach der Bauer, 'geschieht Euch so ein groer Gefallen, so will ich Euch wohl die Kuh fr das Pferd vertauschen.' Hans willigte mit tausend Freuden ein: der Bauer schwang sich aufs Pferd und ritt eilig davon.  
Hans trieb seine Kuh ruhig vor sich her und bedachte den glcklichen Handel. 'Hab ich nur ein Stck Brot, und daran wird mirs noch nicht fehlen, so kann ich, sooft mirs beliebe, Butter und Kse dazu essen; hab ich Durst, so melk ich meine Kuh und trinke Milch. Herz, was verlangst du mehr?' Als er zu einem Wirtshaus kam, machte er halt, a in der groen Freude alles, was er bei sich hatte, sein Mittags- und Abendbrot, rein auf, und lie sich fr seine letzten paar Heller ein halbes Glas Bier einschenken. Dann trieb er seine Kuh weiter, immer nach dem Dorfe seiner Mutter zu. Die Hitze ward drckender, je nher der Mittag kam, und Hans befand sich in einer Heide, die wohl noch eine Stunde dauerte. Da ward es ihm ganz hei, so da ihm vor Durst die Zunge am Gaumen klebte. 'Dem Ding ist zu helfen'' dachte Hans, 'jetzt will ich meine Kuh melken und mich an der Milch laben.' Er band sie an einen drren Baum, und da er keinen Eimer hatte, so stellte er seine Ledermtze unter, aber wie er sich auch bemhte, es kam kein Tropfen Milch zum Vorschein. Und weil er sich ungeschickt dabei anstellte, so gab ihm das ungeduldige Tier endlich mit einem der Hinterfe einen solchen Schlag vor den Kopf, da er zu Boden taumelte und eine Zeitlang sich gar nicht besinnen konnte, wo er war. Glcklicherweise kam gerade ein Metzger des Weges, der auf einem Schuhkarren ein junges Schwein liegen hatte. 'Was sind das fr Streiche!' rief er und half dem guten Hans auf. Hans erzhlte, was vorgefallen war. Der Metzger reichte ihm seine Flasche und sprach 'da trinkt einmal und erholt Euch. Die Kuh will wohl keine Milch geben, das ist ein altes Tier, das hchstens noch zum Ziehen taugt oder zum Schlachten.' 'Ei, ei,' sprach Hans und strich sich die Haare ber den Kopf, 'wer htte das gedacht! es ist freilich gut, wenn man so ein Tier ins Haus abschlachten kann, was gibts fr Fleisch! aber ich mache mir aus dem Kuhfleisch nicht viel, es ist mir nicht saftig genug. Ja, wer so ein junges Schwein htte! das schmeckt anders, dabei noch die Wrste.' 'Hrt, Hans,' sprach da der Metzger, 'Euch zuliebe will ich tauschen und will Euch das Schwein fr die Kuh lassen.' 'Gott lohn Euch Eure Freundschaft,' sprach Hans, bergab ihm die Kuh, lie sich das Schweinchen vom Karren losmachen und den Strick, woran es gebunden war, in die Hand geben.  
Hans zog weiter und berdachte, wie ihm doch alles nach Wunsch ginge, begegnete ihm ja eine Verdrielichkeit, so wrde sie doch gleich wieder gutgemacht. Es gesellte sich danach ein Bursch zu ihm, der trug eine schne weie Gans unter dem Arm. Sie boten einander die Zeit, und Hans fing an, von seinem Glck zu erzhlen, und wie er immer so vorteilhaft getauscht htte. Der Bursch erzhlte ihm, da er die Gans zu einem Kindtaufschmaus brchte. 'Hebt einmal,' fuhr er fort und packte sie bei den Flgeln, 'wie schwer sie ist, die ist aber auch acht Wochen lang genudelt worden. Wer in den Braten beit, mu sich das Fett von beiden Seiten abwischen.' 'Ja,' sprach Hans, und wog sie mit der einen Hand, 'die hat ihr Gewicht, aber mein Schwein ist auch keine Sau.' Indessen sah sich der Bursch nach allen Seiten ganz bedenklich um, schttelte auch wohl mit dem Kopf. 'Hrt,' fing er darauf an, 'mit Eurem Schweine mags nicht ganz richtig sein. In dem Dorfe, durch das ich gekommen bin, ist eben dem Schulzen eins aus dem Stall gestohlen worden. Ich frchte, ich frchte, Ihr habts da in der Hand. Sie haben Leute ausgeschickt, und es wre ein schlimmer Handel, wenn sie Euch mit dem Schwein erwischten: das Geringste ist, da Ihr ins finstere Loch gesteckt werdet.' Dem guten Hans ward bang, 'ach Gott,' sprach er, 'helft mir aus der Not, Ihr wit hier herum bessern Bescheid, nehmt mein Schwein da und lat mir Eure Gans.' 'Ich mu schon etwas aufs Spiel setzen,' antwortete der Bursche, 'aber ich will doch nicht schuld sein, da Ihr ins Unglck geratet.' Er nahm also das Seil in die Hand und trieb das Schwein schnell auf einen Seitenweg fort: der gute Hans aber ging, seiner Sorgen entledigt, mit der Gans unter dem Arme der Heimat zu. 'Wenn ichs recht berlege,' sprach er mit sich selbst, 'habe ich noch Vorteil bei dem Tausch: erstlich den guten Braten, hernach die Menge von Fett, die heraustru feln wird, das gibt Gnsefettbrot auf ein Vierteljahr, und endlich die schnen weien Federn, die la ich mir in mein Kopfkissen stopfen, und darauf will ich wohl ungewiegt einschlafen. Was wird meine Mutter eine Freude haben!'  
Als er durch das letzte Dorf gekommen war, stand da ein Scherenschleifer mit seinem Karren, sein Rad schnurrte, und er sang dazu.  
'ich schleife die Schere und drehe geschwind,  
und hnge mein Mntelchen nach dem Wind.'  
Hans blieb stehen und sah ihm zu; endlich redete er ihn an und sprach 'Euch gehts wohl, weil Ihr so lustig bei Eurem Schleifen seid.' 'Ja,' antwortete der Scherenschleifer, 'das Handwerk hat einen gldenen Boden. Ein rechter Schleifer ist ein Mann, der, sooft er in die Tasche greift, auch Geld darin findet. Aber wo habt Ihr die schne Gans gekauft?' 'Die hab ich nicht gekauft, sondern fr mein Schwein eingetauscht.' 'Und das Schwein?' 'Das hab ich fr eine Kuh gekriegt.' 'Und die Kuh?' 'Die hab ich fr ein Pferd bekommen.' 'Und das Pferd?' 'Dafr hab ich  
einen Klumpen Gold, so gro als mein Kopf, gegeben.' 'Und das Gold?' 'Ei, das war mein Lohn fr sieben Jahre Dienst.' 'Ihr habt Euch jederzeit zu helfen gewut,' sprach der Schleifer, 'knnt Ihrs nun dahin bringen, da Ihr das Geld in der Tasche springen hrt, wenn Ihr aufsteht, so habt Ihr Euer Glck gemacht.' 'Wie soll ich das anfangen?' sprach Hans. 'Ihr mt ein Schleifer werden wie ich; dazu gehrt eigentlich nichts als ein Wetzstein, das andere findet sich schon von selbst. Da hab ich einen, der ist zwar ein wenig schadhaft, dafr sollt Ihr mir aber auch weiter nichts als Eure Gans geben; wollt Ihr das?' 'Wie knnt Ihr noch fragen,' antwortete Hans, 'ich werde ja zum glcklichsten Menschen auf Erden; habe ich Geld, sooft ich in die Tasche greife, was brauche ich da lnger zu sorgen?' reichte ihm die Gans hin, und nahm den Wetzstein in Empfang. 'Nun,' sprach der Schleifer und hob einen gewhnlichen schweren Feldstein, der neben ihm lag, auf, 'da habt Ihr noch einen tchtigen Stein dazu, auf dem sichs gut schlagen lt und Ihr Eure alten Ngel gerade klopfen knnt. Nehmt ihn und hebt ihn ordendich auf.'  
Hans lud den Stein auf und ging mit vergngtem Herzen weiter; seine Augen leuchteten vor Freude, 'ich mu in einer Glckshaut geboren sein,' rief er aus 'alles, was ich wnsche, trifft mir ein, wie einem Sonntagskind.' Indessen, weil er seit Tagesanbruch auf den Beinen gewesen war, begann er mde zu werden; auch plagte ihn der Hunger, da er allen Vorrat auf einmal in der Freude ber die erhandelte Kuh aufgezehrt hatte. Er konnte endlich nur mit Mhe weitergehen und mute jeden Augenblick halt machen; dabei drckten ihn die Steine ganz erbrmlich. Da konnte er sich des Gedankens nicht erwehren, wie gut es wre, wenn er sie gerade jetzt nicht zu tragen brauchte. Wie eine Schnecke kam er zu einem Feldbrunnen geschlichen, wollte da ruhen und sich mit einem frischen Trunk laben: damit er aber die Steine im Niedersitzen nicht beschdigte, legte er sie bedchtig neben sich auf den Rand des Brunnens. Darauf setzte er sich nieder und wollte sich zum Trinken bcken, da versah ers, stie ein klein wenig an, und beide Steine plumpten hinab. Hans, als er sie mit seinen Augen in die Tiefe hatte versinken sehen, sprang vor Freuden auf, kniete dann nieder und dankte Gott mit Trnen in den Augen, da er ihm auch diese Gnade noch erwiesen und ihn auf eine so gute Art, und ohne da er sich einen Vorwurf zu machen brauchte, von den schweren Steinen befreit htte, die ihm allein noch hinderlich gewesen wren. 'So glcklich wie ich,' rief er aus, 'gibt es keinen Menschen unter der Sonne.' Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter war.  
\np#\ul#Hnsel und Gretel\ul#  
   
Vor einem groen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern; das Bbchen hie Hnsel und das Mdchen Gretel. Er hatte wenig zu beien und zu brechen, und einmal, als groe Teuerung ins Land kam, konnte er das tgliche Brot nicht mehr schaffen. Wie er sich nun abends im Bette Gedanken machte und sich vor Sorgen herumwlzte, seufzte er und sprach zu seiner Frau: "Was soll aus uns werden ? Wie knnen wir unsere armen Kinder ernhren da wir fr uns selbst nichts mehr haben ?" "Weit du was, Mann, antwortete die Frau, "wir wollen morgen in aller Frhe die Kinder hinaus in den Wald fhren, wo er am dicksten ist. Da machen wir ihnen ein Feuer an und geben jedem noch ein Stckchen Brot, dann gehen wir an unsere Arbeit und lassen sie allein. Sie finden den Weg nicht wieder nach Haus, und wir sind sie los." "Nein, Frau", sagte der Mann, "das tue ich nicht; wie sollt ich's bers Herz bringen, meine Kinder im Walde allein zu lassen ! Die wilden Tiere wrden bald kommen und sie zerreien." "Oh, du Narr", sagte sie, "dann mssen wir alle viere Hungers sterben, du kannst nur die Bretter fr die Srge hobeln", und lie ihm keine Ruhe, bis er einwilligte. "Aber die armen Kinder dauern mich doch", sagte der Mann. Die zwei Kinder hatten vor Hunger auch nicht einschlafen knnen und hatten gehrt, was die Stiefmutter zum Vater gesagt hatte. Gretel weinte bittere Trnen und sprach zu Hnsel: "Nun ist's um uns geschehen." "Still, Gretel", sprach Hnsel, "grme dich nicht, ich will uns schon helfen." Und als die Alten eingeschlafen waren, stand er auf, zog sein Rcklein an, machte die Untertre auf und schlich sich hinaus. Da schien der Mond ganz hell, und die weien Kieselsteine, die vor dem Haus lagen, glnzten wie lauter Batzen. Hnsel bckte sich und steckte so viele in sein Rocktschlein, als nur hinein wollten. Dann ging er wieder zurck, sprach zu Gretel: "Sei getrost, liebes Schwesterchen, und schlaf nur ruhig ein, Gott wird uns nicht verlassen", und legte sich wieder in sein Bett.  
Als der Tag anbrach, noch ehe die Sonne aufgegangen war, kam schon die Frau und weckte die beiden Kinder: "Steht auf, ihr Faulenzer, wir wollen in den Wald gehen und Holz holen." Dann gab sie jedem ein Stckchen Brot und sprach: "Da habt ihr etwas fr den Mittag, aber et's nicht vorher auf, weiter kriegt ihr nichts." Gretel nahm das Brot unter die Schrze, weil Hnsel die Steine in der Tasche hatte. Danach machten sie sich alle zusammen auf den Weg nach dem Wald. Als sie ein Weilchen gegangen waren, stand Hnsel still und guckte nach dem Haus zurck und tat das wieder und immer wieder. Der Vater sprach: "Hnsel, was guckst du da und bleibst zurck, hab acht und vergi deine Beine nicht!" "Ach, Vater", sagte Hnsel, "ich sehe nach meinem weien Ktzchen, das sitzt oben auf dem Dach und will mir Ade sagen." Die Frau sprach: "Narr, das ist dein Ktzchen nicht, das ist die Morgensonne, die auf den Schornstein scheint." Hnsel aber hatte nicht nach dem Ktzchen gesehen, sondern immer einen von den blanken Kieselsteinen aus seiner Tasche auf den Weg geworfen.  
Als sie mitten in den Wald gekommen waren, sprach der Vater: "Nun sammelt Holz, ihr Kinder, ich will ein Feuer anmachen, damit ihr nicht friert." Hnsel und Gretel trugen Reisig zusammen, einen kleinen Berg hoch. Das Reisig ward angezndet, und als die Flamme recht hoch brannte, sagte die Frau: "Nun legt euch ans Feuer, ihr Kinder, und ruht euch aus, wir gehen in den Wald und hauen Holz. Wenn wir fertig sind, kommen wir wieder und holen euch ab."  
  
Hnsel und Gretel saen um das Feuer, und als der Mittag kam, a jedes sein Stcklein Brot. Und weil sie die Schlge der Holzaxt hrten, so glaubten sie, ihr Vater wr' in der Nhe. Es war aber nicht die Holzaxt, es war ein Ast, den er an einen drren Baum gebunden hatte und den der Wind hin und her schlug. Und als sie so lange gesessen hatten, fielen ihnen die Augen vor Mdigkeit zu, und sie schliefen fest ein. Als sie endlich erwachten, war es schon finstere Nacht. Gretel fing an zu weinen und sprach: "Wie sollen wir nun aus dem Wald kommen ?" Hnsel aber trstete sie: "Wart nur ein Weilchen, bis der Mond aufgegangen ist, dann wollen wir den Weg schon finden." Und als der volle Mond aufgestiegen war, so nahm Hnsel sein Schwesterchern an der Hand und ging den Kieselsteinen nach, die schimmerten wie neugeschlagene Batzen und zeigten ihnen den Weg. Sie gingen die ganze Nacht hindurch und kamen bei anbrechendem Tag wieder zu ihres Vaters Haus. Sie klopften an die Tr, und als die Frau aufmachte und sah, da es Hnsel und Gretel waren, sprach sie: "Ihr bsen Kinder, was habt ihr so lange im Walde geschlafen, wir haben geglaubt, ihr wollet gar nicht wiederkommen." Der Vater aber freute sich, denn es war ihm zu Herzen gegangen, da er sie so allein zurckgelassen hatte.  
Nicht lange danach war wieder Not in allen Ecken, und die Kinder hrten, wie die Mutter nachts im Bette zu dem Vater sprach: "Alles ist wieder aufgezehrt, wir haben noch einen halben Laib Brot, hernach hat das Lied ein Ende. Die Kinder mssen fort, wir wollen sie tiefer in den Wald hineinfhren, damit sie den Weg nicht wieder herausfinden; es ist sonst keine Rettung fr uns." Dem Mann fiel's schwer aufs Herz, und er dachte: Es wre besser, da du den letzten Bissen mit deinen Kindern teiltest. Aber die Frau hrte auf nichts, was er sagte, schalt ihn und machte ihm Vorwrfe. Wer A sagt, mu B sagen, und weil er das erstemal nachgegeben hatte, so mute er es auch zum zweitenmal.  
Die Kinder waren aber noch wach gewesen und hatten das Gesprch mitangehrt. Als die Alten schliefen, stand Hnsel wieder auf, wollte hinaus und die Kieselsteine auflesen, wie das vorigemal; aber die Frau hatte die Tr verschlossen, und Hnsel konnte nicht heraus. Aber er trstete sein Schwesterchen und sprach: "Weine nicht, Gretel, und schlaf nur ruhig, der liebe Gott wird uns schon helfen."  
Am frhen Morgen kam die Frau und holte die Kinder aus dem Bette. Sie erhielten ihr Stckchen Brot, das war aber noch kleiner als das vorigemal. Auf dem Wege nach dem Wald brckelte es Hnsel in der Tasche, stand oft still und warf ein Brcklein auf die Erde. "Hnsel, was stehst du und guckst dich um ?" sagte der Vater, "geh deiner Wege !" "Ich sehe nach meinem Tubchen, das sitzt auf dem Dache und will mir Ade sagen", antwortete Hnsel. "Narr", sagte die Frau, "das ist dein Tubchen nicht, das ist die Morgensonne, die auf den Schornstein oben scheint." Hnsel aber warf nach und nach alle Brcklein auf den Weg.  
Die Frau fhrte die Kinder noch tiefer in den Wald, wo sie ihr Lebtag noch nicht gewesen waren. Da ward wieder ein groes Feuer angemacht, und die Mutter sagte: "Bleibt nur da sitzen, ihr Kinder, und wenn ihr mde seid, knnt ihr ein wenig schlafen. Wir gehen in den Wald und hauen Holz, und abends, wenn wir fertig sind, kommen wir und holen euch ab." Als es Mittag war, teilte Gretel ihr Brot mit Hnsel, der sein Stck auf den Weg gestreut hatte. Dann schliefen sie ein, und der Abend verging; aber niemand kam zu den armen Kindern. Sie erwachten erst in der finstern Nacht, und Hnsel trstete sein Schwesterchen und sagte: "Wart nur, Gretel, bis der Mond aufgeht, dann werden wir die Brotbrcklein sehen, die ich ausgestreut habe, die zeigen uns den Weg nach Haus" Als der Mond kam, machten sie sich auf, aber sie fanden kein Brcklein mehr, denn die viel tausend Vgel, die im Walde und im Felde umherfliegen, die hatten sie weggepickt. Hnsel sagte zu Gretel: "Wir werden den Weg schon finden." Aber sie fanden ihn nicht. Sie gingen die ganze Nacht und noch einen Tag von Morgen bis Abend, aber sie kamen aus dem Wald nicht heraus und waren so hungrig, denn sie hatten nichts als die paar Beeren, die auf der Erde standen. Und weil sie so mde waren, da die Beine sie nicht mehr tragen wollten, so legten sie sich unter einen Baum und schliefen ein. Nun war's schon der dritte Morgen, da sie ihres Vaters Haus verlassen hatten. Sie fingen wieder an zu gehen, aber sie gerieten immer tiefer in den Wald, und wenn nicht bald Hilfe kam, muten sie verschmachten. Als es Mittag war, sahen sie ein schnes, schneeweies Vgelein auf einem Ast sitzen, das sang so schn, da sie stehen blieben und ihm zuhrten. Und als es fertig war, schwang es seine Flgel und flog vor ihnen her, und sie gingen ihm nach, bis sie zu einem Huschen gelangten, auf dessen Dach es sich setzte, und als sie ganz nahe herankamen, so sahen sie, da das Huslein aus Brot gebaut war und mit Kuchen gedeckt; aber die Fenster waren von hellem Zucker. "Da wollen wir uns dranmachen", sprach Hnsel, "und eine gesegnete Mahlzeit halten. Ich will ein Stck vom Dach essen, Gretel, du kannst vom Fenster essen, das schmeckt s." Hnsel reichte in die Hhe und brach sich ein wenig vom Dach ab, um zu versuchen, wie es schmeckte, und Gretel stellte sich an die Scheiben und knupperte daran. Da rief eine feine Stimme aus der Stube heraus:  
"Knupper, knupper, Kneischen,  
Wer knuppert an meinem Huschen ?"  
Die Kinder antworteten:  
"Der Wind, der Wind,  
Das himmlische Kind",  
und aen weiter, ohne sich irre machen zu lassen. Hnsel, dem das Dach sehr gut schmeckte, ri sich ein groes Stck davon herunter, und Gretel stie eine ganze runde Fensterscheibe heraus, setzte sich nieder und tat sich wohl damit. Da ging auf einmal die Tre auf, und eine steinalte Frau, die sich auf eine Krcke sttzte, kam herausgeschlichen. Hnsel und Gretel erschraken so gewaltig, da sie fallen lieen, was sie in den Hnden hielten. Die Alte aber wackelte mit dem Kopfe und sprach: "Ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierher gebracht ? Kommt nur herein und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid." Sie fate beide an der Hand und fhrte sie in ihr Huschen. Da ward ein gutes Essen aufgetragen, Milch und Pfannkuchen mit Zucker, pfel und Nsse. Hernach wurden zwei schne Bettlein wei gedeckt, und Hnsel und Gretel legten sich hinein und meinten, sie wren im Himmel.  
  
Die Alte hatte sich nur freundlich angestellt, sie war aber eine bse Hexe, die den Kindern auflauerte, und hatte das Brothuslein blo gebaut, um sie herbeizulocken. Wenn eins in ihre Gewalt kam, so machte sie es tot, kochte es und a es, und das war ihr ein Festtag. Die Hexen haben rote Augen und knnen nicht weit sehen, aber sie haben eine feine Witterung wie die Tiere und merken's, wenn Menschen herankommen. Als Hnsel und Gretel in ihre Nhe kamen, da lachte sie boshaft und sprach hhnisch: "Die habe ich, die sollen mir nicht wieder entwischen !" Frh morgens, ehe die Kinder erwacht waren, stand sie schon auf, und als sie beide so lieblich ruhen sah, mit den vollen roten Backen, so murmelte sie vor sich hin: "Das wird ein guter Bissen werden." Da packte sie Hnsel mit ihrer drren Hand und trug ihn in einen kleinen Stall und sperrte ihn mit einer Gittertre ein. Er mochte schrein, wie er wollte, es half ihm nichts. Dann ging sie zur Gretel, rttelte sie wach und rief: "Steh auf, Faulenzerin, trag Wasser und koch deinem Bruder etwas Gutes, der sitzt drauen im Stall und soll fett werden. Wenn er fett ist, so will ich ihn essen." Gretel fing an bitterlich zu weinen; aber es war alles vergeblich, sie mute tun, was die bse Hexe verlangte.  
  
Nun ward dem armen Hnsel das beste Essen gekocht, aber Gretel bekam nichts als Krebsschalen. Jeden Morgen schlich die Alte zu dem Stllchen und rief: "Hnsel, streck deine Finger heraus, damit ich fhle, ob du bald fett bist." Hnsel streckte ihr aber ein Knchlein heraus, und die Alte, die trbe Augen hatte, konnte es nicht sehen und meinte, es wren Hnsels Finger, und verwunderte sich, da er gar nicht fett werden wollte. Als vier Wochen herum waren und Hnsel immer mager blieb, da berkam sie die Ungeduld, und sie wollte nicht lnger warten. "Heda, Gretel", rief sie dem Mdchen zu, "sei flink und trag Wasser ! Hnsel mag fett oder mager sein, morgen will ich ihn schlachten und kochen." Ach, wie jammerte das arme Schwesterchen, als es das Wasser tragen mute, und wie flossen ihm die Trnen ber die Backen herunter ! "Lieber Gott, hilf uns doch", rief sie aus, "htten uns nur die wilden Tiere im Wald gefressen, so wren wir doch zusammen gestorben !" "Spar nur dein Geplrre", sagte die Alte, "es hilft dir alles nichts."  
Frh morgens mute Gretel heraus, den Kessel mit Wasser aufhngen und Feuer anznden. "Erst wollen wir backen" sagte die Alte, "ich habe den Backofen schon eingeheizt und den Teig geknetet." Sie stie das arme Gretel hinaus zu dem Backofen, aus dem die Feuerflammen schon herausschlugen "Kriech hinein", sagte die Hexe, "und sieh zu, ob recht eingeheizt ist, damit wir das Brot hineinschieben knnen" Und wenn Gretel darin war, wollte sie den Ofen zumachen und Gretel sollte darin braten, und dann wollte sie's aufessen. Aber Gretel merkte, was sie im Sinn hatte, und sprach "Ich wei nicht, wie ich's machen soll; wie komm ich da hinein ?" "Dumme Gans", sagte die Alte, "die ffnung ist gro genug, siehst du wohl, ich knnte selbst hinein", krabbelte heran und steckte den Kopf in den Backofen. Da gab ihr Gretel einen Sto, da sie weit hineinfuhr, machte die eiserne Tr zu und schob den Riegel vor. Hu ! Da fing sie an zu heulen, ganz grauselich; aber Gretel lief fort, und die gottlose Hexe mute elendiglich verbrennen.  
  
Gretel aber lief schnurstracks zum Hnsel, ffnete sein Stllchen und rief: "Hnsel, wir sind erlst, die alte Hexe ist tot " Da sprang Hnsel heraus wie ein Vogel aus dem Kfig, wenn ihm die Tre aufgemacht wird. Wie haben sie sich gefreut sind sich um den Hals gefallen, sind herumgesprungen und haben sich gekt ! Und weil sie sich nicht mehr zu frchten brauchten, so gingen sie in das Haus der Hexe hinein. Da standen in allen Ecken Kasten mit Perlen und Edelsteinen. "Die sind noch besser als Kieselsteine", sagte Hnsel und steckte in seine Taschen, was hinein wollte. Und Gretel sagte" Ich will auch etwas mit nach Haus bringen", und fllte sein Schrzchen voll. "Aber jetzt wollen wir fort", sagte Hnsel, "damit wir aus dem Hexenwald herauskommen." Als sie aber ein paar Stunden gegangen waren, gelangten sie an ein groes Wasser. "Wir knnen nicht hinber", sprach Hnsel, "ich seh keinen Steg und keine Brcke." "Hier fhrt auch kein Schiffchen", antwortete Gretel, "aber da schwimmt eine weie Ente, wenn ich die bitte, so hilft sie uns hinber." Da rief sie:  
"Entchen, Entchen,  
Da steht Gretel und Hnsel.  
Kein Steg und keine Brcke,  
Nimm uns auf deinen weien Rcken."  
Das Entchen kam auch heran, und Hnsel setzte sich auf und bat sein Schwesterchen, sich zu ihm zu setzen. "Nein", antwortete Gretel, "es wird dem Entchen zu schwer, es soll uns nacheinander hinberbringen." Das tat das gute Tierchen, und als sie glcklich drben waren und ein Weilchen fortgingen, da kam ihnen der Wald immer bekannter und immer bekannter vor, und endlich erblickten sie von weitem ihres Vaters Haus. Da fingen sie an zu laufen, strzten in die Stube hinein und fielen ihrem Vater um den Hals. Der Mann hatte keine frohe Stunde gehabt, seitdem er die Kinder im Walde gelassen hatte, die Frau aber war gestorben. Gretel schttelte sein Schrzchen aus, da die Perlen und Edelsteine in der Stube herumsprangen, und Hnsel warf eine Handvoll nach der andern aus seiner Tasche dazu. Da hatten alle Sorgen ein Ende, und sie lebten in lauter Freude zusammen.  
\np#\ul#Jorinde und Joringel\ul#

Es war einmal ein altes Schlo mitten in einem groen dicken Wald, darinnen wohnte eine alte Frau ganz allein, das war eine Erzzauberin. Am Tage machte sie sich zur Katze oder zur Nachteule, des Abends aber wurde sie wieder ordentlich wie ein Mensch gestaltet. Sie konnte das Wild und die Vgel herbeilocken, und dann schlachtete sie, kochte und briet es. Wenn jemand auf hundert Schritte dem Schlo nahe kam, so mute er stillestehen und konnte sich nicht von der Stelle bewegen, bis sie ihn lossprach; wenn aber eine keusche Jungfrau in diesen Kreis kam, so verwandelte sie dieselbe in einen Vogel und sperrte sie dann in einen Korb ein und trug den Korb in eine Kammer des Schlosses. Sie hatte wohl siebentausend solcher Krbe mit so raren Vgeln im Schlosse.  
Nun war einmal eine Jungfrau, die hie Jorinde; sie war schner als alle andere Mdchen. Die und dann ein gar schner Jngling namens Joringel hatten sich zusammen versprochen. Sie waren in den Brauttagen, und sie hatten ihr grtes Vergngen eins am andern. Damit sie nun einsmalen vertraut zusammen reden knnten, gingen sie in den Wald spazieren. Hte dich, sagte Joringel, da du nicht so nahe ans Schlo kommst. Es war ein schner Abend, die Sonne schien zwischen den Stmmen der Bume hell ins dunkle Grn des Waldes, und die Turteltaube sang klglich auf den alten Maibuchen.  
Jorinde weinte zuweilen, setzte sich hin im Sonnenschein und klagte: Joringel klagte auch. Sie waren so bestrzt, als wenn sie htten sterben sollen; sie sahen sich um, waren irre und wuten nicht, wohin sie nach Hause gehen sollten. Noch halb stand die Sonne ber dem Berg, und halb war sie unter. Joringel sah durchs Gebsch und sah die alte Mauer des Schlosses nah bei sich; er erschrak und wurde todbang. Jorinde sang:  
Mein Vglein mit dem Ringlein rot singt Leide, Leide, Leide: es singt dem Tubelein seinen Tod, singt Leide, Lei - zickth, zickth, zickth.   
Joringel sah nach Jorinde. Jorinde war in eine Nachtigall verwandelt, die sang zickth, zickth. Eine Nachteule mit glhenden Augen flog dreimal um sie herum und schrie dreimal schu, hu, hu, hu. Joringel konnte sich nicht regen.- er stand da wie ein Stein, konnte nicht weinen, nicht reden, nicht Hand noch Fu regen. Nun war die Sonne unter; die Eule flog in einen Strauch, und gleich darauf kam eine alte krumme Frau aus diesem hervor, gelb und mager: groe rote Augen, krumme Nase, die mit der Spitze ans Kinn reichte. Sie murmelte, fing die Nachtigall und trug sie auf der Hand fort. Joringel konnte nichts sagen, nicht von der Stelle kommen; die Nachtigall war fort. Endlich kam das Weib wieder und sagte mit dumpfer Stimme: Gr dich, Zachiel, wenn's Mndel ins Krbel scheint, bind lose Zachiel, zu guter Stund. Da wurde Joringel los. Er fiel vor dem Weib auf die Knie und bat, sie mchte ihm seine Jorinde wiedergeben, aber sie sagte, er sollte sie nie wiederhaben, und ging fort. Er rief, er weinte, er jammerte, aber alles umsonst. Uu, was soll mir geschehen? Joringel ging fort und kam endlich in ein fremdes Dorf; da htete er die Schafe lange Zeit. Oft ging er rund um das Schlo herum, aber nicht zu nahe dabei. Endlich trumte er einmal des Nachts, er fnde eine blutrote Blume, in deren Mitte eine schne groe Perle war. Die Blume brach er ab, ging damit zum Schlosse: alles, was er mit der Blume berhrte, ward von der Zauberei frei; auch trumte er, er htte seine Jorinde dadurch wiederbekommen. Des Morgens, als er erwachte, fing er an, durch Berg und Tal zu suchen, ob er eine solche Blume fnde; er suchte bis an den neunten Tag, da fand er die blutrote Blume am Morgen frh. In der Mitte war ein groer Tautropfe, so gro wie die schnste Perle. Diese Blume trug er Tag und Nacht bis zum Schlo. Wie er auf hundert Schritt nahe bis zum Schlo kam, da ward er nicht fest, sondern ging fort bis ans Tor. Joringel freute sich hoch, berhrte die Pforte mit der Blume, und sie sprang auf. Er ging hinein, durch den Hof, horchte, wo er die vielen Vgel vernhme; endlich hrte er's. Er ging und fand den Saal, darauf war die Zauberin und ftterte die Vgel in den siebentausend Krben. Wie sie den Joringel sah, ward sie bs, sehr bs, schalt, spie Gift und Galle gegen ihn aus, aber sie konnte auf zwei Schritte nicht an ihn kommen. Er kehrte sich nicht an sie und ging, besah die Krbe mit den Vgeln; da waren aber viele hundert Nachtigallen, wie sollte er nun seine Jorinde wiederfinden? indem er so zusah, [merkte er,] da die Alte heimlich ein Krbchen mit einem Vogel wegnahm und damit nach der Tre ging. Flugs sprang er hinzu, berhrte das Krbchen mit der Blume und auch das alte Weib- nun konnte sie nichts mehr zaubern, und Jorinde stand da, hatte ihn um den Hals gefat, so schn, wie sie ehemals war. Da machte er auch alle die andern Vgel wieder zu Jungfrauen, und da ging er mit seiner Jorinde nach Hause, und sie lebten lange vergngt zusammen.  
\np#\ul#Knig Drosselbart\ul#

Ein Knig hatte eine Tochter, die war ber alle Maen schn, aber dabei so stolz und bermtig, da ihr kein Freier gut genug war. Sie wies einen nach dem andern ab, und trieb noch dazu Spott mit ihnen. Einmal lie der Knig ein groes Fest anstellen, und ladete dazu aus der Nhe und Ferne die heiratslustigen Mnner ein. Sie wurden alle in eine Reihe nach Rang und Stand geordnet; erst kamen die Knige, dann die Herzge, die Frsten, Grafen und Freiherrn, zuletzt die Edelleute.  
Nun ward die Knigstochter durch die Reihen gefhrt, aber an jedem hatte sie etwas auszusetzen. Der eine war ihr zu dick, 'das Weinfa!' sprach sie. Der andere zu lang, 'lang und schwank hat keinen Gang.' Der dritte zu kurz, 'kurz und dick hat kein Geschick.' Der vierte zu bla, 'der bleiche Tod!' der fnfte zu rot, 'der Zinshahn!' der sechste war nicht gerad genug, 'grnes Holz, hinterm Ofen getrocknet!' Und so hatte sie an einem jeden etwas auszusetzen, besonders aber machte sie sich ber einen guten Knig lustig, der ganz oben stand und dem das Kinn ein wenig krumm gewachsen war. 'Ei,' rief sie und lachte, 'der hat ein Kinn, wie die Drossel einen Schnabel;, und seit der Zeit bekam er den Namen  
D r o s s e l b a r t. Der alte Knig aber, als er sah, da seine Tochter nichts tat als ber die Leute spotten, und alle Freier, die da versammelt waren, verschmhte, ward er zornig und schwur, sie sollte den ersten besten Bettler zum Manne nehmen, der vor seine Tre kme.  
Ein paar Tage darauf hub ein Spielmann an unter dem Fenster zu singen, um damit ein geringes Almosen zu verdienen. Als es der Knig hrte, sprach er 'lat ihn heraufkommen.' Da trat der Spielmann in seinen schmutzigen verlumpten Kleidern herein, sang vor dem Knig und seiner Tochter, und bat, als er fertig war, um eine milde Gabe. Der Knig sprach 'dein Gesang hat mir so wohl gefallen, da ich dir meine Tochter da zur Frau geben will.' Die Knigstochter erschrak, aber der Knig sagte 'ich habe den Eid getan, dich dem ersten besten Bettelmann zu geben, den will ich auch halten.' Es half keine Einrede, der Pfarrer ward geholt, und sie mute sich gleich mit dem Spielmann trauen lassen. Als das geschehen war, sprach der Knig 'nun schickt sichs nicht, da du als ein Bettelweib noch Inger in meinem Schlo bleibst, du kannst nur mit deinem Manne fortziehen.'  
Der Bettelmann fhrte sie an der Hand hinaus, und sie mute mit ihm zu Fu fortgehen.  
Als sie in einen groen Wald kamen, da fragte sie  
   'ach, wem gehrt der schne Wald?'  
         'Der gehrt dem Knig Drosselbart;  
          httst du'n genommen, so wr er dein.'  
   'Ich arme Jungfer zart, ach, htt ich genommen den Knig Drosselbart!'  
  
Darauf kamen sie ber eine Wiese, da fragte sie wieder  
   'wem gehrt die schne grne Wiese?'  
         'Sie gehrt dem Knig Drosselbart;  
          httst du'n genommen, so wr sie dein.'  
   'Ich arme Jungfer zart' ach, htt ich genommen den Knig Drosselbart!'  
  
Dann kamen sie durch eine groe Stadt, da fragte sie wieder  
   'ach, wem gehrt der schne Wald?'  
         'Der gehrt dem Knig Drosselbart;  
          httst du'n genommen, so wr er dein.'  
   'Ich arme Jungfer zart, ach, htt ich genommen den Knig Drosselbart!'  
  
'Es gefllt mir gar nicht,' sprach der Spielmann, 'da du dir immer einen andern zum Mann wnschest: bin ich dir nicht gut genug?' Endlich kamen sie an ein ganz kleines Huschen, da sprach sie  
   'ach, Gott, was ist das Haus so klein!  
    wem mag das elende winzige Huschen sein?'  
  
Der Spielmann antwortete 'das ist mein und dein Haus, wo wir zusammen wohnen.' Sie mute sich bcken, damit sie zu der niedrigen Tr hineinkam. 'Wo sind die Diener?' sprach die Knigstochter. 'Was Diener!' antwortete der Bettelmann, 'du mut selber tun, was du willst getan haben. Mach nur gleich Feuer an und stell Wasser auf, da du mir mein Essen kochst; ich bin ganz mde.' Die Knigstochter verstand aber nichts vom Feueranmachen und Kochen, und der Bettelmann mute selber mit Hand anlegen, da es noch so leidlich ging. Als sie die schmale Kost verzehrt hatten, legten sie sich zu Bett: aber am Morgen trieb er sie schon ganz frh heraus, weil sie das Haus besorgen sollte. Ein paar Tage lebten sie auf diese Art schlecht und recht, und zehrten ihren Vorrat auf. Da sprach der Mann 'Frau, so gehts nicht lnger, da wir hier zehren und nichts verdienen. Du sollst Krbe flechten.'  
Er ging aus, schnitt Weiden und brachte sie heim: da fing sie an zu flechten, aber die harten Weiden stachen ihr die zarten Hnde wund. 'Ich sehe, das geht nicht,' sprach der Mann, 'spinn lieber, vielleicht kannst du das besser.' Sie setzte sich hin und versuchte zu spinnen, aber der harte Faden schnitt ihr bald in die weichen Finger, da das Blut daran herunterlief. 'Siehst du,' sprach der Mann, 'du taugst zu keiner Arbeit, mit dir bin ich schlimm angekommen. Nun will ichs versuchen, und einen Handel mit Tpfen und irdenem Geschirr anfangen: du sollst dich auf den Markt setzen und die Ware feil halten.' 'Ach,' dachte sie, 'wenn auf den Markt Leute aus meines Vaters Reich kommen, und sehen mich da sitzen und feil halten, wie werden sie mich verspotten!'  
Aber es half nichts, sie mute sich fgen, wenn sie nicht Hungers sterben wollten. Das erstemal gings gut, denn die Leute kauften der Frau, weil sie schn war, gern ihre Ware ab, und bezahlten, was sie forderte: ja, viele gaben ihr das Geld, und lieen ihr die Tpfe noch dazu . Nun lebten sie von dem Erworbenen, solange es dauerte, da handelte der Mann wieder eine Menge neues Geschirr ein. Sie setzte sich damit an eine Ecke des Marktes, und stellte es um sich her und hielt feil.  
Da kam pltzlich ein trunkener Husar dahergejagt, und ritt geradezu in die Tpfe hinein, da alles in tausend Scherben zersprang. Sie fing an zu weinen und wute vor Angst nicht, was sie anfangen sollte. 'Ach, wie wird mirs ergehen!' rief sie, 'was wird mein Mann dazu sagen!' Sie lief heim und erzhlte ihm das Unglck. 'Wer setzt sich auch an die Ecke des Marktes mit irdenem Geschirr!' sprach der Mann, 'la nur das Weinen, ich sehe wohl, du bist zu keiner ordentlichen Arbeit zu gebrauchen. Da bin ich in unseres Knigs Schlo gewesen und habe gefragt, ob sie nicht eine Kchenmagd brauchen knnten, und sie haben mir versprochen, sie wollten dich dazu nehmen; dafr bekommst du freies Essen.'  
Nun ward die Knigstochter eine Kchenmagd, mute dem Koch zur Hand gehen und die sauerste Arbeit tun. Sie machte sich in beiden Taschen ein Tpfchen fest, darin brachte sie nach Haus was ihr von dem briggebliebenen zuteil ward, und davon nhrten sie sich. Es trug sich zu, da die Hochzeit des ltesten Knigssohnes sollte gefeiert werden, da ging die arme Frau hinauf, stellte sich vor die Saaltre und wollte zusehen. Als nun die Lichter angezndet waren, und immer einer schner als der andere hereintrat, und alles voll Pracht und Herrlichkeit war, da dachte sie mit betrbtem Herzen an ihr Schicksal und verwnschte ihren Stolz und bermut, der sie erniedrigt und in so groe Armut gestrzt hatte. Von den kstlichen Speisen, die da ein- und ausgetragen wurden, und von welchen der Geruch zu ihr aufstieg, warfen ihr Diener manchmal ein paar Brocken zu, die tat sie in ihr Tpfchen und wollte es heimtragen. Auf einmal trat der Knigssohn herein, war in Samt und Seide gekleidet und hatte goldene Ketten um den Hals. Und als er die schne Frau in der Tre stehen sah, ergriff er sie bei der Hand und wollte mit ihr tanzen, aber sie weigerte sich und erschrak, denn sie sah, da es der Knig Drosselbart war, der um sie gefreit und den sie mit Spott abgewiesen hatte. Ihr Struben half nichts, er zog sie in den Saal: da zerri das Band, an welchem die Taschen hingen, und die Tpfe fielen heraus, da die Suppe flo und die Brocken umhersprangen. Und wie das die Leute sahen, entstand ein allgemeines Gelchter und Spotten, und sie war so beschmt, da sie sich lieber tausend Klafter unter die Erde gewnscht htte. Sie sprang zur Tre hinaus und wollte entfliehen, aber auf der Treppe holte sie ein Mann ein und brachte sie zurck: und wie sie ihn ansah, war es wieder der Knig Drosselbart.  
Er sprach ihr freundlich zu 'frchte dich nicht, ich und der Spielmann, der mit dir in dem elenden Huschen gewohnt hat, sind eins: dir zuliebe habe ich mich so verstellt, und der Husar, der dir die Tpfe entzweigeritten hat, bin ich auch gewesen. Das alles ist geschehen, um deinen stolzen Sinn zu beugen und dich fr deinen Hochmut zu strafen, womit du mich verspottet hast.' Da weinte sie bitterlich und sagte 'ich habe groes Unrecht gehabt und bin nicht wert, deine Frau zu sein.' Er aber sprach 'trste dich, die bsen Tage sind vorber, jetzt wollen wir unsere Hochzeit feiern.' Da kamen die Kammerfrauen und taten ihr die prchtigsten Kleider an, und ihr Vater kam und der ganze Hof, und wnschten ihr Glck zu ihrer Vermhlung mit dem Knig Drosselbart, und die rechte Freude fing jetzt erst an. Ich wollte, du und ich, wir wren auch dabei gewesen.  

Mrchen von einem, der auszog, das Frchten zu lernen   
Ein Vater hatte zwei Shne, davon war der lteste klug und gescheit und wute sich in alles wohl zu schicken, der jngste aber war dumm, konnte nichts begreifen und lernen. Und wenn ihn die Leute sahen, sprachen sie: "Mit dem wird der Vater noch seine Last haben!" Wenn nun etwas zu tun war, so mute es der lteste allzeit ausrichten; hie ihn aber der Vater noch spt oder gar in der Nacht etwas holen, und der Weg ging dabei ber den Kirchhof oder sonst einen schaurigen Ort, so antwortete er wohl: "Ach nein, Vater, ich gehe nicht dahin, es gruselt mir!" denn er frchtete sich. Oder wenn abends beim Feuer Geschichten erzhlt wurden, wobei einem die Haut schaudert, so sprachen die Zuhrer manchmal: "Ach, es gruselt mir!" Der jngste sa in einer Ecke und hrte das mit an und konnte nicht begreifen, was es heien sollte. "Immer sagen sie, es gruselt mir! Mir gruselt's nicht, das wird wohl eine Kunst sein, von der ich auch nichts verstehe."  
Nun geschah es, da der Vater einmal zu ihm sprach: "Hr du, in der Ecke dort, du wirst gro und stark, du mut auch etwas lernen, womit du dein Brot verdienst. Siehst du, wie dein Bruder sich Mhe gibt, aber an dir ist Hopfen und Malz verloren.""Ei, Vater", antwortete er, "ich will gerne was lernen; ja, wenn's anginge, so mchte ich lernen, da mir's gruselte." Der lteste lachte, als er das hrte, und dachte bei sich: ,Du lieber Gott, was ist mein Bruder ein Dummbart, aus dem wird sein Lebtag nichts, was ein Hkchen werden will, mu sich beizeiten krmmen.' Der Vater seufzte und antwortete ihm: "Das Gruseln, das sollst du schon lernen, aber dein Brot wirst du damit nicht verdienen.  
Bald danach kam der Kster zu Besuch ins Haus, da klagte ihm der Vater seine Not und erzhlte, wie sein jngster Sohn in allen Dingen so schlecht beschlagen wre, er wte nichts und lernte nichts. "Denkt Euch, als ich ihn fragte, womit er sein Brot verdienen wollte, hat er gar verlangt, das Gruseln zu lernen.""Wenn's weiter nichts ist", antwortete der Kster, "das kann er bei mir lernen; tut ihn nur zu mir, ich will ihn schon abhobeln." Der Vater war es zufrieden, weil er dachte: ,Der Junge wird doch ein wenig zugestutzt.' Der Kster nahm ihn also ins Haus, und er mute die Glocke luten. Nach ein paar Tagen weckte er ihn um Mitternacht, hie ihn aufstehen, in den Kirchturm steigen und luten. ,Du sollst schon lernen, was Gruseln ist', dachte er, ging heimlich voraus, und als der Junge oben war und sich umdrehte und das Glockenseil fassen wollte, so sah er auf der Treppe, dem Schalloch gegenber eine weie Gestalt stehen. "Wer da?" rief er, aber die Gestalt gab keine Antwort, regte und bewegte sich nicht. "Gib Antwort", rief der Junge, "oder mache, da du fortkommst, du hast hier in der Nacht nichts zu schaffen." Der Kster aber blieb unbeweglich stehen, damit der Junge glauben sollte, es wre ein Gespenst. Der Junge rief zum zweitenmal: "Was willst du hier? Sprich, wenn du ein ehrlicher Kerl bist, oder ich werfe dich die Treppe hinab!" Der Kster dachte: ,Das wird so schlimm nicht gemeint sein', gab keinen Laut von sich und stand, als wenn er von Stein wre. Da rief ihn der Junge zum dritten Male an, und als das auch vergeblich war, nahm er einen Anlauf und stie das Gespenst die Treppe hinab, da es in einer Ecke liegenblieb. Darauf lutete er die Glocke, ging heim, legte sich ins Bett und schlief fort. Die Ksterfrau wartete lange Zeit auf ihren Mann, aber er wollte nicht wiederkommen. Da ward ihr endlich angst, sie weckte den Jungen und fragte: "Weit du nicht, wo mein Mann gebli eben ist? Er ist vor dir auf den Turm gestiegen.""Nein", antwortete der Junge, "aber da hat einer dem Schalloch gegenber auf der Treppe gestanden, und weil er keine Antwort geben und auch nicht weggehen wollte, so habe ich ihn fr einen Spitzbuben gehalten und hinuntergestoen. Geht nur hin, so werdet Ihr sehen, ob er's gewesen ist, es sollte mir leid tun." Die Frau sprang fort und fand ihren Mann, der in einer Ecke lag und ein Bein gebrochen hatte.  
Sie trug ihn herab und eilte dann mit lautem Geschrei zu dem Vater des Jungen. "Euer Junge", rief sie, "hat ein groes Unglck angerichtet, meinen Mann hat er die Treppe hinabgeworfen, da er ein Bein gebrochen hat, schafft den Taugenichts aus unserm Hause." Der Vater erschrak, kam herbeigelaufen und schalt den Jungen aus. "Was sind das fr gottlose Streiche, die mu dir der Bse eingegeben haben.""Vater", antwortete er, "hrt nur an, ich bin ganz unschuldig; er stand da in der Nacht wie einer, der Bses im Sinne hat. Ich wute nicht, wer's war, und habe ihn dreimal ermahnt zu reden oder wegzugehen.""Ach", sprach der Vater, "mit dir erleb' ich nur Unglck, geh mir aus den Augen, ich will dich nicht mehr ansehen.""Ja, Vater, recht gerne, wartet nur, bis Tag ist, da will ich ausgehen und das Gruseln lernen, so versteh' ich doch eine Kunst, die mich ernhren kann." "Lerne, was du willst", sprach der Vater, "mir ist alles einerlei. Da hast du fnfzig Taler, damit geh in die weite Welt und sage keinem Menschen, wo du her bist und wer dein Vater ist; denn ich mu mich deiner schmen." "Ja, Vater, wie Ihr's haben wollt, wenn Ihr nicht mehr verlangt, das kann ich leicht in acht behalten."  
Als nun der Tag anbrach, steckte der Junge seine fnfzig Taler in die Tasche, ging hinaus auf die groe Landstrae und sprach immer vor sich hin: "Wenn mir's nur gruselte! Wenn mir's nur gruselte!" Da kam ein Mann heran, der hrte, was der Junge sprach, und als sie ein Stck weiter waren, da man den Galgen sehen konnte, sagte der Mann zu ihm: "Siehst du, dort ist der Baum, wo siebene mit des Seilers Tochter Hochzeit gehalten haben und jetzt das Fliegen lernen. Setz dich darunter und warte, bis die Nacht kommt, so wirst du schon das Gruseln lernen.""Wenn weiter nichts dazugehrt", antwortete der Junge, "das ist leicht getan: lerne ich aber so geschwind das Gruseln, so sollst du meine fnfzig Taler haben, komm nur morgen frh wieder zu mir." Da ging der Junge zu dem Galgen, setzte sich darunter und wartete, bis der Abend kam. Und weil ihn fror, machte er sich ein Feuer an, aber um Mitternacht ging der Wind so kalt, da er trotz des Feuers nicht warm werden wollte. Und als der Wind die Gehenkten gegeneinander stie, da sie sich hin und her bewegten, so dachte er: ,Du frierst unten beim Feuer, was mgen die da oben erst frieren und zappeln!' Und weil er mitleidig war, legte er die Leiter an, stieg hinauf, knpfte einen nach dem andern los und holte sie alle siebene herab. Darauf schrte er das Feuer, blies es an und setzte sie ringsherum, da sie sich wrmen sollten. Aber sie saen da und regten sich nicht, und das Feuer ergriff ihre Kleider. Da sprach er: "Nehmt euch in acht, sonst hng' ich euch wieder hinauf." Die Toten aber hrten nicht, schwiegen und lieen ihre Lumpen fort brennen. Da ward er bs und sprach: "Wenn ihr nicht achtgeben wollt, so kann ich euch nicht helfen, ich will nicht mit euch verbrennen", und hing sie nach der Reihe wieder hinauf. Nun setzte er sich zu seinem Feuer und schlief ein, und am andern Morgen, da kam der Mann zu ihm, wollte die fnfzig Taler haben und spra ch: "Nun, weit du, was Gruseln ist?""Nein", antwortete er, "woher sollte ich's wissen? Die da droben haben das Maul nicht aufgetan und waren so dumm, da sie die paar alten Lappen, die sie am Leibe haben, brennen lieen." Da sah der Mann, da er die fnfzig Taler heute nicht davontragen wrde, ging fort und sprach: "So einer ist mir noch nicht vorgekommen."  
Der Junge ging auch seines Weges und fing wieder an, vor sich hin zu reden: "Ach, wenn mir's nur gruselte! Ach, wenn mir's nur gruselte!" Das hrte ein Fuhrmann, der hinter ihm herschritt, und fragte: "Wer bist du?""Ich wei nicht", antwortete der Junge. Der Fuhrmann fragte weiter: "Wo bist du her?""Ich wei nicht.""Wer ist dein Vater?""Das darf ich nicht sagen.""Was brummst du bestndig in den Bart hinein?""Ei", antwortete der Junge", ich wollte, da mir's gruselte, aber niemand kann mich's lehren.""La dein dummes Geschwtz", sprach der Fuhrmann, "komm, geh mit mir, ich will sehen, da ich dich unterbringe." Der Junge ging mit dem Fuhrmann, und abends gelangten sie zu einem Wirtshaus, wo sie bernachten wollten. Da sprach er beim Eintritt in die Stube wieder ganz laut: "Wenn mir's nur gruselte! Wenn mir's nur gruselte!" Der Wirt, der das hrte, lachte und sprach: "Wenn dich danach lstet, dazu sollte hier wohl Gelegenheit sein.""Ach, schweig stille", sprach die Wirtsfrau", so mancher Vorwitzige hat schon sein Leben eingebt, schade um die schnen Augen, wenn die das Tageslicht nicht wieder sehen sollten." Der Junge aber sagte: "Wenn's noch so schwer wre, ich will's einmal lernen." Er lie dem Wirt auch keine Ruhe, bis dieser erzhlte, nicht weit davon stnde ein verwnschtes Schlo, wo einer wohl lernen knnte, was Gruseln wre, wenn er nur drei Nchte darin wachen wollte. Der Knig htte dem, der's wagen wollte, seine Tochter zur Frau versprochen, und die wre die schnste Jungfrau, welche die Sonne beschien. In dem Schlosse steckten auch groe Schtze, von bsen Geistern bewacht, die wrden dann frei und knnten einen Armen reich genug machen. Da ging der Junge am andern Morgen vor den Knig und sprach: "Wenn's erlaubt wre, so wollte ich wohl drei Nchte in dem verwnschten Schlosse wachen." Der Knig sah ihn an, und weil er ihm gefiel, sprach er: "Du darfst dir noch dreierlei ausbitten, aber es mssen leblose Dinge sein, und die darfst du mit ins Schlo nehmen." Da antwortete er: "So bitt' ich um ein Feuer, eine Drehbank und eine Schnitzbank mit dem Messer."  
Der Knig lie ihm das alles bei Tage in das Schlo tragen. Als es Nacht werden wollte, ging der Junge hinauf, machte sich in einer Kammer ein helles Feuer an, stellte die Schnitzbank mit dem Messer daneben und setzte sich auf die Drehbank. "Ach, wenn mir's nur gruselte!" sprach er, "aber hier werde ich's auch nicht lernen." Gegen Mitternacht wollte er sich sein Feuer einmal aufschren, wie er so hineinblies, da schrie's pltzlich aus einer Ecke: "Au, miau! Was uns friert!""Ihr Narren", rief er, "was schreit ihr? Wenn euch friert, kommt, setzt euch ans Feuer und wrmt euch." Und wie er das gesagt hatte, kamen zwei groe schwarze Katzen in einem gewaltigen Sprunge herbei, setzten sich ihm zu beiden Seiten und sahen ihn mit ihren feurigen Augen ganz wild an. Aber nach ein Weilchen, als sie sich gewrmt hatten, sprachen sie: "Kamerad, wollen wir eins in der Karte spielen?""Warum nicht?" antwortete er, "aber zeigt einmal eure Pfoten her!" Da streckten sie die Krallen aus. "Ei", sagte er, "was habt ihr lange Ngel! Wartet, die mu ich euch erst abschneiden." Damit packte er sie beim Kragen, hob sie auf die Schnitzbank und schraubte ihnen die Pfoten fest. "Euch habe ich auf die Finger gesehen", sprach er",da vergeht mir die Lust zum Kartenspiel", schlug sie tot und warf sie hinaus ins Wasser. Als er aber die zwei zur Ruhe gebracht hatte, da kamen aus allen Ecken und Enden schwarze Katzen und schwarze Hunde an glhenden Ketten, immer mehr und mehr, da er sich nicht mehr bergen konnte. Die schrien greulich, traten ihm auf sein Feuer, zerrten es auseinander und wollten es ausmachen. Das sah er ein Weilchen ruhig mit an, als es ihm aber zu arg ward, fate er sein Schnitzmesser und rief: "Fort mit dir, du Gesindel!" und haute auf sie los. Ein Teil sprang weg, die andern schlug er tot und warf sie hinaus in den Teich. Als er wiedergekommen war, blies er aus den Funken sein Feuer frisch an und wrmte sich. Und als er so sa, wollten ihm die Augen nicht lnger offen bleiben, und er bekam Lust zu schlafen. Da blickte er um sich und sah in der Ecke ein groes Bett. "Das ist mir eben recht", sprach er und legte sich hinein. Als er aber die Augen zutun wollte, so fing das Bett von selbst an zu fahren und fuhr im ganzen Schlo herum. "Recht so", sprach er, "nur besser zu." Da rollte das Bett fort, als wren sechs Pferde vorgespannt, ber Schwellen und Treppen auf und ab. Auf einmal, hopp hopp, fiel es um, das Unterste zu oberst, da es wie ein Berg auf ihm lag. Aber er schleuderte Decken und Kissen in die Hhe, stieg heraus und sagte: "Nun mag fahren, wer Lust hat", legte sich an sein Feuer und schlief, bis es Tag war. Am Morgen kam der Knig, und als er ihn da auf der Erde liegen sah, meinte er, er wre tot. Da sprach er: "Es ist doch schade um den schnen Menschen." Das hrte der Junge, richtete sich auf und sprach: "So weit ist's noch nicht!" Da wunderte sich der Knig, freute sich aber und fragte, wie es ihm gegangen wre. "Recht gut", antwortete er, "eine Nacht wre herum, die zwei andern werden auch herumgehen." Als er zum Wirt kam, da machte der groe Augen. "Ich dachte nicht", sprach er, "da ich dich wieder lebendig sehen wrde; hast du nun gelernt, was Gruseln ist?""Nein", sagte er, "es ist alles vergeblich, wenn mir's nur einer sagen knnte!"  
Die zweite Nacht ging er abermals hinauf ins alte Schlo, setzte sich zum Feuer und fing sein altes Lied wieder an: "Wenn mir's nur gruselte!" Wie Mitternacht herankam, lie sich ein Lrm und Gepolter hren, erst sachte, dann immer strker, dann war's ein bichen still, endlich kam mit lautem Geschrei ein halber Mensch den Schornstein herab und fiel vor ihn hin. "Heda!" rief er", noch ein halber gehrt dazu, das ist zu wenig." Da ging der Lrm von frischem an, es tobte und heulte, und da fiel die andere Hlfte auch herab. "Wart", sprach er, "ich will dir erst das Feuer ein wenig anblasen." Wie er das getan hatte und sich wieder umsah, da waren die beiden Stcke zusammengefahren, und da sa ein greulicher Mann auf seinem Platz. "So haben wir nicht gewettet", sprach der Junge, "die Bank ist rnein." Der Mann wollte ihn wegdrngen, aber der Junge lie sich's nicht gefallen, schob ihn mit Gewalt weg und setzte sich wieder auf seinen Platz. Da fielen noch mehr Mnner herab, einer nach dem andern, die holten neun Totenbeine und zwei Totenkpfe, setzten auf und spielten Kegel. Der Junge bekam auch Lust und fragte: "Hrt ihr, kann ich mittun?"  
"Ja, wenn du Geld hast."  "Geld genug", antwortete er, "aber eure Kugeln sind nicht recht rund." Da nahm er die Totenkpfe, setzte sie in die Drehbank und drehte sie rund. "So, jetzt werden sie besser schppeln", sprach er, "heida, nun geht's lustig!" Er spielte mit und verlor etwas von seinem Geld, als es aber zwlf Uhr schlug, war alles vor seinen Augen verschwunden. Er legte sich nieder und schlief ruhig ein. Am andern Morgen kam der Knig und wollte sich erkundigen. "Wie ist dir's diesmal gegangen?" fragte er. "Ich habe gekegelt", antwortete er, "und ein paar Heller verloren.""Hat dir denn nicht gegruselt?""Ei was", sprach er, "lustig hab' ich mich gemacht. Wenn ich nur wte, was Gruseln wre!"  
In der dritten Nacht setzte er sich wieder auf seine Bank und sprach ganz verdrielich: "Wenn es mir nur gruselte!" Als es spt ward, kamen sechs groe Mnner und brachten eine Totenlade hereingetragen. Da sprach er: "Ha, ha, das ist gewi mein Vetterchen, das erst vor ein paar Tagen gestorben ist, winkte mit dem Finger und rief: "Komm, Vetterchen, komm!" Sie stellten den Sarg auf die Erde, er aber ging hinzu und nahm den Deckel ab, da lag ein toter Mann darin. Er fhlte ihm ans Gesicht, aber es war kalt wie Eis. "Wart", sprach er, "ich will dich ein bichen wrmen", ging ans Feuer, wrmte seine Hand und legte sie ihm aufs Gesicht, aber der Tote blieb kalt. Nun nahm er ihn heraus, setzte ihn ans Feuer und rieb ihm die Arme, damit das Blut wieder in Bewegung kommen sollte. Als auch das nichts helfen wollte, fiel ihm ein: 'Wenn zwei zusammen im Bett liegen, so wrmen sie sich', brachte ihn ins Bett, deckte ihn zu und legte sich neben ihn. &UUML;ber ein Weilchen ward auch der Tote warm und fing an, sich zu regen. Da sprach der Junge: "Siehst du, Vetterchen, htt' ich dich nicht gewrmt!" Der Tote aber hub an zu sprechen: " Jetzt will ich dich erwrgen."  "Was", sagte er, "ist das der Dank? Gleich sollst du wieder in deinen Sarg", hob ihn auf, warf ihn hinein und machte den Deckel zu; da kamen die sechs Mnner und trugen ihn wieder fort. "Es will mir nicht gruseln", sagte er, "hier lerne ich's mein Lebtag nicht."  
Da trat ein Mann herein, der war grer als alle anderen und sah frchterlich aus; er war aber alt und hatte einen langen weien Bart. "0 du Wicht", rief er, "nun sollst du bald lernen, was Gruseln ist; denn du sollst sterben.""Nicht so schnell", antwortete der Junge, "soll ich sterben, so mu ich auch dabeisein." "Dich will ich schon packen", sprach der Unhold. "Sachte, sachte, mach dich nicht so breit; so stark wie du bin ich auch." "Das wollen wir sehn", sprach der Alte, "bist du strker als ich, so will ich dich gehen lassen; komm, wir wollen's versuchen." Da fhrte er ihn durch dunkle Gnge zu einem Schmiedefeuer, nahm eine Axt und schlug den einen Ambo mit einem Schlag in die Erde. "Das kann ich noch besser, sprach der Junge und ging zu dem andern Ambo. Der Alte stellte sich nebenhin und wollte zusehen, und sein weier Bart hing herab. Da fate der Junge die Axt, spaltete den Ambo auf einen Hieb und klemmte den Bart des Alten mit hinein. "Nun hab' ich dich", sprach der Junge, "jetzt ist das Sterben an dir." Dann fate er eine Eisenstange und schlug auf den Alten los, bis er wimmerte, und bat, er mchte aufhren, er wollte ihm groe Reichtmer geben. Der Junge zog die Axt 'raus und lie ihn los. Der Alte fhrte ihn wieder ins Schlo zurck und zeigte ihm in einem Keller drei Kasten voll Gold. "Davon", sprach er, "ist ein Teil den Armen, der andere dem Knig, der dritte dein." Indem schlug es zwlfe, und der Geist verschwand. Am andern Morgen kam der Knig und sagte: "Nun wirst du gelernt haben, was Gruseln ist!" "Nein", antwortete er, "was ist's nur? Mein toter Vetter war da, und ein brtiger Mann ist gekommen, der hat mir da unten viel Geld gezeigt, aber was Gruseln ist, hat mir keiner gesagt." Da sprach der Knig: "Du hast das Schlo erlst und sollst meine Tochter heiraten."  
Da ward das Gold heraufgebracht und die Hochzeit gefeiert, aber der junge Knig, so lieb er seine Gemahlin hatte und so vergngt er war, sagte doch immer: "Wenn mir nur gruselte, wenn mir nur gruselte!" Das verdro sie endlich. Ihr Kammermdchen sprach: "Ich will Hilfe schaffen, das Gruseln soll er schon lernen." Sie ging hinaus zum Bach, der durch den Garten flo, und lie sich einen ganzen Eimer voll Grndlinge holen. Nachts, als der junge Knig schlief, mute seine Gemahlin ihm die Decke wegziehen und den Eimer voll kaltem Wasser mit den Grndlingen ber ihn herschtten, da die kleinen Fische um ihn herum zappelten. Da wachte er auf und rief: "Ach, was gruselt mir, was gruselt mir, liebe Frau! Ja, nun wei ich, was Gruseln ist."  
\np#\ul#Rapunzel\ul#  
   
Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wnschten sich schon lange vergeblich ein Kind, endlich machte sich die Frau Hoffnung, der liebe Gott werde ihren Wunsch erfllen. Die Leute hatte in ihrem Hinterhaus ein kleines Fenster, daraus konnte man in einen prchtigen Garten sehen, der voll der schnsten Blumen und Kruter stand; er war aber von einer hohen Mauer umgeben, und niemand wagte hineinzugehen, weil er einer Zauberin gehrte, die groe Macht hatte und von aller Welt gefrchtet ward. Eines Tags stand die Frau an diesem Fenster und sah in den Garten hinab. Da erblickte sie ein Beet, das mit den schnsten Rapunzeln bepflanzt war, und sie sahen so frisch und grn aus, da sie lstern ward und das grte Verlangen empfand, von den Rapunzeln zu essen. Das Verlangen nahm jeden Tag zu, und da sie wute, da sie keine davon bekommen konnte, so fiel sie ganz ab, sah bla und elend aus. Da erschrak der Mann und fragte: "Was fehlt dir. liebe Frau ? "Ach, antwortete sie, "wenn ich keine Rapunzeln aus dem Garten hinter unserm Hause zu essen kriege so sterbe ich." Der Mann, der sie lieb hatte, dachte: Eh du deine Frau sterben lsest holst du ihr von den Rapunzeln, es mag kosten, was es will. In der Abenddmmerung stieg er also ber die Mauer in den Garten der Zauberin, stach in aller Eile eine Handvoll Rapunzeln und brachte sie seiner Frau. Sie machte sich sogleich Salat daraus und a sie in voller Begierde auf. Sie hatten ihr aber so gut geschmeckt, da sie den andern Tag noch dreimal soviel Lust bekam. Sollte sie Ruhe haben, so mute der Mann noch einmal in den Garten steigen. Er machte sich also in der Abenddmmerung wieder hinab. Als er aber die Mauer herabgeklettert war, erschrak er gewaltig, denn er sah die Zauberin vor sich stehen. "wie kannst du es wagen", sprach sie mit zornigem Blick, in meinen Garten zu steigen und wie ein Dieb mir meine Rapunzeln zu stehlen ? Das soll dir schlecht bekommen !" "Ach", antwortete er, lat Gnade fr Recht ergehen, ich habe mich nur aus Not dazu entschlossen. Meine Frau hat Eure Rapunzeln aus dem Fenster erblickt und empfindet ein so groes Gelsten, da sie sterben wrde, wenn sie nicht davon zu essen bekommt. Da lie die Zauberin in ihrem Zorne nach und sprach zu ihm: "Verhlt es sich so, wie du sagst so will ich dir gestatten, Rapunzeln mitzunehmen, soviel du willst; allein ich mache eine Bedingung: Du mut mir das Kind geben, das deine Frau zur Welt bringen wird. Es soll ihm gut gehen, und ich will fr es sorgen wie eine Mutter." Der Mann sagte in der Angst alles zu, und als die Frau in Wochen kam, so erschien sogleich die Zauberin, gab dem Kinde den Namen R a p u n z e 1 und nahm es mit sich fort.  
Rapunzel ward das schnste Kind unter der Sonne. Als es zwlf Jahre alt war, schlo es die Zauberin in einen Turm, der in einem Walde lag und weder Treppe noch Tre hatte; nur ganz oben war ein kleines Fensterchen. Wenn die Zauberin hinein wollte, so stellte sie sich unten hin und rief:  
"Rapunzel, Rapunzel,  
La mir dein Haar herunter !"  
Rapunzel hatte lange, prchtige Haare, fein wie gesponnen Gold. Wenn sie nun die Stimme der Zauberin vernahm, so band sie ihre Zpfe los, wickelte sie oben um einen Fensterhaken, und dann fielen die Haare zwanzig Ellen tief herunter, und die Zauberin stieg daran hinauf.  
Nach ein paar Jahren trug es sich zu, da der Sohn des Knigs durch den Wald ritt und an dem Turm vorberkam. Da hrte er einen Gesang, der war so lieblich, da er stillhielt und horchte. Das war Rapunzel, die in ihrer Einsamkeit sich die Zeit damit vertrieb, ihre se Stimme erschallen zu lassen. Der Knigssohn wollte zu ihr hinaufsteigen und suchte nach einer Tre des Turms: aber es war keine zu finden. Er ritt heim. Doch der Gesang hatte ihm so sehr das Herz gerhrt, da er jeden Tag hinaus in den Wald ging und zuhrte. Als er einmal so hinter einem Baum stand, sah er, da eine Zauberin herankam, und hrte, wie sie hinaufrief:  
"Rapunzel, Rapunzel,  
La mir dein Haar herunter !"  
Da lie Rapunzel die Haarflechten herab, und die Zauberin stieg zu ihr hinauf. "Ist das die Leiter, auf welcher man hinaufkommt, so will ich auch einmal mein Glck versuchen." Und den folgenden Tag, als es anfing dunkel zu werden, ging er zu dem Turme und rief:  
"Rapunzel, Rapunzel,  
La mir dein Haar herunter !"  
Alsbald fielen die Haare herab, und der Knigssohn stieg hinauf.  
Anfangs erschrak Rapunzel gewaltig, als ein Mann zu ihr hereinkam, wie ihre Augen noch nie einen erblickt hatten. Doch der Knigssohn fing an, ganz freundlich mit ihr zu reden, und erzhlte ihr, da von ihrem Gesang sein Herz so sehr sei bewegt worden, da es ihm keine Ruhe gelassen und er sie selbst habe sehen mssen. Da verlor Rapunzel ihre Angst, und als er sie fragte, ob sie ihn zum Manne nehmen wollte, und sie sah, da er jung und schn war, so dachte sie: Der wird mich lieber haben als die alte Frau Gotel, und sagte "Ja", und legte ihre Hand in seine Hand. Sie sprach: "Ich will gerne mit dir gehen, aber ich wei nicht, wie ich herabkommen kann. Wenn du kommst, so bring jedesmal einen Strang Seide mit, daraus will ich eine Leiter flechten, und wenn die fertig ist, so steige ich herunter, und du nimmst mich auf dein Pferd." Sie verabredeten, da er bis dahin alle Abende zu ihr kommen sollte: Denn bei Tag kam die Alte. Die Zauberin merkte auch nichts davon, bis einmal Rapunzel anfing und zu ihr sagte: "Sag Sie mir doch, Frau Gotel, wie kommt es nur, Sie wird mir viel schwerer heraufzuziehen als den jungen Knigssohn, der ist in einem Augenblick bei mir ?" "Ach du gottloses Kind !" rief die Zauberin, "was mu ich von dir hren; ich dachte, ich hatte dich von aller Welt geschieden, und du hast mich doch betrogen !" In ihrem Zorn packte sie die schnen Haare der Rapunzel, schlug sie ein paarmal um ihre linke Hand, griff eine Schere mit der rechten, und, ritsch, ratsch, waren sie abgeschnitten, und die schnen Flechten lagen auf der Erde. Und sie war so unbarmherzig, da sie die arme Rapunzel in eine Wstenei brachte, wo sie in groem Jammer und Elend leben mute.  
Denselben Tag aber, wo sie Rapunzel verstoen hatte, machte abends die Zauberin die abgeschnittenen Flechten oben am Fensterhaken fest, und als der Knigssohn kam und rief:  
"Rapunzel, Rapunzel,  
La mir dein Haar herunter !"  
so lie sie die Haare hinab. Der Knigssohn stieg hinauf, aber er fand oben nicht seine liebste Rapunzel, sondern die Zauberin, die ihn mit bsen und giftigen Blicken ansah. "Aha", rief sie hhnisch, "du willst die Frau Liebste holen, aber der schne Vogel sitzt nicht mehr im Nest und singt nicht mehr, die Katze hat ihn geholt und wird dir auch noch die Augen auskratzen Fr dich ist Rapunzel verloren, du wirst sie nie wieder erblicken !" Der Knigssohn geriet auer sich vor Schmerzen, und in der Verzweiflung sprang er den Turm herab. Das Leben brachte er davon, aber die Dornen, in die er fiel, zerstachen ihm die Augen. Da irrte er blind im Wald umher, a nichts als Wurzeln und Beeren und tat nichts als jammern und weinen ber den Verlust seiner liebsten Frau. So wanderte er einige Jahre im Elend umher und geriet endlich in die Wstenei wo Rapunzel mit den Zwillingen, die sie geboren hatte, einem Knaben und einem Mdchen, kmmerlich lebte. Er vernahm eine Stimme, und sie deuchte ihm so bekannt. Da ging er darauf zu und wie er herankam, erkannte ihn Rapunzel und fiel ihm um den Hals und weinte. Zwei von ihren Trnen aber benetzten seine Augen, da wurden sie wieder klar, und er konnte damit sehen wie sonst. Er fhrte sie in sein Reich, wo er mit Freude empfangen ward, und sie lebten noch lange glcklich und vergngt.
\np#\ul#Rotkppchen\ul#

Es war einmal eine kleine se Dirne, die hatte jedermann lieb, der sie nur ansah, am allerliebsten aber ihre Gromutter, die wute gar nicht, was sie alles dem Kinde geben sollte. Einmal schenkte sie ihm ein Kppchen von rotem Sammet, und weil ihm das so wohl stand und es nichts anders mehr tragen wollte, hie es nur das Rotkppchen. Eines Tages sprach seine Mutter zu ihm: Komm, Rotkppchen, da hast du ein Stck Kuchen und eine Flasche Wein, bring das der Gromutter hinaus; sie ist krank und schwach und wird sich daran laben. Mach dich auf, bevor es hei wird, und wenn du hinauskommst, so geh hbsch sittsam und lauf nicht vom Weg ab, sonst fllst du und zerbrichst das Glas, und die Gromutter hat nichts. Und wenn du in ihre Stube kommst, so vergi nicht, guten Morgen zu sagen, und guck nicht erst in alle Ecken herum.  
Ich will schon alles gut machen, sagte Rotkppchen zur Mutter und gab ihr die Hand darauf. Die Gromutter aber wohnte drauen im Wald, eine halbe Stunde vom Dorf. Wie nun Rotkppchen in den Wald kam, begegnete ihm der Wolf. Rotkppchen aber wute nicht, was das fr ein bses Tier war, und frchtete sich nicht vor ihm. Guten Tag, Rotkppchen, sprach er. Schnen Dank, Wolf. Wo hinaus so frh, Rotkppchen? Zur Gromutter. Was trgst du unter der Schrze? Kuchen und Wein: gestern haben wir gebacken, da soll sich die kranke und schwache Gromutter etwas zugut tun und sich damit strken. Rotkppchen, wo wohnt deine Gromutter? Noch eine gute Viertelstunde weiter im Wald, unter den drei groen Eichbumen, da steht ihr Haus, unten sind die Nuhecken, das wirst du ja wissen, sagte Rotkppchen. Der Wolf dachte bei sich: Das junge zarte Ding, das ist ein fetter Bissen, der wird noch besser schmecken als die Alte: du mut es listig anfangen, damit du beide erschnappst. Da ging er ein Weilchen neben Rotkppchen her, dann sprach er: Rotkppchen, sieh einmal die schnen Blumen, die ringsumher stehen, warum guckst du dich nicht um? Ich glaube, du hrst gar nicht, wie die Vglein so lieblich singen? Du gehst ja fr dich hin, als wenn du zur Schule gingst, und ist so lustig hauen in dem Wald.  
Rotkppchen schlug die Augen aut, und als es sah, wie die Sonnenstrahlen durch die Bume hin und her tanzten und alles voll schner Blumen stand, dachte es: Wenn ich der Gromutter einen frischen Strau mitbringe, der wird ihr auch Freude machen; es ist so frh am Tag, da ich doch zu rechter Zeit ankomme, lief vom Wege ab in den Wald hinein und suchte Blumen. Und wenn es eine gebrochen hatte, meinte es, weiter hinaus stnde eine schnere, und lief darnach, und geriet immer tiefer in den Wald hinein. Der Wolf aber ging geradeswegs nach dem Haus der Gromutter und klopfte an die Tre. Wer ist drauen? Rotkppchen, das bringt Kuchen und Wein, mach auf. Drck nur auf die Klinke, rief die Gromutter, ich bin zu schwach und kann nicht aufstehen.  Der Wolf drckte auf die Klinke, die Tre sprang auf, und er ging, ohne ein Wort zu sprechen, gerade zum Bett der Gromutter und verschluckte sie. Dann tat er ihre Kleider an, setzte ihre Haube auf, legte sich in ihr Bett und zog die Vorhnge vor.  
Rotkppchen aber war nach den Blumen herumgelaufen, und als es so viel zusammen hatte, da es keine mehr tragen konnte, fiel ihm die Gromutter wieder ein, und es machte sich auf den Weg zu ihr. Es wunderte sich, da die Tre aufstand, und wie es in die Stube trat, so kam es ihm so seltsam darin vor, da es dachte: Ei, du mein Gott, wie ngstlich wird mir's heute zumut, und bin sonst so gerne bei der Gromutter! Es rief Guten Morgen, bekam aber keine Antwort. Darauf ging es zum Bett und zog die Vorhnge zurck: da lag die Gromutter und hatte die Haube tief ins Gesicht gesetzt und sah so wunderlich aus. Ei, Gromutter, was hast du fr groe Ohren! Da ich dich besser hren kann. Ei, Gromutter, was hast du fr groe Augen! Da ich dich besser sehen kann. Ei, Gromutter, was hast du fr groe Hnde Da ich dich besser packen kann. Aber, Gromutter, was hast du fr ein entsetzlich groes Maul! Da ich dich besser fressen kann. Kaum hatte der Wolf das gesagt, so tat er einen Satz aus dem Bette und verschlang das arme Rotkppchen.  
Wie der Wolf sein Gelsten gestillt hatte, legte er sich wieder ins Bett, schlief ein und fing an, berlaut zu schnarchen. Der Jger ging eben an dem Haus vorbei und dachte: Wie die alte Frau schnarcht, du mut doch sehen, ob ihr etwas fehlt.  Da trat er in die Stube, und wie er vor das Bette kam, so sah er, da der Wolf darin lag. Finde ich dich hier, du alter Snder, sagte er, ich habe dich lange gesucht.  Nun wollte er seine Bchse anlegen, da fiel ihm ein, der Wolf knnte die Gromutter gefressen haben und sie wre noch zu retten: scho nicht, sondern nahm eine Schere und fing an, dem schlafenden Wolf den Bauch aufzuschneiden. Wie er ein paar Schnitte getan hatte, da sah er das rote Kppchen leuchten, und noch ein paar Schnitte, da sprang das Mdchen heraus und rief: Ach, wie war ich erschrocken, wie war's so dunkel in dem Wolf seinem Leib! Und dann kam die alte Gromutter auch noch lebendig heraus und konnte kaum atmen. Rotkppchen aber holte geschwind groe Steine, damit fllten sie dem Wolf den Leib, und wie er aufwachte, wollte er fortspringen, aber die Steine waren so schwer, da er gleich niedersank und sich totfiel.  
Da waren alle drei vergngt; der Jger zog dem Wolf den Pelz ab und ging damit heim, die Gromutter a den Kuchen und trank den Wein, den Rotkppchen gebracht hatte, und erholte sich wieder, Rotkppchen aber dachte: Du willst dein Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir's die Mutter verboten hat.  
Es wird auch erzhlt, da einmal, als Rotkppchen der alten Gromutter wieder Gebackenes brachte, ein anderer Wolf ihm zugesprochen und es vom Wege habe ableiten wollen. Rotkppchen aber htete sich und ging gerade fort seines Wegs und sagte der Gromutter, da es dem Wolf begegnet wre, der ihm guten Tag gewnscht, aber so bs aus den Augen geguckt htte: Wenn's nicht auf offner Strae gewesen wre, er htte mich gefressen. Komm, sagte die Gromutter, wir wollen die Tre verschlieen, da er nicht herein kann. Bald darnach klopfte der Wolf an und rief: Mach auf, Gromutter, ich bin das Rotkppchen, ich bring dir Gebackenes. Sie schwiegen aber still und machten die Tre nicht auf: da schlich der Graukopf etlichemal um das Haus, sprang endlich aufs Dach und wollte warten, bis Rotkppchen abends nach Haus ginge, dann wollte er ihm nachschleichen und wollt's in der Dunkelheit fressen. Aber die Gromutter merkte, was er im Sinn hatte. Nun stand vor dem Haus ein groer Steintrog, da sprach sie zu dem Kind: Nimm den Eimer, Rotkppchen, gestern hab ich Wrste gekocht, da trag das Wasser, worin sie gekocht sind, in den Trog. Rotkppchen trug so lange, bis der groe, groe Trog ganz voll war. Da stieg der Geruch von den Wrsten dem Wolf in die Nase, er schnupperte und guckte hinab, endlich machte er den Hals so lang, da er sich nicht mehr halten konnte und anfing zu rutschen: so ruschte er vom Dach herab, gerade in den groen Trog hinein, und ertrank. Rotkppchen aber ging frhlich nach Haus, und tat ihm niemand etwas zuleid. 
\np#\ul#Rumpelstilzchen\ul#

Es war einmal ein Mller, der war arm, aber er hatte eine schne Tochter. Nun traf es sich, da er mit dem Knig zu sprechen kam, und zu ihm sagte "ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen". Dem Knig, der das Gold lieb hatte, gefiel die Kunst gar wohl, und er befahl die Mllerstochter sollte alsbald vor ihn gebracht werden. Dann fhrte er sie in eine Kammer, die ganz voll Stroh war, gab ihr Rad und Haspel, und sprach "wenn du diese Nacht durch bis morgen frh dieses Stroh nicht zu Gold versponnen hast, so mut du sterben". Darauf ward die Kammer verschlossen, und sie blieb allein darin.  
Da sa nun die arme Mllerstochter, und wute um ihr Leben keinen Rat, denn sie verstand gar nichts davon, wie das Stroh zu Gold zu spinnen war, und ihre Angst ward immer grer, da sie endlich zu weinen anfing. Da ging auf einmal die Tre auf, und trat ein kleines Mnnchen herein und sprach "guten Abend, Jungfer Mllerin, warum weint sie so sehr?" "Ach", antwortete das Mdchen, "ich soll Stroh zu Gold spinnen, und verstehe das nicht." Sprach das Mnnchen "was gibst du mir, wenn ich dirs spinne?" "Mein Halsband" sagte das Mdchen. Das Mnnchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rdchen, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war die Spule voll. Dann steckte es eine andere auf, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war auch die zweite voll: und so gings fort bis zum Morgen, da war alles Stroh versponnen, und alle Spulen waren voll Gold. Als der Knig kam und nachsah, da erstaunte er und freute sich, aber sein Herz wurde nur noch begieriger, und er lie die Mllerstochter in eine andere Kammer voll Stroh bringen, die noch viel grer war, und befahl ihr das auch in einer Nacht zu spinnen, wenn ihr das Leben lieb wre. Das Mdchen wute sich nicht zu helfen und weinte, da ging abermals die Tre auf, und das kleine Mnnchen kam und sprach "was gibst du mir wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?<~ "Meinen Ring von dem Finger" antwortete das Mdchen. Das Mnnchen nahm den Ring, und fing wieder an zu schnurren mit dem Rade, und hatte bis zum Morgen alles Stroh zu glnzendem Gold gesponnen. Der Knig freute sich ber die Maen bei dem Anblick, war aber noch immer nicht Goldes satt, sondern lie die Mllerstochter in eine noch grere Kammer voll Stroh bringen und sprach "die mut du noch in dieser Nacht verspinnen; wenn dir das gelingt, sollst du meine Gemahlin werden". "Denn", dachte er, "eine reichere Frau kannst du auf der Welt nicht haben." Als das Mdchen allein war, kam das Mnnlein zum drittenmal wieder, und sprach was gibst du mir, wenn ich dir noch diesmal das Stroh spinne?" "Ich habe nichts mehr, das ich geben knnte" antwortete das Mdchen. "So versprich mir, wann du Knigin wirst, dein erstes Kind." "Wer wei wie das noch geht" dachte die Mllerstochter, und wute sich auch in der Not nicht anders zu helfen, und versprach dem Mnnchen was es verlangte; dafr spann das Mnnchen noch einmal das Stroh zu Gold. Und als am Morgen der Knig kam, und alles fand wie er gewnscht hatte, so hielt er Hochzeit mit ihr, und die schne Mllerstochter ward eine Knigin.  
ber ein Jahr brachte sie ein schnes Kind zur Welt, und dachte gar nicht mehr an das Mnnchen, da trat es in ihre Kammer und sprach "nun gib mir, was du versprochen hast". Die Knigin erschrak, und bot dem Mnnchen alle Reichtmer des Knigreichs an, wenn es ihr das Kind lassen wollte, aber das Mnnchen sprach nein, etwas Lebendes ist mir lieber als alle Schtze der Welt~. Da fing die Knigin so an zu jammern und zu weinen, da das Mnnchen Mitleiden mit ihr hatte, und sprach "drei Tage will ich dir Zeit lassen, wenn du bis dahin meinen Namen weit, so sollst du dein Kind behalten".  
Nun dachte die Knigin die ganze Nacht ber an alle Namen, die sie jemals gehrt hatte, und schickte einen Boten ber Land, der sollte sich erkundigen weit und breit nach neuen Namen. Als am andern Tag das Mnnchen kam, fing sie an mit Caspar, Melchior, Balzer, und sagte alle Namen, die sie wute, nach der Reihe her, aber bei jedem sprach das Mnnlein "so hei ich nicht" Den zweiten Tag lie sie herumfragen bei allen Leuten, und sagte dem Mnnlein die ungewhnlichsten und seltsamsten vor, Rippenbiest, Hammelswade, Schnrbein, aber es blieb dabei "so hei ich nicht" Den dritten Tag kam der Bote wieder zurck, und erzhlte "neue Namen habe ich keinen einzigen finden knnen, aber wie ich an einen hohen Burg um die Waldecke kam, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen, so sah ich da ein kleines Haus, und vor dem Haus brannte ein Feuer, und um das Feuer sprang ein gar zu lcherliches Mnnchen, hpfte auf einem Bein, und schrie  
"heute back ich, morgen brau ich,  
bermorgen hol ich der Knigin ihr Kind;  
ach, wie gut ist da niemand wei  
da ich Rumpelstilzchen hei!"  
Da war die Knigin ganz froh da sie den Namen wute, und als bald hernach das Mnnlein kam, und sprach "nun, Frau Knigin, wie hei ich?" fragte sie erst "heiest du Kunz?" "Nein." "Heiest du Heinz?" "Nein."  
"Heit du etwa Rumpelstilzchen?"  
"Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt" schrie das Mnnlein, und stie mit dem rechten Fu vor Zorn so tief in die Erde da es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fu mit beiden Hnden, und ri sich selbst mitten entzwei.  
\np#\ul#Schneeweichen und Rosenrot\ul#

Eine arme Witwe, die lebte einsam in einem Httchen, und vor dem Httchen war ein Garten, darin standen zwei Rosenbumchen, davon trug das eine weie, das andere rote Rosen; und sie hatte zwei Kinder, die glichen den beiden Rosenbumchen, und das eine hie Schneeweichen, das andere Rosenrot. Sie waren aber so fromm und gut, so arbeitsam und unverdrossen, als je zwei Kinder auf der Welt gewesen sind: Schneeweichen war nur stiller und sanfter als Rosenrot. Rosenrot sprang lieber in den Wiesen und Feldern umher, suchte Blumen und fing Sommervgel; Schneeweichen aber sa daheim bei der Mutter, half ihr im Hauswesen oder las ihr vor, wenn nichts zu tun war. Die beiden Kinder hatten einander so lieb, da sie sich immer an den Hnden faten, sooft sie zusammen ausgingen; und wenn Schneeweichen sagte: Wir wollen uns nicht verlassen, so antwortete Rosenrot: Solange wir leben, nicht, und die Mutter setzte hinzu: Was das eine hat, soll's mit dem andern teilen. Oft liefen sie im Walde allein umher und sammelten rote Beeren, aber kein Tier tat ihnen etwas zuleid, sondern sie kamen vertraulich herbei: das Hschen fra ein Kohlblatt aus ihren Hnden, das Reh graste an ihrer Seite, der Hirsch sprang ganz lustig vorbei, und die Vgel blieben auf den sten sitzen und sangen, was sie nur wuten. Kein Unfall traf sie - wenn sie sich im Walde versptet hatten und die Nacht sie berfiel, so legten sie sich nebeneinander auf das Moos und schliefen, bis der Morgen kam, und die Mutter wute das und hatte ihrentwegen keine Sorge. Einmal, als sie im Walde bernachtet hatten und das Morgenrot sie aufweckte, da sahen sie ein schnes Kind in einem weien, glnzenden Kleidchen neben ihrem Lager sitzen. Es stand auf und blickte sie ganz freundlich an, sprach aber nichts und ging in den Wald hinein. Und als sie sich umsahen, so hatten sie ganz nahe bei einem Abgrunde geschlafen und wren gewi hineingefallen, wenn sie in der Dunkelheit noch ein paar Schritte weitergegangen wren. Die Mutter aber sagte ihnen, das mte der Engel gewesen sein, der gute Kinder bewache.  
Schneeweichen und Rosenrot hielten das Httchen der Mutter so reinlich, da es eine Freude war hineinzuschauen. Im Sommer besorgte Rosenrot das Haus und stellte der Mutter jeden Morgen, ehe sie aufwachte, einen Blumenstrau vors Bett, darin war von jedem Bumchen eine Rose. Im Winter zndete Schneeweichen das Feuer an und hing den Kessel an den Feuerhaken, und der Kessel war von Messing, glnzte aber wie Gold, so rein war er gescheuert. Abends, wenn die Flocken fielen, sagte die Mutter: Geh, Schneeweichen, und schieb den Riegel vor, und dann setzten sie sich an den Herd, und die Mutter nahm die Brille und las aus einem groen Buche vor und die beiden Mdchen hrten zu, saen und spannen; neben ihnen lag ein Lmmchen auf dem Boden, und hinter ihnen auf einer Stange sa ein weies Tubchen und hatte seinen Kopf unter den Flgel gesteckt.  
Eines Abends, als sie so vertraulich beisammensaen, klopfte jemand an die Tre, als wollte er eingelassen sein. Die Mutter sprach: Geschwind, Rosenrot, mach auf, es wird ein Wanderer sein, der Obdach sucht. Rosenrot ging und schob den Riegel weg und dachte, es wre ein armer Mann, aber der war es nicht, es war ein Br, der seinen dicken schwarzen Kopf zur Tre hereinstreckte. Rosenrot schrie laut und sprang zurck: das Lmmchen blkte, das Tubchen flatterte auf, und Schneeweichen versteckte sich hinter der Mutter Bett. Der Br aber fing an zu sprechen und sagte: Frchtet euch nicht, ich tue euch nichts zuleid, ich bin halb erfroren und will mich nur ein wenig bei euch wrmen. Du armer Br, sprach die Mutter, leg dich ans Feuer und gib nur acht, da dir dein Pelz nicht brennt. Dann rief sie: Schneeweichen, Rosenrot, kommt hervor, der Br tut euch nichts, er meint's ehrlich. Da kamen sie beide heran, und nach und nach nherten sich auch das Lmmchen und Tubchen und hatten keine Furcht vor ihm. Der Br sprach: Ihr Kinder, klopft mir den Schnee ein wenig aus dem Pelzwerk, und sie holten den Besen und kehrten dem Br das Fell rein; er aber streckte sich ans Feuer und brummte ganz vergngt und behaglich. Nicht lange, so wurden sie ganz vertraut und trieben Mutwillen mit dem unbeholfenen Gast. Sie zausten ihm das Fell mit den Hnden, setzten ihre Fchen auf seinen Rcken und walgerten ihn hin und her, oder sie nahmen eine Haselrute und schlugen auf ihn los, und wenn er brummte, so lachten sie. Der Br lie sich's aber gerne gefallen, nur wenn sie's gar zu arg machten, rief er: Lat mich am Leben, ihr Kinder.  

Schneeweichen, Rosenrot,  schlgst dir den Freier tot.  

Als Schlafenszeit war und die andern zu Bett gingen, sagte die Mutter zu dem Br: Du  
kannst in Gottes Namen da am Herde liegenbleiben, so bist du vor der Klte und dem  
bsen Wetter geschtzt. Sobald der Tag graute, lieen ihn die beiden Kinder hinaus,  
und er trabte ber den Schnee in den Wald hinein.  Von nun an kam der Br jeden Abend  
zu der bestimmten Stunde, legte sich an den Herd und erlaubte den Kindern, Kurzweil  
mit ihm zu treiben, soviel sie wollten; und sie waren so gewhnt an ihn, da die Tre  
nicht eher zugeriegelt ward, als bis der schwarze Gesell angelangt war.  
  

Als das Frhjahr herangekommen und drauen alles grn war, sagte der Br eines  
Morgens zu Schneeweichen: Nun mu ich fort und darf den ganzen Sommer nicht  
wiederkommen. Wo gehst du denn hin, lieber Br? fragte Schneeweichen. Ich mu  
in den Wald und meine Schtze vor den bsen Zwergen hten: im Winter, wenn die Erde  
hartgefroren ist, mssen sie wohl unten bleiben und knnen sich nicht durcharbeiten, aber  
jetzt, wenn die Sonne die Erde aufgetaut und erwrmt hat, da brechen sie durch, steigen  
herauf, suchen und stehlen; was einmal in ihren Hnden ist und in ihren Hhlen liegt, das  
kommt so leicht nicht wieder an des Tages Licht. Schneeweichen war ganz traurig  
ber den Abschied, und als es ihm die Tre aufriegelte und der Br sich hinausdrngte,  
blieb er an dem Trhaken hngen, und ein Stck seiner Haut ri auf, und da war es  
Schneeweichen, als htte es Gold durchschimmern gesehen; aber es war seiner Sache  
nicht gewi.  Der Br lief eilig fort und war bald hinter den Bumen verschwunden.  
  

Nach einiger Zeit schickte die Mutter die Kinder in den Wald, Reisig zu sammeln.  Da  
fanden sie drauen einen groen Baum, der lag gefllt auf dem Boden, und an dem  
Stamme sprang zwischen dem Gras etwas auf und ab, sie konnten aber nicht  
unterscheiden, was es war.  Als sie nher kamen, sahen sie einen Zwerg mit einem alten,  
verwelkten Gesicht und einem ellenlangen, schneeweien Bart.  Das Ende des Bartes  
war in eine Spalte des Baums eingeklemmt, und der Kleine sprang hin und her wie ein  
Hndchen an einem Seil und wute nicht, wie er sich helfen sollte.  Er glotzte die  
Mdchen mit seinen roten feurigen Augen an und schrie. Was steht ihr da!  Knnt ihr  
nicht herbeigehen und mir Beistand leisten? Was hast du angefangen, kleines  
Mnnchen? fragte Rosenrot. Dumme, neugierige Gans, antwortete der Zwerg, den  
Baum habe ich mir spalten wollen, um kleines Holz in der Kche zu haben; bei den  
dicken Kltzen verbrennt gleich das bichen Speise, das unsereiner braucht, der nicht so  
viel hinunterschlingt als ihr grobes, gieriges Volk. Ich hatte den Keil schon glcklich  
hineingetrieben, und es wre alles nach Wunsch gegangen, aber das verwnschte Holz  
war zu glatt und sprang unversehens heraus, und der Baum fuhr so geschwind  
zusammen, da ich meinen schnen weien Bart nicht mehr herausziehen konnte; nun  
steckt er drin, und ich kann nicht fort.  Da lachen die albernen glatten Milchgesichter!  
Pfui, was seid ihr garstig! Die Kinder gaben sich alle Mhe, aber sie konnten den Bart  
nicht herausziehen, er steckte zu fest. Ich will laufen und Leute herbeiholen, sagte  
Rosenrot. Wahnsinnige Schafskpfe, schnarrte der Zwerg, wer wird gleich Leute  
herbeirufen, ihr seid mir schon um zwei zu viel; fllt euch nicht Besseres ein? Sei nur  
nicht ungeduldig, sagte Schneeweichen, ich will schon Rat schaffen, holte sein  
Scherchen aus der Tasche und schnitt das Ende des Bartes ab.  Sobald der Zwerg sich  
frei fhlte, griff er nach einem Sack, der zwischen den Wurzeln des Baums steckte und  
mit Gold gefllt war, hob ihn heraus und brummte vor sich hin: Ungehobeltes Volk,  
schneidet mir ein Stck von meinem stolzen Barte ab!  Lohn's euch der Guckuck!  
Damit schwang er seinen Sack auf den Rcken und ging fort, ohne die Kinder nur noch  
einmal anzusehen.  
  

Einige Zeit danach wollten Schneeweichen und Rosenrot ein Gericht Fische angeln.  
Als sie nahe bei dem Bach waren, sahen sie, da etwas wie eine groe Heuschrecke nach  
dem Wasser zuhpfte, als wollte es hineinspringen.  Sie liefen heran und erkannten den  
Zwerg. Wo willst du hin? sagte Rosenrot, du willst doch nicht ins Wasser? Solch  
ein Narr bin ich nicht, schrie der Zwerg, seht ihr nicht, der verwnschte Fisch will mich  
hineinziehen? Der Kleine hatte dagesessen und geangelt, und unglcklicherweise hatte  
der Wind seinen Bart mit der Angelschnur verflochten; als gleich darauf ein groer Fisch  
anbi, fehlten dem schwachen Geschpf die Krfte, ihn herauszuziehen: der Fisch behielt  
die Oberhand und ri den Zwerg zu sich hin.  Zwar hielt er sich an allen Halmen und  
Binsen, aber das half nicht viel, er mute den Bewegungen des Fisches folgen und war in  
bestndiger Gefahr, ins Wasser gezogen zu werden.  Die Mdchen kamen zu rechter  
Zeit, hielten ihn fest und versuchten, den Bart von der Schnur loszumachen, aber  
vergebens, Bart und Schnur waren fest ineinander verwirrt.  Es blieb nichts brig, als das  
Scherchen hervorzuholen und den Bart abzuschneiden, wobei ein kleiner Teil desselben  
verlorenging.  Als der Zwerg das sah, schrie er sie an: Ist das Manier, ihr Lorche, einem  
das Gesicht zu schnden?  Nicht genug, da ihr mir den Bart unten abgestutzt habt, jetzt  
schneidet ihr mir den besten Teil davon ab: ich darf mich vor den Meinigen gar nicht  
sehen lassen.  Da ihr laufen mtet und die Schuhsohlen verloren httet! Dann holte er  
einen Sack Perlen, der im Schilfe lag, und ohne ein Wort weiter zu sagen, schleppte er  
ihn fort und verschwand hinter einem Stein.  
  

Es trug sich zu, da bald hernach die Mutter die beiden Mdchen nach der Stadt  
schickte, Zwirn, Nadeln, Schnre und Bnder einzukaufen.  Der Weg fhrte sie ber eine  
Heide, auf der hier und da mchtige Felsenstcke zerstreut lagen.  Da sahen sie einen  
groen Vogel in der Luft schweben, der langsam ber ihnen kreiste, sich immer tiefer  
herabsenkte und endlich nicht weit bei einem Felsen niederstie.  Gleich darauf hrten sie  
einen durchdringenden, jmmerlichen Schrei.  Sie liefen herzu und sahen mit Schrecken,  
da der Adler ihren alten Bekannten, den Zwerg, gepackt hatte und ihn forttragen wollte.  
Die mitleidigen Kinder hielten gleich das Mnnchen fest und zerrten sich so lange mit  
dem Adler herum, bis er seine Beute fahrenlie.  Als der Zwerg sich von dem ersten  
Schrecken erholt hatte, schrie er mit einer kreischenden Stimme: Konntet ihr nicht  
suberlicher mit mir umgehen?  Gerissen habt ihr an meinem dnnen Rckchen, da es  
berall zerfetzt und durchlchert ist, unbeholfenes und lppisches Gesindel, das ihr seid!  
Dann nahm er einen Sack mit Edelsteinen und schlpfte wieder unter den Felsen in seine  
Hhle.  Die Mdchen waren an seinen Undank schon gewhnt, setzten ihren Weg fort  
und verrichteten ihr Geschft in der Stadt.  Als sie beim Heimweg wieder auf die Heide  
kamen, berraschten sie den Zwerg, der auf einem reinlichen Pltzchen seinen Sack mit  
Edelsteinen ausgeschttet und nicht gedacht hatte, da so spt noch jemand  
daherkommen wrde.  Die Abendsonne schien ber die glnzenden Steine, sie  
schimmerten und leuchteten so prchtig in allen Farben, da die Kinder stehenblieben  
und sie betrachteten. Was steht ihr da und habt Maulaffen feil! schrie der Zwerg, und  
sein aschgraues Gesicht ward zinnoberrot vor Zorn.  Er wollte mit seinen Scheltworten  
fortfahren, als sich ein lautes Brummen hren lie und ein schwarzer Br aus dem Walde  
herbeitrabte.  Erschrocken sprang der Zwerg auf, aber er konnte nicht mehr zu seinem  
Schlupfwinkel gelangen, der Br war schon in seiner Nhe.  Da rief er in Herzensangst:  
Lieber Herr Br, verschont mich, ich will Euch alle meine Schtze geben, sehet, die  
schnen Edelsteine, die da liegen.  Schenkt mir das Leben, was habt Ihr an mir kleinen,  
schmchtigen Kerl?  Ihr sprt mich nicht zwischen den Zhnen; da, die beiden gottlosen  
Mdchen packt, das sind fr Euch zarte Bissen, fett wie junge Wachteln, die fret in  
Gottes Namen. Der Br kmmerte sich um seine Worte nicht, gab dem boshaften  
Geschpf einen einzigen Schlag mit der Tatze, und es regte sich nicht mehr.  
  

Die Mdchen waren fortgesprungen, aber der Br rief ihnen nach: Schneeweichen  
und Rosenrot, frchtet euch nicht, wartet, ich will mit euch gehen. Da erkannten sie  
seine Stimme und blieben stehen, und als der Br bei ihnen war, fiel pltzlich die  
Brenhaut ab, und er stand da als ein schner Mann und war ganz in Gold gekleidet. Ich  
bin eines Knigs Sohn, sprach er, und war von dem gottlosen Zwerg, der mir meine  
Schtze gestohlen hatte, verwnscht, als ein wilder Br in dem Walde zu laufen, bis ich  
durch seinen Tod erlst wrde. Jetzt hat er seine wohlverdiente Strafe empfangen.  
  

Schneeweichen ward mit ihm vermhlt und Rosenrot mit seinem Bruder, und sie  
teilten die groen Schtze miteinander, die der Zwerg in seiner Hhle zusammengetragen  
hatte.  Die alte Mutter lebte noch lange Jahre ruhig und glcklich bei ihren Kindern.  Die  
zwei Rosenbumchen aber nahm sie mit, und sie standen vor ihrem Fenster und trugen  
jedes Jahr die schnsten Rosen, wei und rot. 
\np#\ul#Schneewittchen\ul#

Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab. Da sa eine Knigin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nhte. Und wie sie so nhte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weien Schnee so schn aussah, dachte sie bei sich: Htt' ich ein Kind, so wei wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen ! Bald darauf bekam sie ein Tchterlein, das war so wei wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz und ward darum Schneewittchen (Schneeweichen) genannt. Und wie das Kind geboren war, starb die Knigin. ber ein Jahr nahm sich der Knig eine andere Gemahlin. Es war eine schne Frau, aber sie war stolz und bermtig und konnte nicht leiden, da sie an Schnheit von jemand sollte bertroffen werden. Sie hatte einen wunderbaren Spiegel wenn sie vor den trat und sich darin beschaute, sprach sie:  
".Spieglein, Spieglein an der Wand,  
Wer ist die Schnste im ganzen Land ?  
so antwortete der Spiegel:  
"Frau Knigin, Ihr seid die Schnste im Land."  
Da war sie zufrieden, denn sie wute, da der Spiegel die Wahrheit sagte. Schneewittchen aber wuchs heran und wurde immer schner, und als es sieben Jahre alt war, war es so schn, wie der klare Tag und schner als die Knigin selbst. Als diese einmal ihren Spiegel fragte:  
"Spieglein, Spieglein an der Wand,  
Wer ist die Schnste im ganzen Land ?"  
so antwortete er:  
"Frau Knigin, Ihr seid die Schnste hier,  
Aber Schneewittchen ist tausendmal schner als Ihr."  
Da erschrak die Knigin und ward gelb und grn vor Neid. Von Stund an, wenn sie Schneewittchen erblickte, kehrte sich ihr das Herz im Leibe herum. so hate sie das Mdchen. Und der Neid und Hochmut wuchsen wie ein Unkraut in ihrem Herzen immer hher, da sie Tag und Nacht keine Ruhe mehr hatte. Da rief sie einen Jger und sprach: "Bring das Kind hinaus in den Wald, ich will's nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du sollst es tten und mir Lunge und Leber zum Wahrzeichen mitbringen." Der Jger gehorchte und fhrte es hinaus, und als er den Hirschfnger gezogen hatte und Schneewittchens unschuldiges Herz durchbohren wollte, fing es an zu weinen und sprach: "Ach, lieber Jger, la mir mein Leben ! Ich will in den wilden Wald laufen und nimmermehr wieder heimkommen." Und weil es gar so schn war, hatte der Jger Mitleiden und sprach: "So lauf hin, du armes Kind !" Die wilden Tiere werden dich bald gefressen haben, dachte er, und doch war's ihm, als wre ein Stein von seinem Herzen gewlzt, weil er es nicht zu tten brauchte. Und als gerade ein junger Frischling dahergesprungen kam, stach er ihn ab, nahm Lunge und Leber heraus und brachte sie als Wahrzeichen der Knigin mit. Der Koch mute sie in Salz kochen, und das boshafte Weib a sie auf und meinte, sie htte Schneewittchens Lunge und Leber gegessen.  
Nun war das arme Kind in dem groen Wald mutterseelenallein, und ward ihm so angst, da es alle Bltter an den Bumen ansah und nicht wute, wie es sich helfen sollte. Da fing es an zu laufen und lief ber die spitzen Steine und durch die Dornen, und die wilden Tiere sprangen an ihm vorbei, aber sie taten ihm nichts. Es lief, so lange nur die Fe noch fortkonnten, bis es bald Abend werden wollte. Da sah es ein kleines Huschen und ging hinein, sich zu ruhen. In dem Huschen war alles klein, aber so zierlich und reinlich, da es nicht zu sagen ist. Da stand ein weigedecktes Tischlein mit sieben kleinen Tellern, jedes Tellerlein mit seinem Lffelein, ferner sieben Messerlein und Gblelein und sieben Becherlein. An der Wand waren sieben Bettlein nebeneinander aufgestellt und schneeweie Laken darber gedeckt. Schneewittchen, weil es so hungrig und durstig war, a von jedem Tellerlein ein wenig Gems' und Brot und trank aus jedem Becherlein einen Tropfen Wein; denn es wollte nicht einem alles wegnehmen. Hernach, weil es so mde war, legte es sich in ein Bettchen, aber keins pate; das eine war zu lang, das andere zu kurz, bis endlich das siebente recht war; und darin blieb es liegen, befahl sich Gott und schlief ein.  
Als es ganz dunkel geworden war, kamen die Herren von dem Huslein, das waren die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz hackten und gruben. Sie zndeten ihre sieben Lichtlein an, und wie es nun hell im Huslein ward, sahen sie, da jemand darin gesessen war, denn es stand nicht alles so in der Ordnung, wie sie es verlassen hatten. Der erste sprach: "Wer hat auf meinem Sthlchen gesessen?' Der zweite: "Wer hat von meinem Tellerchen gegessen ?" Der dritte: "Wer hat von meinem Brtchen genommen ?" Der vierte: "Wer hat von meinem Gemschen gegessen ?" Der fnfte: "Wer hat mit meinem Gbelchen gestochen ?" Der sechste: "Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten ?" Der siebente: "Wer hat aus meinem Becherlein Getrunken ?" Dann sah sich der erste um und sah, da auf seinem Bett eine kleine Delle war, da sprach er: "Wer hat in mein Bettchen getreten ?" Die anderen kamen gelaufen und riefen: "In meinem hat auch jemand Gelegen !" Der siebente aber, als er in sein Bett sah, erblickte Schneewittchen, das lag darin und schlief. Nun rief er die andern, die kamen herbeigelaufen und schrien vor Verwunderung, holten ihre sieben Lichtlein und beleuchteten Schneewittchen. "Ei, du mein Gott! Ei, du mein Gott!" riefen sie, "was ist das Kind so schn !" Und hatten so groe Freude, da sie es nicht aufweckten, sondern im Bettlein fortschlafen lieen. Der siebente Zwerg aber schlief bei seinen Gesellen, bei jedem eine Stunde, da war die Nacht herum. Als es Morgen war, erwachte Schneewittchen, und wie es die sieben Zwerge sah, erschrak es. Sie waren aber freundlich und fragten: "Wie heit du ?" "Ich heie Schneewittchen", antwortete es. "Wie bist du in unser Haus gekommen ?" sprachen weiter die Zwerge. Da erzhlte es ihnen, da seine Stiefmutter es htte wollen umbringen lassen, der Jger htte ihm aber das Leben geschenkt, und da wr' es gelaufen den ganzen Tag, bis es endlich ihr Huslein gefunden htte. Die Zwerge sprachen: "Willst du unsern Haushalt versehen, kochen, betten, waschen, nhen und stricken, und willst du alles ordentlich und reinlich halten, so kannst du bei uns bleiben, und es soll dir an nichts fehlen." "Jaa, sagte Schneewittchen, "von Herzen gern !" und blieb bei ihnen. Es hielt ihnen das Haus in Ordnung. Morgens gingen sie in die Berge und suchten Erz und Gold, abends kamen sie wieder, und da mute ihr Essen bereit sein. Den ganzen Tag ber war das Mdchen allein; da warnten es die guten Zwerglein und sprachen: "Hte dich vor deiner Stiefmutter, die wird bald wissen, da du hier bist; la ja niemand herein ! Die Knigin aber, nachdem sie Schneewittchens Lunge und Leber glaubte gegessen zu haben, dachte nicht anders, als sie wre wieder die Erste und Allerschnste, trat vor ihren Spiegel und sprach:  
"Spieglein, Spieglein. an der Wand,  
Wer ist die Schnste im ganzen Land ?"  
Da antwortete der Spiegel:  
"Frau Knigin, Ihr seid die Schnste hier,  
Aber Schneewittchen ber den Bergen  
Bei den sieben Zwergen  
Ist noch tausendmal schner als Ihr."  
Da erschrak sie, denn sie wute, da der Spiegel keine Unwahrheit sprach, und merkte, da der Jger sie betrogen hatte und Schneewittchen noch am Leben war. Und da sann und sann sie aufs neue, wie sie es umbringen wollte; denn so lange sie nicht die Schnste war im ganzen Land, lie ihr der Neid keine Ruhe. Und als sie sich endlich etwas ausgedacht hatte, frbte sie sich das Gesicht und kleidete sich wie eine alte Krmerin und war ganz unkenntlich. In dieser Gestalt ging sie ber die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Tre und rief: "Schne Ware feil ! feil!" Schneewittchen guckte zum Fenster hinaus und rief: "Guten Tag, liebe Frau ! Was habt Ihr zu verkaufen ?" "Gute Ware", antwortete sie, "Schnrriemen von allen Farben", und holte einen hervor, der aus bunter Seide geflochten war. Die ehrliche Frau kann ich hereinlassen, dachte Schneewittchen, riegelte die Tre auf und kaufte sich den hbschen Schnrriemen. "Kind", sprach die Alte, "wie du aussiehst ! Komm, ich will dich einmal ordentlich schnren." Schneewittchen hatte kein Arg, stellte sich vor sie und lie sich mit dem neuen Schnrriemen schnren. Aber die Alte schnrte geschwind und schnrte so fest, da dem Schneewittchen der Atem verging und es fr tot hinfiel. "Nun bist du die Schnste gewesen", sprach sie und eilte hinaus. Nicht lange darauf, zur Abendzeit, kamen die sieben Zwerge nach Haus; aber wie erschraken sie, als sie ihr liebes Schneewittchen auf der Erde liegen sahen, und es regte und bewegte sich nicht, als wre es tot. Sie hoben es in die Hhe, und weil sie sahen, da es zu fest geschnrt war, schnitten sie den Schnrriemen entzwei; da fing es an ein wenig zu atmen und ward nach und nach wieder lebendig. Als die Zwerge hrten, was geschehen war, sprachen sie: "Die alte Krmerfrau war niemand als die gottlose Knigin. Hte dich und la keinen Menschen herein, wenn wir nicht bei dir sind !" Das bse Weib aber, als es nach Haus gekommen war, ging vor den Spiegel und fragte:  
"Spieglein, Spieglein an der Wand,  
Wer ist die Schnste im ganzen Land ?"  
Da antwortete er wie sonst:  
"Frau Knigin, Ihr seid die Schnste hier,  
Aber Schneewittchen ber den Bergen  
Bei den sieben Zwergen  
Ist noch tausendmal schner als Ihr."  
Als sie das hrte, lief ihr alles Blut zum Herzen, so erschrak sie, 'denn sie sah wohl, da Schneewittchen wieder lebendig geworden war. "Nun aber", sprach sie", will ich etwas aussinnen, das dich- zugrunde richten soll", und mit Hexenknsten, die sie verstand, machte sie einen giftigen Kamm. Dann verkleidete sie sich und nahm die Gestalt eines anderen alten Weibes an. So ging sie hin ber die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Tre und rief: "Gute Ware feil ! feil !" Schneewittchen schaute heraus und sprach: "Geht nur weiter, ich darf niemand hereinlassen !" "Das Ansehen wird dir doch erlaubt sein", sprach die Alte, zog den giftigen Kamm heraus und hielt ihn in die Hhe. Da gefiel er dem Kinde so gut, da es sich betren lie und die Tre ffnete. Als sie des Kaufs einig waren, sprach die Alte: "Nun will ich dich einmal ordentlich kmmen." Das arme Schneewittchen dachte an nichts, lie die Alte gewhren, aber kaum hatte sie den Kamm in die Haare gesteckt, als das Gift darin wirkte und das Mdchen ohne Besinnung niederfiel. "Du Ausbund von Schnheit", sprach das boshafte Weib, "jetzt ist's um dich geschehen", und ging fort. Zum Glck aber war es bald Abend, wo die sieben Zwerglein nach Haus kamen. Als sie Schneewittchen wie tot auf der Erde liegen sahen, hatten sie gleich die Stiefmutter in Verdacht, suchten nach und fanden den giftigen Kamm. Und kaum hatten sie ihn herausgezogen, so kam Schneewittchen wieder zu sich und erzhlte, was vorgegangen war. Da warnten sie es noch einmal, auf seiner Hut zu sein und niemand die Tre zu ffnen. Die Knigin stellte sich daheim vor den Spiegel und sprach:  
"Spieglein, Spieglein an der Wand,  
Wer ist die Schnste im ganzen Land ?"  
Da antwortete er wie vorher:  
"Frau Knigin, Ihr seid die Schnste hier,  
Aber Schneewittchen ber den Bergen  
Bei den sieben Zwergen  
Ist noch tausendmal schner als Ihr."  
Als sie den Spiegel so reden hrte, zitterte und bebte sie vor Zorn. ,Schneewittchen soll sterben", rief sie, "und wenn es mein eigenes Leben kostet !" Darauf ging sie in eine ganz verborgene, einsame Kammer, wo niemand hinkam, und machte da einen giftigen, giftigen Apfel. uerlich sah er schn aus, wei mit roten Backen, da jeder, der ihn erblickte, Lust danach bekam, aber wer ein Stckchen davon a, der mute sterben. Als der Apfel fertig war, frbte sie sich das Gesicht und verkleidete sich in eine Bauersfrau, und so ging sie ber die sieben Berge zu den sieben Zwergen. Sie klopfte an. Schneewittchen streckte den Kopf zum Fenster heraus und sprach: " Ich darf keinen Menschen einlassen, die sieben Zwerge haben mir's verboten !" "Mir auch recht", antwortete die Buerin, "meine pfel will ich schon loswerden. Da, e i n e n will ich dir schenken." "Nein", sprach Schneewittchen, "ich darf nichts annehmen !" "Frchtest du dich vor Gift ?" sprach die Alte, "siehst du, da schneide ich den Apfel in zwei Teile; den roten Backen i, den weien will ich essen " Der Apfel war aber so knstlich gemacht, da der rote Backen allein vergiftet war. Schneewittchen lusterte den schnen Apfel an, und als es sah, da die Buerin davon a, so konnte es nicht lnger widerstehen, streckte die Hand hinaus und nahm die giftige Hlfte. Kaum aber hatte es einen Bissen davon im Mund, so fiel es tot zur Erde nieder. Da betrachtete es die Knigin mit grausigen Blicken und lachte berlaut und sprach: "Wei wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz ! Diesmal knnen dich die Zwerge nicht wieder erwecken." Und als sie daheim den Spiegel befragte:  
"Spieglein, Spieglein an der Wand,  
Wer ist die Schnste im ganzen Land ?"  
so antwortete er endlich:  
"Frau Knigin, Ihr seid de Schnste im Land."  
Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe, so gut ein neidisches Herz Ruhe haben kann.  
Die Zwerglein, wie sie abends nach Haus kamen, fanden Schneewittchen auf der Erde liegen, und es ging kein Atem mehr aus seinem Mund, und es war tot. Sie hoben es auf suchten, ob sie was Giftiges fnden, schnrten es auf, kmmten ihm die Haare, wuschen es mit Wasser und Wein, aber es half alles nichts; das liebe Kind war tot und blieb tot. Sie legten es auf eine Bahre und setzten sich alle siebene daran und beweinten es und weinten drei Tage lang. Da wollten sie es begraben, aber es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch und hatte noch seine schnen, roten Backen. Sie sprachen: "Das knnen wir nicht in die schwarze Erde versenken", und lieen einen durchsichtigen Sarg von Glas machen, da man es von allen Seiten sehen konnte, legten es hinein und schrieben mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf und da es eine Knigstochter wre. Dann setzten sie den Sarg hinaus auf den Berg, und einer von ihnen blieb immer dabei und bewachte ihn. Und die Tiere kamen auch und beweinten Schneewittchen, erst eine Eule dann ein Rabe. zuletzt ein Tubchen. Nun lag Schneewittchen lange, lange Zeit in dem Sarg und verweste nicht, sondern sah aus, als wenn es schliefe, denn es war noch so wei wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz. Es geschah aber, da ein Knigssohn in den Wald geriet und zu dem Zwergenhaus kam, da zu bernachten. Er sah auf dem Berg den Sarg und das schne Schneewittchen darin und las, was mit goldenen Buchstaben darauf geschrieben war. Da sprach er zu den Zwergen: "Lat mir den Sarg, ich will euch geben, was ihr dafr haben wollt " Aber die Zwerge antworteten: "Wir geben ihn nicht fr alles Gold in der Welt." Da sprach er: "So schenkt mir ihn, denn ich kann nicht leben, ohne Schneewittchen zu sehen, ich will es ehren und hochachten wie mein Liebstes." Wie er so sprach, empfanden die guten Zwerglein Mitleid mit ihm und gaben ihm den Sarg. Der Knigssohn lie ihn nun von seinen Dienern auf den Schultern forttragen. Da geschah es, da sie ber einen Strauch stolperten, und von dem Schttern fuhr der giftige Apfelgrtz, den Schneewittchen abgebissen hatte, aus dem Hals. Und nicht lange, so ffnete es die Augen, hob den Deckel vom Sarg in die Hhe und richtete sich auf und war wieder lebendig. "Ach Gott, wo bin ich ?" rief es. Der Knigssohn sagte voll Freude: "Du bist bei mir", und erzhlte, was sich zugetragen hatte, und sprach: "Ich habe dich lieber als alles auf der Welt; komm mit mir in meines Vaters Schlo, du sollst meine Gemahlin werden." Da war ihm Schneewittchen gut und ging mit ihm, und ihre Hochzeit ward mit groer Pracht und Herrlichkeit angeordnet. Zu dem Feste wurde aber auch Schneewittchens gottlose Stiefmutter eingeladen. Wie sie sich nun mit schnen Kleidern angetan hatte, trat sie vor den Spiegel und sprach:  
"Spieglein, Spieglein an der Wand,  
Wer ist die Schnste im ganzen Land ?"  
Der Spiegel antwortete:  
"Frau Knigin, Ihr seid die Schnste hier,  
Aber die junge Knigin ist noch tausendmal schner als ihr."  
Da stie das bse Weib einen Fluch aus, und ward ihr so angst, so angst, da sie sich nicht zu lassen wute. Sie wollte zuerst gar nicht auf die Hochzeit kommen, doch lie es ihr keine Ruhe, sie mute fort und die junge Knigin sehen. Und wie sie hineintrat, erkannte sie Schneewittchen, und vor Angst und Schrecken stand sie da und konnte sich nicht regen. Aber es waren schon eiserne Pantoffel ber Kohlenfeuer gestellt und wurden mit Zangen hereingetragen und vor sie hingestellt. Da mute sie in die rotglhenden Schuhe treten und so lange tanzen, bis sie tot zur Erde fiel.  
  
Tischlein deck dich, Goldesel und Knppel aus dem Sack  
Vor Zeiten war ein Schneider, der drei Shne hatte und nur eine einzige Ziege. Aber die Ziege, weil sie alle zusammen mit ihrer Milch ernhrte, mute ihr gutes Futter haben und tglich hinaus auf die Weide gefhrt werden. Die Shne taten das auch nach der Reihe. Einmal brachte sie der Iteste auf den Kirchhof, wo die schnsten Kruter standen, lie sie da fressen und herumspringen. Abends, als es Zeit war heimzugehen, fragte er 'Ziege, bist du satt?' Die Ziege antwortete  
'ich bin so satt,  
ich mag kein Blatt: meh! meh!'  
'So komm nach Haus,' sprach der Junge, fate sie am Strickchen, fhrte sie in den Stall und band sie fest. 'Nun,' sagte der alte Schneider, 'hat die Ziege ihr gehriges Futter?' 'O,' antwortete der Sohn, 'die ist so satt, sie mag kein Blatt.' Der Vater aber wollte sich selbst berzeugen, ging hinab in den Stall, streichelte das liebe Tier und fragte 'Ziege, bist du auch satt?' Die Ziege antwortete  
'wovon sollt ich satt sein?  
ich sprang nur ber Grbelein,  
und fand kein einzig Blttelein: meh! meh!,  
'Was mu ich hren!, rief der Schneider, lief hinauf und sprach zu dem Jungen 'ei, du Lgner, sagst, die Ziege wre satt, und hast sie hungern lassen?' und in seinem Zorne nahm er die Elle von der Wand und jagte ihn mit Schlgen hinaus.  
Am andern Tag war die Reihe am zweiten Sohn, der suchte an der Gartenhecke einen Platz aus, wo lauter gute Kruter standen, und die Ziege fra sie rein ab. Abends, als er heim wollte, fragte er 'Ziege, bist du satt?' Die Ziege antwortete  
'ich bin so satt'  
ich mag kein Blatt: meh! meh!'  
'So komm nach Haus,' sprach der Junge, zog sie heim und band sie im Stall fest. 'Nun,' sagte der alte Schneider, 'hat die Ziege ihr gehriges Futter?' 'O,' antwortete der Sohn, 'die ist so satt, sie mag kein Blatt.' Der Schneider wollte sich darauf nicht verlassen, ging hinab in den Stall und fragte 'Ziege, bist du auch satt?' Die Ziege antwortete  
'wovon sollt ich satt sein?  
ich sprang nur ber Grbelein,  
und fand kein einzig Blttelein: meh!'  
'Der gottlose Bsewicht!' schrie der Schneider, 'so ein frommes Tier hungern zu lassen!' lief hinauf und schlug mit der Elle den Jungen zur Haustre hinaus.  
Die Reihe kam jetzt an den dritten Sohn, der wollte seine Sache gut machen, suchte Buschwerk mit dem schnsten Laube aus, und lie die Ziege daran fressen. Abends, als er heim wollte, fragte er 'Ziege, bist du auch satt?' Die Ziege antwortete  
'ich bin so satt ich  
mag kein Blatt: meh! meh!'  
'So komm nach Haus,' sagte der Junge, fhrte sie in den Stall und band sie fest. 'Nun,' sagte der alte Schneider, 'hat die Ziege ihr gehriges Futter?' 'O,' antwortete der Sohn, 'die ist so satt, sie mag kein Blatt.' Der Schneider traute nicht, ging hinab und fragte 'Ziege, bist du auch satt?' Das boshafte Tier antwortete  
'wovon sollt ich satt sein?  
ich sprang nur ber Grbelein,  
und fand kein einzig Blttelein: meh! meh!'  
'O die Lgenbrut!, rief der Schneider, 'einer so gottlos und pflichtvergessen wie der andere! ihr sollt mich nicht lnger zum Narren haben!' und vor Zorn ganz auer sich sprang er hinauf und gerbte dem armen Jungen mit der Elle den Rcken so gewaltig, da er zum Haus hinaussprang.  
Der alte Schneider war nun mit seiner Ziege allein. Am andern Morgen ging er hinab in den Stall, liebkoste die Ziege und sprach 'komm, mein liebes Tierlein, ich will dich selbst zur Weide fhren.' Er nahm sie am Strick und brachte sie zu grnen Hecken und unter Schafrippe, und was sonst die Ziegen gerne fressen. 'Da kannst du dich einmal nach Herzenslust sttigen,' sprach er zu ihr, und lie sie weiden bis zum Abend. Da fragte er 'Ziege, bist du satt?' Sie antwortete  
'ich bin so satt,  
ich mag kein Blatt: meh! meh!'  
'So komm nach Haus,' sagte der Schneider, fhrte sie in den Stall und band sie fest. Als er wegging, kehrte er sich noch einmal um und sagte 'nun bist du doch einmal satt!' Aber die Ziege machte es ihm nicht besser und rief  
'wie sollt ich satt sein?  
ich sprang nur ber Grbelein  
und fand kein einzig Blttelein: meh! meh!'  
Als der Schneider das hrte' stutzte er und sah wohl, da er seine drei Shne ohne Ursache verstoen hatte. 'Wart,' rief er, 'du undankbares Geschpf, dich fortzujagen ist noch zu wenig, ich will dich zeichnen, da du dich unter ehrbaren Schneidern nicht mehr darfst sehen lassen.' In einer Hast sprang er hinauf, holte sein Bartmesser, seifte der Ziege den Kopf ein, und schor sie so glatt wie seine flache Hand. Und weil die Elle zu ehrenvoll gewesen wre, holte er die Peitsche und versetzte ihr solche Hiebe, da sie in gewaltigen Sprngen davonlief.  
Der Schneider, als er so ganz einsam in seinem Hause sa, verfiel in groe Traurigkeit und htte seine Shne gerne wiedergehabt, aber niemand wute, wo sie hingeraten waren. Der lteste war zu einem Schreiner in die Lehre gegangen, da lernte er fleiig und unverdrossen, und als seine Zeit herum war, da er wandern sollte, schenkte ihm der Meister ein Tischchen, das gar kein besonderes Ansehen hatte und von gewhnlichem Holz war: aber es hatte eine gute Eigenschaft. Wenn man es hinstellte und sprach 'Tischchen, deck dich,' so war das gute Tischchen auf einmal mit einem saubern Tchlein bedeckt, und stand da ein Teller, und Messer und Gabel daneben, und Schsseln mit Gesottenem und Gebratenem, so viel Platz hatten, und ein groes Glas mit rotem Wein leuchtete, da einem das Herz lachte. Der junge Gesell dachte 'damit hast du genug fr dein Lebtag,' zog guter Dinge in der Welt umher und bekmmerte sich gar nicht darum, ob ein Wirtshaus gut oder schlecht und ob etwas darin zu finden war oder nicht. Wenn es ihm gefiel, so kehrte er gar nicht ein, sondern im Felde, im Wald, auf einer Wiese, wo er Lust hatte, nahm er sein Tischchen vom Rcken, stellte es vor sich und sprach 'deck dich,' so war alles da, was sein Herz begehrte. Endlich kam es ihm in den Sinn, er wollte zu seinem Vater zurckkehren, sein Zorn wrde sich gelegt haben, und mit dem Tischchen deck dich wrde er ihn gerne wieder aufnehmen. Es trug sich zu, da er auf dem Heimweg abends in ein Wirtshaus kam, das mit Gsten angefllt war: sie hieen ihn willkommen und luden ihn ein, sich zu ihnen zu setzen und mit ihnen zu essen, sonst wrde er schwerlich noch etwas bekommen. 'Nein,' antwortete der Schreiner, 'die paar Bissen will ich euch nicht vor dem Munde nehmen, lieber sollt ihr meine Gste sein.' Sie lachten und meinten, er triebe seinen Spa mit ihnen. Er aber stellte sein hlzernes Tischchen mitten in die Stube und sprach 'Tischchen, deck dich.' Augenblicklich war es mit Speisen besetzt, so gut, wie sie der Wirt nicht htte herbeischaffen knnen, und wovon der Geruch den Gsten lieblich in die Nase stieg. 'Zugegriffen, liebe Freunde,' sprach der Schreiner, und die Gste, als sie sahen, wie es gemeint war, lieen sich nicht zweimal bitten, rckten heran, zogen ihre Messer und griffen tapfer zu. Und was sie am meisten verwunderte, wenn eine Schssel leer geworden war, so stellte sich gleich von selbst eine volle an ihren Platz. Der Wirt stand in einer Ecke und sah dem Dinge zu; er wute gar nicht, was er sagen sollte, dachte aber 'einen solchen Koch knntest du in deiner Wirtschaft wohl brauchen.' Der Schreiner und seine Gesellschaft waren lustig bis in die spte Nacht, endlich legten sie sich schlafen, und der junge Geselle ging auch zu Bett und stellte sein Wnschtischchen an die Wand. Dem Wirte aber lieen seine Gedanken keine Ruhe, es fiel ihm ein, da in seiner Rumpelkammer ein altes Tischchen stnde, das gerade so ausshe: das holte er ganz sachte herbei und vertauschte es mit dem Wnschtischchen. Am andern Morgen zahlte der Schreiner sein Schlafgeld, packte sein Tischchen auf, dachte gar nicht daran, da er ein falsches htte, und ging seiner Wege. Zu Mittag kam er bei seinem Vater an, der ihn mit groer Freude empfing. 'Nun, mein lieber Sohn, was hast du gelernt?' sagte er zu ihm. 'Vater, ich bin ein Schreiner geworden.' 'Ein gutes Handwerk,' erwiderte der Alte, 'aber was hast du von deiner Wanderschaft mitgebracht?' 'Vater, das Beste, was ich mitgebracht habe, ist das Tischchen.' Der Schneider betrachtete es von allen Seiten und sagte 'daran hast du kein Meisterstck gemacht, das ist ein altes und schlechtes Tischchen.' 'Aber es ist ein Tischchen deck dich,' antwortete der Sohn, 'wenn ich es hinstelle, und sage ihm, es solle sich decken, so stehen gleich die schnsten Gerichte darauf und ein Wein dabei , der das Herz erfreut. Ladet nur alle Verwandte und Freunde ein, die sollen sich einmal laben und erquicken, denn das Tischchen macht sie alle satt.' Als die Gesellschaft beisammen war, stellte er sein Tischchen mitten in die Stube und sprach 'Tischchen, deck dich.' Aber das Tischchen regte sich nicht und blieb so leer wie ein anderer Tisch, der die Sprache nicht versteht. Da merkte der arme Geselle, da ihm das Tischchen vertauscht war, und schmte sich, da er wie ein Lgner dastand. Die Verwandten aber lachten ihn aus und muten ungetrunken und ungegessen wieder heim wandern. Der Vater holte seine Lappen wieder herbei und schneiderte fort, der Sohn aber ging bei einem Meister in die Arbeit.  
Der zweite Sohn war zu einem Mller gekommen und bei ihm in die Lehre gegangen. Als er seine Jahre herum hatte, sprach der Meister 'weil du dich so wohl gehalten hast, so schenke ich dir einen Esel von einer besondern Art, er zieht nicht am Wagen und trgt auch keine Scke.' 'Wozu ist er denn ntze?' fragte der junge Geselle. 'Er speit Gold,' antwortete der Mller, 'wenn du ihn auf ein Tuch stellst und sprichst 'Bricklebrit,' so speit dir das gute Tier Goldstcke aus, hinten und vorn.' 'Das ist eine schne Sache,' sprach der Geselle, dankte dem Meister und zog in die Welt. Wenn er Gold ntig hatte, brauchte er nur zu seinem Esel 'Bricklebrit, zu sagen, so regnete es Goldstcke, und er hatte weiter keine Mhe, als sie von der Erde aufzuheben. Wo er hinkam, war ihm das Beste gut genug, und je teurer je lieber, denn er hatte immer einen vollen Beutel. Als er sich eine Zeitlang in der Welt umgesehen hatte, dachte er 'du mut deinen Vater aufsuchen, wenn du mit dem Goldesel kommst, so wird er seinen Zorn vergessen und dich gut aufnehmen.' Es trug sich zu, da er in dasselbe Wirtshaus geriet, in welchem seinem Bruder das Tischchen vertauscht war. Er fhrte seinen Esel an der Hand, und der Wirt wollte ihm das Tier abnehmen und anbinden, der junge Geselle aber sprach 'gebt Euch keine Mhe, meinen Grauschimmel fhre ich selbst in den Stall und binde ihn auch selbst an, denn ich mu wissen, wo er steht.' Dem Wirt kam es wunderlich vor und er meinte, einer, der seinen Esel selbst besorgen mte, htte nicht viel zu verzehren: als aber der Fremde in die Tasche griff, zwei Goldstcke herausholte und sagte, er sollte nur etwas Gutes fr ihn einkaufen, so machte er groe Augen, lief und suchte das Beste, das er auftreiben konnte. Nach der Mahlzeit fragte der Gast, was er schuldig wre, der Wirt wollte die doppelte Kreide nicht sparen und sagte, noch ein paar Goldstcke mte er zulegen. Der Ge selle griff in die Tasche, aber sein Gold war eben zu Ende. 'Wartet einen Augenblick, Herr Wirt,' sprach er, 'ich will nur gehen und Gold holen;' nahm aber das Tischtuch mit. Der Wirt wute nicht, was das heien sollte, war neugierig, schlich ihm nach, und da der Gast die Stalltre zuriegelte, so guckte er durch ein Astloch. Der Fremde breitete unter dem Esel das Tuch aus, rief 'Bricklebrit,' und augenblicklich fing das Tier an, Gold zu speien von hinten und vorn, da es ordentlich auf die Erde herabregnete. 'Ei der tausend,' sagte der Wirt, 'da sind die Dukaten bald geprgt! so ein Geldbeutel ist nicht bel!' Der Gast bezahlte seine Zeche und legte sich schlafen, der Wirt aber schlich in der Nacht herab in den Stall, fhrte den Mnzmeister weg und band einen andern Esel an seine Stelle. Den folgenden Morgen in der Frhe zog der Geselle mit seinem Esel ab und meinte, er htte seinen Goldesel. Mittags kam er bei seinem Vater an, der sich freute, als er ihn wiedersah, und ihn gerne aufnahm. 'Was ist aus dir geworden, mein Sohn?' fragte der Alte. 'Ein Mller, lieber Vater,' antwortete er. 'Was hast du von deiner Wanderschaft mitgebracht?' 'Weiter nichts als einen Esel.' 'Esel gibts hier genug,' sagte der Vater, 'da wre mir doch eine gute Ziege lieber gewesen.' 'Ja,' antwortete der Sohn, 'aber es ist kein gemeiner Esel, sondern ein Goldesel: wenn ich sage 'Bricklebrit,' so speit Euch das gute Tier ein ganzes Tuch voll Goldstcke. Lat nur alle Verwandte herbeirufen, ich mache sie alle zu reichen Leuten.' 'Das la ich mir gefallen,' sagte der Schneider, 'dann brauch ich mich mit der Nadel nicht weiter zu qulen,' sprang selbst fort und rief die Verwandten herbei. Sobald sie beisammen waren, hie sie der Mller Platz machen, breitete sein Tuch aus, und brachte den Esel in die Stube. 'Jetzt gebt acht,' sagte er und rief 'Bricklebrit,' aber es waren keine Goldstcke, was herabfiel, und es zeigte sich, da das Tier nichts von der Kunst verstand, denn es bringts nicht jeder Esel so weit. Da machte der arme Mller ein langes Gesicht, sah, da er betrogen war, und bat die Verwandten um Verzeihung, die so arm heimgingen, als sie gekommen waren. Es blieb nichts brig, der Alte mute wieder nach der Nadel greifen, und der Junge sich bei einem Mller verdingen.  
Der dritte Bruder war zu einem Drechsler in die Lehre gegangen, und weil es ein kunstreiches Handwerk ist, mute er am lngsten lernen. Seine Brder aber meldeten ihm in einem Briefe, wie schlimm es ihnen ergangen wre, und wie sie der Wirt noch am letzten Abende um ihre schnen Wnschdinge gebracht htte. Als der Drechsler nun ausgelernt hatte und wandern sollte, so schenkte ihm sein Meister, weil er sich so wohl gehalten, einen Sack und sagte 'es liegt ein Knppel darin.' 'Den Sack kann ich umhngen, und er kann mir gute Dienste leisten, aber was soll der Knppel darin? der macht ihn nur schwer.' 'Das will ich dir sagen,' antwortete der Meister, 'hat dir jemand etwas zuleid getan, so sprich nur 'Knppel, aus dem Sack,' so springt dir der Knppel heraus unter die Leute und tanzt ihnen so lustig auf dem Rcken herum, da sie sich acht Tage lang nicht regen und bewegen knnen; und eher lt er nicht ab, als bis du sagst 'Knppel, in den Sack.' Der Gesell dankte ihm, hing den Sack um, und wenn ihm jemand zu nahe kam und auf den Leib wollte, so sprach er 'Knppel, aus dem Sack,' alsbald sprang der Knppel heraus und klopfte einem nach dem andern den Rock oder Wams gleich auf dem Rcken aus, und wartete nicht erst, bis er ihn ausgezogen hatte; und das ging so geschwind, da, eh sichs einer versah, die Reihe schon an ihm war. Der junge Drechsler langte zur Abendzeit in dem Wirtshaus an, wo seine Brder waren betrogen worden. Er legte seinen Ranzen vor sich auf den Tisch und fing an zu erzhlen, was er alles Merkwrdiges in der Welt gesehen habe. 'Ja,' sagte er, 'man findet wohl ein Tischchen deck dich, einen Goldesel und dergleichen: lauter gute Dinge, die ich nicht verachte, aber das ist alles nichts gegen den Schatz, den ich mir erworben habe und mit mir da in meinem Sack fhre.' Der Wirt spitzte die Ohren: 'was in aller Welt mag das sein?' dachte er, 'der Sack ist wohl mit lauter Ed elsteinen angefllt; den sollte ich billig auch noch haben, denn aller guten Dinge sind drei.' Als Schlafenszeit war, streckte sich der Gast auf die Bank und legte seinen Sack als Kopfkissen unter. Der Wirt, als er meinte, der Gast lge in tiefem Schlaf, ging herbei, rckte und zog ganz sachte und vorsichtig an dem Sack, ob er ihn vielleicht wegziehen und einen andern unterlegen knnte. Der Drechsler aber hatte schon lange darauf gewartet, wie nun der Wirt eben einen herzhaften Ruck tun wollte, rief er 'Knppel, aus dem Sack.' Alsbald fuhr das Knppelchen heraus, dem Wirt auf den Leib, und rieb ihm die Nhte, da es eine Art hatte. Der Wirt schrie zum Erbarmen, aber je lauter er schrie. desto krftiger schlug der Knppel ihm den Takt dazu auf dem Rcken, bis er endlich erschpft zur Erde fiel. Da sprach der Drechsler 'wo du das Tischchen deck dich und den Goldesel nicht wieder herausgibst, so soll der Tanz von neuem angehen.' 'Ach nein,' rief der Wirt ganz kleinlaut, 'ich gebe alles gerne wieder heraus, lat nur den verwnschten Kobold wieder in den Sack kriechen.' Da sprach der Geselle 'ich will Gnade fr Recht ergehen lassen, aber hte dich vor Schaden!' dann rief er 'Knppel, in den Sack!' und lie ihn ruhen.  
Der Drechsler zog am andern Morgen mit dem Tischchen deck dich und dem Goldesel heim zu seinem Vater. Der Schneider freute sich, als er ihn wiedersah, und fragte auch ihn, was er in der Fremde gelernt htte. 'Lieber Vater,' antwortete er, 'ich bin ein Drechsler geworden.' 'Ein kunstreiches Handwerk,' sagte der Vater, 'was hast du von der Wanderschaft mitgebracht?' 'Ein kostbares Stck, lieber Vater,' antwortete der Sohn, 'einen Knppel in dem Sack.' 'Was!, rief der Vater, 'einen Knppel! das ist der Mhe wert! den kannst du dir von jedem Baume abhauen.' 'Aber einen solchen nicht, lieber Vater: sage ich 'Knppel, aus dem Sack,' so springt der Knppel heraus und macht mit dem, der es nicht gut mit mir meint, einen schlimmen Tanz, und lt nicht eher nach, als bis er auf der Erde liegt und um gut Wetter bittet. Seht Ihr, mit diesem Knppel habe ich das Tischchen deck dich und den Goldesel wieder herbeigeschafft, die der diebische Wirt meinen Brdern abgenommen hatte. Jetzt lat sie beide rufen und ladet alle Verwandten ein, ich will sie speisen und trnken und will ihnen die Taschen noch mit Gold fllen.' Der alte Schneider wollte nicht recht trauen, brachte aber doch die Verwandten zusammen. Da deckte der Drechsler ein Tuch in die Stube, fhrte den Goldesel herein und sagte zu seinem Bruder 'nun, lieber Bruder, sprich mit ihm.' Der Mller sagte 'Bricklebrit,' und augenblicklich sprangen die Goldstcke auf das Tuch herab, als kme ein Platzregen, und der Esel hrte nicht eher auf, als bis alle so viel hatten, da sie nicht mehr tragen konnten. (Ich sehe dirs an, du wrst auch gerne dabei gewesen.) Dann holte der Drechsler das Tischchen und sagte 'lieber Bruder, nun sprich mit ihm.' Und kaum hatte der Schreiner 'Tischchen, deck dich, gesagt, so war es gedeckt und mit den schnsten Schsseln reichlich besetzt. Da ward eine Mahlzeit gehalten, wie der gute Schneider noch keine in seinem Hause erlebt hat te, und die ganze Verwandtschaft blieb beisammen bis in die Nacht, und waren alle lustig und vergngt. Der Schneider verschlo Nadel und Zwirn, Elle und Bgeleisen in einen Schrank, und lebte mit seinen drei Shnen in Freude und Herrlichkeit.  
Wo ist aber die Ziege hingekommen, die schuld war, da der Schneider seine drei Shne fortjagte? Das will ich dir sagen. Sie schmte sich, da sie einen kahlen Kopf hatte, lief in eine Fuchshhle und verkroch sich hinein. Als der Fuchs nach Haus kam, funkelten ihm ein paar groe Augen aus der Dunkelheit entgegen, da er erschrak und wieder zurcklief. Der Br begegnete ihm, und da der Fuchs ganz verstrt aussah, so sprach er 'was ist dir, Bruder Fuchs, was machst du fr ein Gesicht?' 'Ach,' antwortete der Rote, 'ein grimmig Tier sitzt in meiner Hhle und hat mich mit feurigen Augen angeglotzt.' 'Das wollen wir bald austreiben,' sprach der Br, ging mit zu der Hhle und schaute hinein; als er aber die feurigen Augen erblickte, wandelte ihn ebenfalls Furcht an: er wollte mit dem grimmigen Tiere nichts zu tun haben und nahm Reiaus. Die Biene begegnete ihm, und da sie merkte, da es ihm in seiner Haut nicht wohl zumute war, sprach sie 'Br, du machst ja ein gewaltig verdrielich Gesicht, wo ist deine Lustigkeit geblieben?' 'Du hast gut reden,' antwortete der Br, 'es sitzt ein grimmiges Tier mit Glotzaugen in dem Hause des Roten, und wir knnen es nicht herausjagen.' Die Biene sprach 'du dauerst mich, Br, ich bin ein armes schwaches Geschpf, das ihr im Wege nicht anguckt, aber ich glaube doch, da ich euch helfen kann.' Sie flog in die Fuchshhle, setzte sich der Ziege auf den glatten geschorenen Kopf und stach sie so gewaltig, da sie aufsprang, 'meh! meh!' schrie, und wie toll in die Welt hineinlief; und wei niemand auf diese Stunde, wo sie hingelaufen ist.  
\np#\ul#Vom Fischer und seiner Frau\ul#  
  
Es war einmal ein Fischer und seine Frau, die wohnten zusammen in einer kleinen Fischerhtte, dicht an der See, und der Fischer ging alle Tage hin und angelte; und er angelte und angelte.  
So sa er auch einmal mit seiner Angel und sah immer in das klare Wasser hinein; und so sa er nun und sa.  
Da ging die Angel auf den Grund, tief hinunter, und als er sie heraufholte, da holte er einen groen Butt heraus. Da sagte der Butt zu ihm: Hr mal, Fischer, ich bitte dich, la mich leben, ich bin gar kein richtiger Butt, ich bin ein verwnschter Prinz. Was hilft dirs, wenn du mich totmachst? Ich wrde dir doch nicht recht schmecken; setz mich wieder ins Wasser und la mich schwimmen!" Nun", sagte der Mann, du brauchst nicht so viele Worte zu machen; einen Butt, der sprechen kann, werde ich doch wohl schwimmen lassen." Damit setzte er ihn wieder in das klare Wasser; da ging der Butt auf den Grund und lie einen langen Streifen Blut hinter sich. Da stand der Fischer auf und ging zu seiner Frau in die kleine Htte.  
Mann", sagte die Frau, hast du heute nichts gefangen?" Nein", sagte der Mann, ich fing einen Butt, der sagte, er wre ein verwunschener Prinz, da hab ich ihn wieder schwimmen lassen." Hast du dir denn nichts gewnscht?" sagte die Frau. Nein", sagte der Mann, was sollt ich mir denn wnschen?" Ach", sagte die Frau, das ist doch bs, immer hier in dem Httchen zu wohnen, das stinkt und ist so eklig; du httest uns doch ein kleines Huschen wnschen knnen. Geh noch mal hin und ruf ihn! Sag ihm, wir wollten ein kleines Huschen haben, er tut das gewi." Ach", sagte der Mann, was soll ich da noch mal hingehen?", I", sagte die Frau, du hattest ihn doch gefangen und hast ihn wieder schwimmen lassen, er tut das gewi. Geh gleich hin!" Der Mann wollte noch nicht recht, wollte aber auch seiner Frau nicht zuwiderhandeln und ging hin an die See.  
Als er dorthin kam, war die See ganz grn und gelb und gar nicht mehr so klar. So stellte er sich hin und sagte:  
Manntje, Manntje, Timpe Te,  
Buttje, Buttje in der See,  
mine Fru, de Ilsebill,  
will nich so, as ik wol will."  
Da kam der Butt angeschwommen und sagte: Na, was will sie denn?" Ach", sagte der Mann, ich hab dich doch gefangen gehabt; nun sagt meine Frau, ich htt mir doch was wnschen sollen. Sie mag nicht mehr in ihrer Htte wohnen, sie will gern ein kleines Huschen." Geh nur hin", sagte der Butt, sie hat es schon."  
Da ging der Mann hin, und seine Frau sa nicht mehr in dem Fischerhttchen; an seiner Stelle stand jetzt ein kleines Huschen, und seine Frau sa vor der Tre auf einer Bank. Da nahm ihn seine Frau bei der Hand und sagte zu ihm: Komm nur herein, sieh, nun ist das doch viel besser!" Da gingen sie hinein, und in dem Huschen war ein kleiner Vorplatz und eine kleine, allerliebste Stube und Kammer, wo jedem sein Bett stand, und Kche und Speisekammer, alles aufs beste mit Gertschaften versehen und aufs schnste aufgestellt, Zinnzeug und Messing, was eben so dazu gehrt. Und dahinter war auch ein kleiner Hof mit Hhnern und Enten und ein kleiner Garten mit Grnzeug und Obst. Sieh", sagte die Frau, ist das nicht nett?" Ja", sagte der Mann, so soll es bleiben; nun wollen wir recht vergngt leben." Das wollen wir uns bedenken", sagte die Frau. Dann aen sie etwas und gingen zu Bett.  
So ging das wohl nun acht oder vierzehn Tage; da sagte die Frau: Hr, Mann, das Huschen ist auch gar zu eng, und der Hof und der Garten ist so klein; der Butt htt uns auch wohl ein greres Haus schenken knnen. Ich mchte wohl in einem groen, steinernen Schlo wohnen. Geh hin zum Butt, er soll uns ein Schlo schenken!" Ach, wir in einem Schlosse wohnen?" I was", sagte die Frau, geh du nur hin, der Butt kann das schon tun!" Nein, Frau", sagte der Mann, der Butt hat uns erst das Huschen gegeben; ich mag nun nicht gleich wiederkommen, den Butt knnte das verdrieen." Geh doch", sagte die Frau, er kann das recht gut und tut es auch gern; geh du nur hin!"  
Dem Mann war sein Herz so schwer, und er wollte nicht; er sagte zu sich selber: Das ist nicht recht" - aber ging doch hin.  
Als er an die See kam, war das Wasser ganz violett und dunkelblau und grau und dick und gar nicht mehr so grn und gelb; doch war es noch still. Da stellte er sich nun hin und sagte:  
Manntje, Manntje, Timpe Te,  
Buttje, Buttje in der See,  
mine Fru, de Ilsebill,  
will nich so, as ik wol will."  
Na, was will sie denn?" sagte der Butt. Ach", sagte der Mann halb bedrckt, sie will in einem groen, steinernen Schlo wohnen."  
Geh nur hin, sie steht vor der Tr", sagte der Butt.  
Da ging der Mann hin und dachte, er wollte nach Haus gehen; als er aber dahin kam, da stand dort ein groer, steinerner Palast, und seine Frau stand oben auf der Treppe und wollte hineingehen; da nahm sie ihn bei der Hand und sagte: Komm mal herein!" Damit ging er mit ihr hinein, und in dem Schlo war eine groe Diele mit einem Estrich aus Marmelstein, und da waren so viele Bediente, die rissen die groen Tren auf; und die Wnde waren alle blank und mit schnen Tapeten, und in den Zimmern lauter goldene Sthle und Tische, und kristallene Kronenleuchter hingen von der Decke, und alle Stuben und Kammern waren mit Fudecken belegt; und das Essen und der allerbeste Wein stand auf den Tischen, als ob sie brechen wollten. Und hinter dem Hause war auch ein groer Hof mit einem Pferde- und Kuhstall und Kutschwagen - alles vom Besten; auch war da ein groer herrlicher Garten mit den schnsten Blumen und seinen Obstbumen und ein herrlicher Park, wohl eine halbe Meile lang; da waren Hirsche und Rehe und Hasen drin und alles, was man sich nur immer wnschen mochte. Na", sagte die Frau, ist das nun nicht schn?" Ach ja", sagte der Mann, so soll es auch bleiben; nun wollen wir auch in dem schnen Schlo wohnen und zufrieden sein." Das wollen wir uns bedenken", sagte die Frau, und wollen es beschlafen." Darauf gingen sie zu Bett.  
Am andern Morgen wachte die Frau zuerst auf, es war eben Tag geworden, und sah von ihrem Bett aus das herrliche Land vor sich liegen. Der Mann dehnte und reckte sich noch, da stie sie ihn mit dem Ellenbogen in die Seite und sagte: Mann steh auf und guck mal aus dem Fenster! Sieh, knnten wir nicht Knig werden ber das ganze Land? Geh hin zum Butt, wir wollen Knig sein!" Ach, Frau", sagte der Mann, warum wollen wir Knig sein? Ich mag nicht Knig sein." Nun", sagte die Frau, willst du nicht Knig sein, so will ich Knig sein. Geh hin zum Butt, ich will Knig sein!" Ach, Frau", sagte der Mann, was willst du Knig sein? Das mag ich ihm nicht sagen." Warum nicht?" sagte die Frau, geh augenblicklich hin, ich mu Knig sein!" Da ging der Mann hin und war ganz bedrckt, da seine Frau Knig werden wollte. Das ist und ist nicht recht, dachte der Mann. Er wollte nicht hingehen, ging aber doch hin.  
Und als er an die See kam, da war die See ganz schwarzgrau, und das Wasser quoll so von unten herauf und stank auch ganz faul. Da stellte er sich hin und sagte:  
Manntje, Manntje, Timpe Te,  
Buttje, Buttje in der See,  
mine Fru, de Ilsebill,  
will nich so, as ik wol will."  
Na, was will sie denn?" sagte der Butt. Ach", sagte der Mann, sie will Knig werden." Geh nur hin, sie ist es schon", sagte der Butt. Da ging der Mann hin, und als er nach dem Palast kam, da war das Schlo viel grer geworden, mit einem groen Turm und herrlichem Zierat daran; und die Schildwacht stand vor dem Tor, und da waren so viele Soldaten und Pauken und Trompeten. Und als er in das Haus kam, da war alles von purem Marmelstein und Gold und samtne Decken mit groen, goldenen Quasten. Da gingen die Tren von dem Saal auf, wo der ganze Hofstaat war, und seine Frau sa auf einem hohen Thron von Gold und Diamanten und hatte eine groe, goldene Krone auf und den Zepter in der Hand von purem Gold und Edelstein. Und auf beiden Seiten von ihr standen sechs Jungfern in einer Reihe, immer eine einen Kopf kleiner als die andere. Da stellte er sich nun hin und sagte: Ach, Frau, bist du nun Knig?" Ja", sagte die Frau, nun bin ich Knig." Da stand er nun und sah sie an, und als er sie nun eine Zeitlang so angesehen hatte, sagte er: Ach, Frau, was steht dir das gut, da du Knig bist. Nun wollen wir uns auch nichts mehr wnschen." Nein, Mann", sagte die Frau und war ganz unruhig, mir wird schon Zeit und Weile lang, ich kann das nicht mehr aushalten. Geh hin zum Butt; Knig bin ich, nun mu ich auch Kaiser werden!" Ach, Frau", sagte der Mann, warum willst du Kaiser werden?" Mann", sagte sie, geh zum Butt, ich will Kaiser sein!" Ach, Frau", sagte der Mann, Kaiser kann er nicht machen, ich mag dem Butt das nicht sagen; Kaiser ist nur einmal im Reich; Kaiser kann der Butt nicht machen; das kann und kann er nicht!"  
Was", sagte die Frau, ich bin Knig, und du bist doch mein Mann; willst du gleich hingehn? Gleich geh hin! Kann er Knige machen, so kann er auch Kaiser machen; ich will und will Kaiser sein; gleich geh hin!" Da mute er hingehn. Als der Mann aber hinging, war ihm ganz bang; und als er so ging, dachte er bei sich: Das geht und geht nicht gut: Kaiser ist zu ausverschmt, der Butt wird am Ende mde.  
Indes kam er an die See. Da war die See noch ganz schwarz und dick und fing an, so von unten herauf zu schumen, da sie Blasen warf, und es ging so ein Wirbelwind ber die See hin, da sie sich nur so drehte. Und den Mann ergriff ein Grauen. Da stand er nun und sagte:  
Manntje, Manntje, Timpe Te,  
Buttje, Buttje in der See,  
mine Fru, de Ilsebill,  
will nich so, as ik wol will."  
Na, was will sie denn?" sagte der Butt. Ach, Butt", sagte er, meine Frau will Kaiser werden." Geh nur hin", sagte der Butt, sie ist es schon." Da ging der Mann hin, und als er ankam, da war das ganze Schlo von poliertem Marmelstein mit Figuren aus Alabaster und goldenen Zieraten. Vor der Tr marschierten die Soldaten, und sie bliesen Trompeten und schlugen Pauken und Trommeln. Aber in dem Hause, da gingen die Barone und Grafen und Herzge grad so, als ob sie Diener wren, herum; die machten ihm die Tren auf, die von lauter Gold waren. Und als er hereinkam, da sa seine Frau auf einem Thron, der war von einem Stck Gold und war wohl zwei Meilen hoch; und sie hatte eine groe, goldene Krone auf, die war drei Ellen hoch und mit Brillanten und Karfunkelsteinen besetzt. In der einen Hand hatte sie den Zepter und in der anderen den Reichsapfel, und auf beiden Seiten neben ihr, da standen die Trabanten so in zwei Reihen, immer einer kleiner als der andere, von dem allergrten Riesen, der war zwei Meilen hoch, bis zu dem allerwinzigsten Zwerg, der war so gro wie mein kleiner Finger. Und vor ihr standen so viele Frsten und Herzge. Da ging nun der Mann hin und stand zwischen ihnen und sagte: Frau, bist du nun Kaiser?" Ja", sagte sie, ich bin Kaiser." Da stellte er sich nun hin und besah sie sich so recht; und als er sie so eine Zeitlang angesehen hatte, da sagte er: Ach, Frau, wie steht dir das schn, da du Kaiser bist!" Mann", sagte sie, was stehst du da? Ich bin nun Kaiser; nun will ich aber auch Papst werden, geh hin zum Butt!" Ach, Frau", sagte der Mann, was willst du denn nicht noch alles werden?" Papst kannst du nicht werden; den Papst gibts doch nur einmal in der Christenheit - das kann er doch nicht machen." Mann", sagte sie, ich will Papst werden, geh gleich hin, ich mu heut noch Papst werden!" Nein, Frau", sagte der Mann, das mag ich ihm nicht sagen, das geht nicht gut aus, das ist zuviel verlangt, zum Papst kann dich der Butt nicht machen." Mann, schwatz kein dummes Zeug!" sagte die Frau, kann er Kaiser machen, so kann er auch Ppste machen. Geh sofort hin! Ich bin Kaiser, und du bist doch mein Mann - willst du wohl hingehen?" Da wurde ihm ganz bang zumute, und er ging hin. Ihm war aber ganz flau, er zitterte und bebte, und die Knie und Waden schlotterten ihm. Und da strich so ein Wind ber das Land, und die Wolken flogen, und es wurde so dster wie gegen den Abend zu; die Bltter wehten von den Bumen, und das Wasser ging hoch und brauste so, als ob es kochte, und platschte an das Ufer, und in der Ferne sah er die Schiffe, die gaben Notschsse ab und tanzten und sprangen auf den Wogen. Doch der Himmel war in der Mitte noch so ein bichen blau, aber an den Seite, da zog es so recht rot auf wie ein schweres Gewitter. Da ging er ganz verzagt hin und stand da in seiner Angst und sagte:  
Manntje, Manntje, Timpe Te,  
Buttje, Buttje in der See,  
mine Fru, de Ilsebill,  
will nich so, as ik wol will."  
Na, was will sie denn?" sagte der Butt. Ach", sagte der Mann, sie will Papst werden." Geh nur hin, sie ist es schon", sagte der Butt.  
Da ging er hin, und als er ankam, da war da wie eine groe Kirche, von lauter Palsten umgeben. Da drngte er sich durch das Volk; inwendig war aber alles mit tausend und aber tausend Lichtern erleuchtet, und seine Frau war ganz in Gold gekleidet und sa auf einem noch viel hheren Thron und hatte drei groe, goldene Kronen auf, und um sie herum, da war so viel geistlicher Staat, und zu beiden Seiten von ihr, da standen zwei Reihen Lichter, das grte so dick und gro wie der allergrte Turm, bis zu dem allerkleinsten Kchenlicht. Und all die Kaiser und Knige, die lagen vor ihr auf den Knien und kten ihr den Pantoffel. Frau", sagte der Mann und sah sie so recht an, bist du nun Papst?" Ja", sagte sie, ich bin Papst." Da ging er hin und sah sie recht an, und da war ihm, als ob er in die helle Sonne she. Als er sie so eine Zeitlang angesehen hatte, sagte er: Ach, Frau, wie gut steht dir das, da du Papst bist!" Sie sa aber ganz steif wie ein Baum und rhrte und regte sich nicht. Da sagte er: Frau, nun sein zufrieden, da du Papst bist! Nun kannst du doch nichts mehr werden." Das will ich mir bedenken", sagte die Frau. Damit gingen sie beide zu Bett; aber sie war nicht zufrieden, und die Gier lie sie nicht schlafen, sie dachte immer, was sie noch werden knnte.  
Der Mann schlief gut und fest, er hatte am Tag viel laufen mssen; die Frau aber konnte nicht einschlafen und warf sich die ganze Nacht von einer Seite auf die andere und dachte immer drber nach, was sie wohl noch werden knnte, und konnte sich doch auf nichts mehr besinnen. Indessen wollte die Sonne aufgehen, und als sie das Morgenrot sah, setzte sie sich aufrecht im Bett hin und sah starr da hinein. Und als sie aus dem Fenster die Sonne so heraufkommen sah: Ha", dachte sie, kann ich nicht auch die Sonne und den Mond aufgehen lassen?" Mann", sagte sie und stie ihn mit dem Ellenbogen in die Rippen, wach auf, geh hin zum Butt, ich will werden wie der liebe Gott!" Der Mann war noch ganz schlaftrunken, aber er erschrak so, da er aus dem Bett fiel. Er meinte, er htte sich verhrt und rieb sich die Augen aus und sagte: Ach, Frau, was sagst du?" Mann", sagte sie, wenn ich nicht die Sonne und den Mond kann aufgehen lassen - das kann ich nicht aushalten, und ich habe dann keine ruhige Stunde mehr, da ich sie nicht selbst kann aufgehen lassen." Dabei sah sie ihn ganz bse an, da ihn ein Schauder berlief. Gleich geh hin; ich will werden wie der liebe Gott!" Ach, Frau", sagte der Mann und fiel vor ihr auf die Knie, das kann der Butt nicht. Kaiser und Papst kann er machen; ich bitte dich, geh in dich und bleibe Papst!" Da kam die Bosheit ber sie; die Haare flogen ihr so wild um den Kopf, und sie schrie: Ich halte das nicht aus! Und ich halte das nicht lnger aus; willst du hingehen?" Da zog er sich die Hosen an und lief davon wie unsinnig.  
Drauen aber ging der Sturm und brauste, da er kaum auf den Fen stehen konnte. Die Huser und die Bume wurden umgeweht, und die Berge bebten, und die Felsenstcke rollten in die See, und der Himmel war ganz pechschwarz, und es donnerte und blitzte, und die See ging in so hohen schwarzen Wogen wie Kirchtrme und Berge, und oben hatten sie alle eine weie Schaumkrone. Da schrie er, und er konnte sein eigenes Wort nicht hren:  
Manntje, Manntje, Timpe Te,  
Buttje, Buttje in der See,  
mine Fru, de Ilsebill,  
will nich so, as ik wol will."  
Na, was will sie denn?" sagte der Butt. Ach", sagte er, sie will werden wie der liebe Gott." Geh nur hin, sie sitzt schon wieder in der Fischerhtte."  
Da sitzen sie noch bis auf den heutigen Tag.  
\np#\ul#Von dem Tode des Hhnchens\ul#

Auf eine Zeit ging das Hhnchen mit dem Hhnchen in den Nuberg, und sie machten miteinander aus, wer einen Nukern fnde, sollte ihn mit dem andern teilen. Nun fand das Hhnchen eine groe groe Nu, sagte aber nichts davon und wollte den Kern allein essen. Der Kern war aber so dick, da es ihn nicht hinunterschlucken konnte und er ihm im Hals stecken blieb, da ihm angst wurde, es mte ersticken. Da schrie das Hhnchen 'Hhnchen, ich bitte dich lauf, was du kannst, und hol mir Wasser, sonst erstick ich.'   
Das Hhnchen lief, was es konnte, zum Brunnen und sprach 'Born, du sollst mir Wasser geben; das Hhnchen liegt auf dem Nuberg, hat einen groen Nukern geschluckt und will ersticken.' Der Brunnen antwortete 'lauf erst hin zur Braut und la dir rote Seide geben.'   
Das Hhnchen lief zur Braut 'Braut, du sollst mir rote Seide geben: rote Seide will ich dem Brunnen geben, der Brunnen soll mir Wasser geben, das Wasser will ich dem Hhnchen bringen, das liegt auf dem Nuberg, hat einen groen Nukern geschluckt und will daran ersticken.' Die Braut antwortete 'lauf erst und hol mir mein Krnzlein, das blieb an einer Weide hngen.'   
Da lief das Hhnchen zur Weide und zog das Krnzlein von dem Ast und brachte es der Braut, und die Braut gab ihm rote Seide dafr, die brachte es dem Brunnen, der gab ihm Wasser dafr. Da brachte das Hhnchen das Wasser zum Hhnchen, wie es aber hinkam, war dieweil das Hhnchen erstickt, und lag da tot und regte sich nicht.   
Da ward das Hhnchen so traurig, da es laut schrie, und kamen alle Tiere und beklagten das Hhnchen; und sechs Muse bauten einen kleinen Wagen, das Hhnchen darin zum Grabe zu fahren; und als der Wagen fertig war, spannten sie sich davor, und das Hhnchen fuhr. Auf dem Wege aber kam der Fuchs 'wo willst du hin, Hhnchen?' 'Ich will mein Hhn chen begraben.' 'Darf ich mitfahren?'   
'Ja, aber setz dich hinten auf den Wagen, vorn knnens meine Pferdchen nicht vertragen.'   
Da setzte sich der Fuchs hintenauf, dann der Wolf, der Br, der Hirsch, der Lwe und alle Tiere in dem Wald. So ging die Fahrt fort, da kamen sie an einen Bach. 'Wie sollen wir nun hinber?' sagte das Hhnchen. Da lag ein Strohhalm am Bach, der sagte 'ich will mich quer darberlegen, so knnt ihr ber mich fahren.' Wie aber die sechs Muse auf die Brcke kamen, rutschte der Strohhalm aus und fiel ins Wasser, und die sechs Muse fielen alle hinein und ertranken.   
   
Da ging die Not von neuem an, und kam eine Kohle und sagte 'ich bin gro genug, ich will mich darberlegen, und ihr sollt ber mich fahren.' Die Kohle legte sich auch an das Wasser, aber sie berhrte es unglcklicherweise ein wenig, da zischte sie, verlschte und war tot. Wie das ein Stein sah, erbarmte er sich und wollte dem Hhnchen helfen, und legte sich ber das Wasser. Da zog nun das Hhnchen den Wagen selber, wie es ihn aber bald drben hatte, und war mit dem toten Hhnchen auf dem Land und wollte die andern, die hintenauf saen, auch heranziehen, da waren ihrer zuviel geworden, und der Wagen fiel zurck, und alles fiel miteinander in das Wasser und ertrank.   
Da war das Hhnchen noch allein mit dem toten Hhnchen, und grub ihm ein Grab und legte es hinein, und machte einen Hgel darber, auf den setzte es sich und grmte sich so lang, bis es auch starb; und da war alles tot.
